Toto Wolff (Mercedes-Benz): Warnung vor Ferrari

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Sebastian Vettel setzt mit dem Ferrari am ersten Wintertesttag von Barcelona ein Ausrufezeichen. Das geht auch an Toto Wolff nicht spurlos vorbei, dem Teamchef von Dauerweltmeister Mercedes-Benz.

Die Menschen gieren darauf, dass die Formel 1 endlich wieder rollt. Das zeigt sich auch bei der Medienrunde mit Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Das Motorhome der Dauerweltmeister platzt aus allen Nähten, als der Wiener das Wort ergreift. Auch der 47jährige Österreicher war gespannt darauf, einen ersten Blick auf die Formel 1 anno 2019 zu werfen.

Toto, was ist dir am ersten Testtag aufgefallen?

Man muss da sehr diszipliniert bleiben. Wir tendieren alle dazu, sofort auf die Rundenzeiten zu sehen, und jeder will natürlich ganz oben stehen. Aber das ist nicht Sinn und Zweck des Wintertests. Wir müssen unsere ganzen Arbeitslisten durchgehen und Daten sammeln. Klar habe ich die Zeit von Sebastian Vettel und Ferrari gesehen, und die ist sauschnell. Ferrari ist bislang bärenstark.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto hat gesagt: «Wenn es hart auf hart geht, dann erhält Vettel Priorität.» Wie sieht das bei euch aus?

Mattia hat eine gewaltige Aufgabe vor sich, und ich habe den Eindruck, er will das auf seine eigene Weise machen. Stallorder ist immer ein kontroverses Thema. Wir haben das 2018 ausführlich miteinander diskutiert, sei dies bei Mercedes oder Ferrari. So einen Satz zu Beginn des Jahres zu sagen, ist eine klare Ansage. Ich kenne Mattia seit vielen Jahren, als Motorenchef bei Ferrari, dann als Leiter der technischen Abteilung, nun als Teamchef. Er ist ein blitzgescheiter Kerl, der genau weiss, was er tut.

Wir haben von den Eindrücken gesprochen.

Der erste Eindruck der neuen Formel 1 ist gut, jedenfalls schneit es nicht, wie vor einem Jahr! Also sollten wir alle reichlich zum Fahren kommen, das ist positiv. Es ist interessant zu sehen, wieviel Leistungsfähigkeit in den neuen Regeln steckt, denn unsere Rundenzeiten schon am ersten Tag sind nicht weit weg davon, was wir 2018 gefahren sind. Wenn dann in den kommenden Tagen mehr neue Teile an die Autos kommen und weichere Reifen obendrein, dann werden wir wohl die Rundenzeiten vom Vorjahr erreichen oder gar unterbieten. Wer wie schnell sein wird, das ist kaum abzuschätzen. Ich kann nur sagen: Ich sehe einen Ferrari, der auf der Strecke sehr gut ausbalanciert ist. Aber wir haben alle Gegner auf dem Radar.

Wir gross ist dein Optimismus?

Ich bin leider kein Optimist. Das macht meine Tage nicht einfacher. Wenn ich sehe, wie es am ersten Tag losgeht, dann bin ich immer gleich besorgt, ob unser Paket denn auch wirklich gut genug ist. Aber man muss da ganz professionell bleiben und die Ingenieure ihre Arbeit machen lassen in den nächsten Tagen. Also bleibe ich neutral.

Was erwartest du vom neuen Aero-Reglement?

Veränderungen sind primär dazu da, die Hackordnung zu verändern, dass also nicht immer die gleichen Teams vorne sind. Und es wird spannend sein zu sehen, ob das gelingen wird. 2017 haben wir umgestellt auf die breiteren Räder, und das Kräfteverhältnis hat sich nicht geändert. Dieser Schritt jetzt ist gewaltig, weil sich die aerodynamische Philosophie ändert. Klar wollen wir erneut Weltmeister werden, aber wir wissen genau – einen Anspruch auf den Titel haben wir nicht.

2014 hat sich gezeigt, dass wir das neue Motorreglement vielleicht am besten umgesetzt haben. Das gab uns einen Vorsprung, den wir in den letzten Jahren halten konnten. Im letzten Jahr und bei stabilem Reglement war Ferrari schon ziemlich nahe dran. Und bei den letzten Rennen der Saison 2018 hatte Red Bull Racing das Thema Reifen am besten im Griff und war siegfähig. Dieser Trend wird sich fortsetzen. Ich erwarte eine sehr starke Konkurrenz.

Lewis Hamilton hat gesagt, das er sich 2019 nochmals steigern möchte. Aber er ist 2018 schon so gut wie makellos gefahren. Also wie soll das gehen?

Ich traue ihm das zu. Ich weiss nicht, wer von euch allen Lewis schon gesehen hat, seit er aus den Winterferien zurückgekommen ist. Der hat tüchtig Muskeln draufgepackt, vor allem aber ist er mental komplett ausgeruht und wirkt sehr stark. Ich habe es noch nie erlebt, dass er so aufgetaucht. Er stand schon eine halbe Stunde vor seinem Test in der Box, voll bereit, um endlich anfangen zu können. Ich sehe ihn in Top-Form.

Wir haben nun fast alle Autos auf der Bahn gesehen. Gibt es da ein Detail, über das du deinen Technikern sagst: «Das sollten wir uns vielleicht mal ansehen.»?

Ich finde ein geändertes Reglement unter anderem deshalb so spannend, weil es unterschiedliche Auslegungen zulässt. Wir können etwa am Ferrari oder Sauber sehen, dass sie ein anderes Frontflügelkonzept verfolgen als die Gegner. Ich sehe sehr viel Innovation, und klar haben wir das auf dem Radar. Auf der anderen Seite darf man sich nicht ablenken lassen. Du musst deiner Design-Philosopie treu bleiben und in Ruhe das eigene Material entwickeln.

Wir gehen bei unseren Autos immer im Sinne einer Evolution vor, und viele unserer markantesten Veränderungen spielen sich unter der Verkleidung ab. Klar wollen auch wir an Leistung zulegen, aber wir lassen die Standfestigkeit nie aus den Augen. Wir haben ein gutes Paket. Aber wo uns das hinbringt, kann derzeit keiner sagen. WM-Titel geben dir keine Garantie, die Spitze zu halten, und die starke Leistung von Ferrari an diesem ersten Tag unterstreicht das.

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