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Ferrari als schlechter Verlierer? Ärger in Italien

​Ein Tweet von Ferrari gibt in Italien viel zu reden. Selbst Ferrari-Fans kritisieren eine Wortmeldung aus Maranello nach dem Singapur-GP. Ist der Rennstall von Sebastian Vettel ein schlechter Verlierer?

Formel 1

Im Artikel erwähnt



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Ausrutscher von Ferrari auf dem heikel-rutschigen Parkett der sozialen Netzwerke. Nach der Niederlage von Singapur haben die Italiener diese Nachricht auf Twitter gesetzt: "Boredom the winner in Singapore." Die Langweile hat also in Singapur gewonnen, nicht etwa Mercedes. Niemand wird behaupten, dass der Rennverlauf beim Nacht-GP elektrisierend gewesen ist. Aber selbst Ferrari-Fans sind von dieser Wortmeldung genervt, hier wird ohne Not eine Kontroverse entfacht. Ferrari steht als schlechter Verlierer da, einige Fans sprechen von einer Unsportlichkeit. Es ist keine Schande zu verlieren, wird auf Twitter geschrieben, aber dann bitte mit Stil.

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Nach Sebastian Vettels Sieg in Silverstone lag der vierfache Formel-1-Weltmeister in der Weltmeisterschaft noch mit acht Punkten vorne, es stand 171:163 gegen Lewis Hamilton. Dann wurde klar: Die Erkrankung des Firmenchefs Sergio Marchionne ist viel gravierender als befürchtet, am 25. Juli verstarb der CEO des Fiat/Chrysler-Konzerns in Zürich. Nach dem Rennen in England ging nicht mehr viel bei Ferrari – Ausfall von Vettel in Hockenheim, in Führung liegend, auf einmal lag Lewis Hamilton mit 17 Punkten vorne. Dann Niederlage in Ungarn, wo Ferrari einen Sieg hätte einfahren müssen, neuer Stand 213:189 für Hamilton. Nach der Sommerpause eine starke Reaktion von Ferrari und Vettel: Sieg in Spa-Francorchamps, es stand 231:214 für Hamilton. Dann aber Kollision mit Hamilton in der ersten Runde des Italien-GP in Monza, Vettels Aufholjagd endete mit Rang 4, Rivale Hamilton triumphierte, 256:226 für den Briten. Zuletzt, erneut auf einer Bahn, wo mit einem ganz starken Ferrari gerechnet worden war, nur Rang 3 in Singapur, bei erneutem Sieg von Hamilton, damit steht es aktuell 281:241 für den Mercedes-Star.

Bei noch sechs ausstehenden GP-Wochenenden sind vierzig Punkte Rückstand eine nicht unlösbare, aber sehr schwierige Aufgabe. In den vergangenen sechs Rennen hat Hamilton 48 Punkte mehr gesammelt als Vettel. An Siegen steht es inzwischen 7:5 für Hamilton, vor allen jedoch hat Lewis vier der letzten fünf Rennen gewonnen. Keiner glaubt vor diesem Hintergrund, dass Sebastian ab nun sechs Mal zum Sieg fahren wird.

Ein Ferrari-Insider sagte mir in Singapur: "Ferrari hat den kraftvollsten Motor und ein Auto, das auf jeder Art Rennstrecke schnell ist. Wenn sie mit solch einem Werkzeug nicht Weltmeister werden, wann dann? Fakt ist: Vettel hat zu viele Fehler gemacht, und die Strategie vom Kommandostand ist in einigen Fällen fragwürdig bis falsch gewesen."

Besonders tief sitzt der Stachel von Hockenheim. Statt eines Sieges von Sebastian und Rang 2 von Hamilton (25:18 Punkte), gab es einen Sieg von Hamilton und eine Nullrunde von Vettel. Der Unterschied alleine dieses Rennens ist also 32 Punkte wert. Dann sähe der WM-Stand heute für Vettel ein wenig gnädiger aus.

Die Tragödie um Sergio Marchionne und der Rückfall von Ferrari sind vielleicht miteinander verknüpft. Marchionne war ein echter Leader, der seine Firma mit ähnlich eiserner Hand führte wie Enzo Ferrari. In Italien wird Ferrari nach dem Tod Marchionnes eine gewisse Führungslosigkeit vorgeworfen. Der neue Ferrari-CEO Louis Camilleri lässt Teamchef Maurizio Arrivabene weitgehend freie Hand, da guckte Marchionne schon ein wenig genauer hin.

Selbst wenn Arrivabene das als sinnlos negiert hat – Kimi Räikkönen hätte in Monza klarere Vorgaben erhalten müssen. Ganz abgesehen davon, dass Ferrari auf der Hausbahn Mitte und Wege hätte finden sollen, dass Star-Fahrer Vettel auf Pole steht, nicht Räikkönen. In Singapur ging die Reifentaktik weder im Training noch im Rennen auf. Ein weiterer Fehler von Sebastian Vettel im freien Training mit einem herzhaften Mauerkuss führte zum Verlust von Zeit, die in eine bessere Abstimmung hätte investiert werden können. Fehler über Fehler.

Natürlich ist es dummes Zeugs, wonach Sebastian Vettel mental nicht stark genug sei (wie in Italien ebenfalls behauptet wird). Pardon? Und wie, bitteschön, ist der Heppenheimer dann vier Mal in Folge Weltmeister geworden? Nein, viel eher gilt: Ferrari und Vettel machen derzeit zu viele Fehler gegen einen fast makellos fahrenden Lewis Hamilton.

Was Ferrari ab dem Russland-GP braucht: Eine astreine Leistung, das ganze Wochenenede lang; einen Räikkönen, der für Vettel fährt; einen Sebastian, der seine Fehlerquote auf null senkt; und vielleicht auch als Glück für Ferrari ein wenig Pech von Mercedes.

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