Rätsel Racing-Raritäten: Nachfolger des Lkw-Fahrers

Von Mathias Brunner
Formel 1

​​​​​​Unser neues Rätsel «Racing-Raritäten» zeigt einen Mann, der sich tüchtig ins Zeug legt, als Nachfolger eines Lastwagen-Fahrers. Wer ist hier am Fahren? Auf welcher Rennstrecke und wann ist das Bild entstanden?

Aus dem Archiv unserer Partner der britischen Foto-Agentur LAT stellen wir bekanntlich jede Woche ein kleines Stück Motorsporthistorie vor. Das Vorgehen ist kinderleicht – sagen Sie uns, wer zu erkennen ist, wo und wann das Bild entstand (Beispiel: Jo Siffert, Monza, 1970) und gewinnen Sie mit etwas Glück einen kleinen Preis. Bitte Namen, Adresse, Geburtsjahr und Telefonnummer nicht vergessen. Schicken Sie Ihre Lösung an: mathias.brunner@speedweek.com. Einsendeschluss ist jeweils Sonntag der laufenden Woche, 24.00 Uhr.

Die richtige Lösung vom letzten Mal: Der Deutsche Hubert Hahne beim erfolglosen Versuch, seinen privat eingesetzten March 701-Cosworth für den Grossen Preis von Deutschland 1970 in Hockenheim zu qualifizieren.

Der Hockenheim-GP 1970 wurde zu einer wundervollen Windschattenschlacht zwischen Lotus-Star Jochen Rindt und den beiden Ferrari-Piloten Clay Regazzoni und Jacky Ickx. Der Tessiner schied wegen Motorschadens aus, der Belgier Ickx musst sich dem in Mainz geborenen Österreicher Rindt nur um 0,7 Sekunden geschlagen geben, die Fans waren komplett aus dem Häuschen.

Es handelte sich damals um den ersten Formel-1-WM-Lauf auf dieser Rennstrecke, nachdem sich die Formel-1-Fahrer unter Leitung von Jackie Stewart gegen einen Einsatz auf dem Nürburgring ausgesprochen hatten. Sie fanden, die Sicherheitsvorkehrungen auf der Nordschleife seien antiquiert. 1971 wurde dann wieder in der Eifel gefahren.

Hubert Hahne war am Renntag nur Zuschauer. Niemand wird ernsthaft bestreiten, dass Hahne im Tourenwagen und ich in der Formel 2 den Besten der Branche die Stirn bieten konnte. Sein erstes Autorennen fuhr er erst mit 25 Jahren, das war 1960, ausgerechnet auf der schwierigsten Rennstrecke der Welt, auf obigem Nürburgring. Schon drei Jahre später war er Europapokalsieger für Tourenwagen, mit einem BMW 700. Ein Jahr später fuhr er mit einem BMW 1800 TI die Konkurrenz in Grund und Boden, 14 Siege in 16 Rennen, damit wurde er Deutscher Rundstreckenmeister. Mit Jacky Ickx eroberte er den Triumph in den prestigeträchtigen 24 Stunden von Spa-Francorchamps.

1966 wurde Hahne mit einem Matra Zweiter der Formel-2-Wertung im Grossen Preis von Deutschland, nur Jean-Pierre Beltoise war noch besser. 1969 eroberte Hubert Hahne den zweiten Platz in der Formel-2-EM hinter dem Franzosen Johnny Servoz-Gavin, er schlug Fahrer wie François Cevert, Henri Pescarolo, Derek Bell, Nannin Galli und Clay Regazzoni. Daher nochmals: Sein Talent war unbestritten.

Der Flop mit dem privaten March 701 in Hockenheim hatte andere Gründe. Hahne, inzwischen 35 Jahre alt, und seine Gattin investierten 160.000 D-Mark für einen sibernen Renner, der leider kein Silberpfeil war. Die Rundenzeiten blieben schwach, und Hahne schimpfte wie ein Rohrspatz, sprach von einem halben Schrotthaufen mit unangemessener Lenkung und maroden Bremsen, dazu von einem Motor, der viel Öl verlangte und wenig Leistung abgab. Hahne zeterte von Betrug, March-Mitbesitzer Max Mosley, später FIA-Präsident, liess das alles kalt. Der Engländer führte ins Feld, dass Hahne den vereinbarten Zahlungsmodalitäten nicht nachgekommen sei. Mosley meinte, das Scheitern sei programmiert gewesen – man könne nicht bei March ein Fahrzeug abholen, sich reinsetzen und erwarten, dass alles funktioniere, ein Formel-1-Auto sei schliesslich kein Mietwagen. Hahne habe es wegen der späten Bezahlung des Motors versäumt, vor Hockenheim zu testen.

Es folgten üppige Anschuldigungen beiderseits, sehr zur Freude der eingeschalteten Anwälte und der Tageszeitungen. Schliesslich machte der schlaue Mosley den Vorschlag – wenn der Renner angeblich so schlecht sei, dann könne man ja Werksfahrer Ronnie Peterson reinsetzen und sehen, was der für Rundenzeiten fahre. Gesagt, getan. Der begnadete Schwede fuhr dank seines reichen Talents um alle Probleme des Wagens herum und fuhr in Silverstone nicht weltbewegende, aber anständige Zeiten. Damit war die Argumentation Hahnes entkräftet, der Wagen tauge nichts. Aber eine Granate war das Gefährt trotzdem nicht. Der March kam unter Jean-Pierre Jarier noch in Oulton Park und in Monza zum Einsatz, ohne nennenswerten Erfolg.

Rehabilitiert wurde der Wagen knapp dreissig Jahre später bei Einsätzen historischer GP-Boliden, unter Besitzer Erwin Derichs. 1999 und 2000 gewann der Mayener die Formel-1-Klasse A für historische Grand-Prix-Autos.

Hubert Hahne trat nach dem March-Debakel vom Motorsport zurück.

Zum neuen Rätsel: Die Kopfstellung zeigt – mangelnden Einsatz können wir diesem Piloten nich vorwerfen. Das war bei seinem Vorgänger zum Schluss vielleicht anders, einem Lastwagenfahrer.

Wer ist hier zu sehen?

Wo und wann ist das Bild entstanden?

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