Toto Wolff über Ocon-Situation: «Lügen und Politik!»

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff

Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff

Toto Wolff weiss: Es wird immer wahrscheinlicher, dass Mercedes-Talent Esteban Ocon kein Formel-1-Cockpit für 2019 findet. Der Motorsportdirektor schimpft über die Teams, die den Franzosen im Stich gelassen haben.

«Es ist schwer zu glauben, dass die Chancen auf einen Verbleib in der Formel 1 immer geringer werden», seufzte Esteban Ocon im Fahrerlager von Singapur. Denn das Force India-Talent muss seinen Platz nach dieser Saison räumen, weil eine Investorengruppe um den Formel-1-verrückten Mode-Mogul Lawrence Stroll das Team aus Silverstone übernommen hat. Und der Milliardär tat dies, um seinem Sohn Lance Stroll ein besseres Cockpit für das nächste Jahr zu beschaffen. Der Teenager aus Kanada ist derzeit im unterlegenen Williams-Renner unterwegs.

Das Ganze war absehbar, deshalb reagierte Mercedes-Motorsportdirektor Toto Wolff auch frühzeitig und schaute sich nach Alternativen für den schnellen Franzosen um. Denn im Werksteam der Sternmarke ist für Ocon noch kein Platz – die Silberpfeile werden zumindest im nächsten Jahr noch mit Valtteri Bottas an der Seite von Zugpferd Lewis Hamilton weitermachen.

Wolff organisierte einen Vorvertrag mit Renault für seinen Schützling, doch weil die Franzosen die Gelegenheit bekamen, Red Bull Racing-Star Daniel Ricciardo vom bisherigen Motorenkunden aus Milton Keynes abzuwerben, wurde nichts aus dem beabsichtigten Vertrag für 2019. Renault verpflichtete stattdessen den schnellen Australier, der demnach in den nächsten beiden Jahren neben Nico Hülkenberg für den Rennstall aus Enstone antreten wird.

Ocon, der auch ein Angebot von McLaren hatte, das er allerdings zugunsten von Renault ausgeschlagen hatte, fand sich deshalb plötzlich in der schwierigen Situation wieder, ganz ohne Vertrag dazustehen. Denn mittlerweile war die Tür auch bei McLaren zu – der Traditionsrennstall aus Woking wird 2019 mit Rohdiamant Lando Norris und dem bisherigen Renault-Piloten Carlos Sainz antreten.

Dass der 21-Jährige aus Evreux damit Gefahr läuft, eine einjährige Zwangspause einlegen zu müssen, sorgt bei Wolff für viel Ärger. Der Wiener schimpft im Sky Sports F1-Interview: «Was in diesem Jahr im Juli und August abging, ist einfach unglaublich. Da lief so viel Politik im Hintergrund ab, versteckte Interessen und Lügen. Und am Ende werden nicht alle Talente ein Auto für 2019 finden, wahrscheinlich wird Esteban einer von ihnen sein.»

Der 46-Jährige bestätigt auch: «Im Juli hatte er zwei Angebote auf dem Tisch und es ging nur darum, herauszufinden, welches der richtige für ihn ist. Nun steht er ohne Vertrag da und das liegt einzig und allein an der Tatsache, dass gewisse Leute nicht den Mumm hatten, zu ihrem Wort zu stehen.»

«Wir werden uns aber um Esteban kümmern», verspricht Wolff, und lobt: «Ich bin mir ganz sicher, dass er zu den künftigen Champions gehört.» Deshalb will der Österreicher den Hoffnungsträger auch nicht freigeben, um dessen Chancen auf ein Cockpit bei einem Rivalen zu erhöhen: «Das wird nie passieren. Denn eines Tages wird er in einem Silberpfeil Rennsiege und Titel erobern, und allen beweisen, dass sie einen Fehler gemacht haben.»

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