Ennstal-Classic: Mit Mark Webber und Hans Stuck

Von Helmut Zwickl
Formel 1

​Die beiden Landstrecken-Weltmeister Hans-Joachim Stuck und Mark Webber sind zwei Publikumsmagnete bei der Ennstal-Classic 2019. Lesen Sie alles über tollen Sport mit dem letzten Kulturgut.

TV-Star Christian Clerici bringt es auf den Punkt: «Mobilität befindet sich im Umbruch. Elektroauto, Wasserstoffauto, was immer es wird – die Ennstal-Classic zeigt uns, was am Beginn stand. Diese Autos sind das letzte Kulturgut, das wir aus der Pionierzeit noch haben.»

Österreichs renommierteste Oldtimer-Rallye steigt zwischen dem 25. und 27. Juli mit einem Monster-Startfeld von 234 Autos bis Baujahr 1972. Die Ennstal-Classic wurde 1993 zum ersten Mal ausgetragen: Eine Oldtimer-Rallye, die mit 35 Startern begann. Rallye-Ikone Walter Röhrl war der erste Sieger. Inzwischen etablierte sich die Ennstal zur bedeutendsten Oldtimer-Rallye Österreichs, mit einem Renommé weit über die Grenzen hinaus. Auch im Zeitalter der E-Autos lebt das Interesse und die Leidenschaft für das Blech der frühen Jahre so heftig wie nie zuvor.

49 Marken – darunter viele, die es längst nicht mehr gibt - werden unter 18 Nationen aufgeteilt, unter anderen mit Piloten aus Finnland, der USA, Australien, Italien, Mexiko, Russland, Griechenland, Slowenien, der Schweiz und Deutschland.

Die Strecke ist für die alten Autos, aber auch für die Piloten eine echte Herausforderung. Gespickt mit geheimen Sonderprüfungen, auf denen es gilt, den Schnitt von 40, bzw. 50 km/h zu halten, sind am ersten Fahrtag (Donnerstag, 25.Juli) 403 km, am 2. Tag (Freitag 26.Juli) 451 km zu absolvieren. Höhepunkte am Donnerstag sind die Fahrt über die Postalm und die Sonderprüfung auf dem Red Bull Ring. Hotspots am Freitag sind die Etappenorte Lunz, Steyr und der Alpenflugplatz Niederöblarn sowie die Fahrt durchs Gesäuse.

Das älteste Auto, das die Startnummer 1 trägt, ist ein Ballot-Rennwagen, der 1920 in Indianapolis Siebter wurde, 1921 gewann der Franzose Jules Goux mit diesem herrlichen Fossil aus der heroischen Zeit der Automobil-Geschichte den Grand Prix von Italien. Heute sitzt Alexander Schaufler im Cockpit des 107 PS starken Boliden.

Das Porsche-Museum Stuttgart schickt fünf Teams in die Ennstal-Classic, die eine Mischung von Lenkrad-Legenden und Männern aus der Vorstandsetage darstellen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Wolfgang Porsche wird mit Günther Horvath einen 356 Carrera 2 chauffieren. Lenkradlegende Hans-Joachim «Striezel» Stuck bekommt den berühmten «Dreikantschaber» aus dem Jahr 1963.

Mark Webber, der Langstrecken-Weltmeister, wird einen Porsche 356 Speedster 1600 S zünden. Mark ist ein Sympathieträger, er absolvierte 215 Formel-1-Rennen, gewann neun davon und wurde drei Mal WM-Dritter. Er fuhr im GP-Sport für Minardi, Jaguar, Williams und Red Bull Racing und schaffte 42 Podestplätze. Für Porsche wurde er 2015 Weltmeister im Langstreckensport. Lutz Meschke, Vorstand für Finanzen und IT fährt einen 356 1600S, und Roland Heiler, CEO von Porsche Design, steigt mit einem Journalisten von der «Welt» in einen 356 1600S.

Der 1944 in Bludenz geborene Rudi Lins war in den 60er Jahren einer der besten Autorennfahrer in Österreich. Ab 1966 wurde er dreimal in Folge österreichischer Bergmeister. Als er 1967 auf einem Porsche Carrera 6 die Europa-Bergmeisterschaft für Sportwagen gewann, war er längst Werksfahrer bei Porsche. 1968 wurde er mit Vic Elford auf Porsche 910 Zweiter beim 1000-km-Rennen von Paris. Seinen grössten Erfolg feierte der Vorarlberger 1970 beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans, wo er mit Helmut Marko Dritter auf einem Porsche 908/02 wurde. Rudi Lins ist zum ersten Mal bei der Ennstal-Classic, in Gröbming wird er einen Porsche 908/2 demonstrieren.

Derek Bell, Arturo Merzario, Dieter Quester, Jochen Mass, Daniele Audetto, Rauno Aaltonen und Rudi Stohl blicken auf eine erfolgreiche Vergangenheit hinterm Lenkrad zurück. Auch heuer ist die Dichte der Promis und Manager gross, am Start stehen: Peter Kraus, Christian Clerici, Rudi Roubinek, Wolfgang Brandstetter, Dieter Böhmdorfer, Siegfried Wolf, Michael Tojner, Hans-Peter Schützinger, Michael Krammer und Jo Ramirez.

Auch frühere Ennstal-Sieger werden in Gröbming von der Startrampe rollen, wie Alexander Deopito – der 2017 als Erster mit einem Vorkriegsauto Gesamtsieger wurde, und heute als Top-Star der heimischen Oldtimer-Bewerbe gilt. Weiters sind dabei die Sieger Rauno Aaltonen (1998), Alois Heidenbauer (2011), Sebastian Klackl (2010), Richard Kaan (1996), und Gerry Brandstetter (2002). Die Zweifach-Sieger heissen: Fritz Radinger/Thomas Wagner (2015 und 2016), sowie Alexander und Florian Deopito (2017, 2018). Modemacher Helmut Schramke und Peter Umfahrer stehen als Dreifach-Sieger (2003, 2006, 2012) auf der Rampe.

Am Freitag steigt auf dem Fluglatz Niederöblarn die Speed-Show für GT und Rennsportwagen. Namhafte Abarth-Enhusiasten sorgen mit ihren Autos für eine Homage an den legendären Österreicher. Die Scuderia Velsecco setzt zwei Wagen ein: Rudi Roubinek fährt einen Fiat-Abarth 2000, den ihm Franz Steinbacher zur Verfügung stellt. Bei diesem 170 PS starken Formula 2000 Monoposto handelt es sich um den allerletzten Rennwagen an dem Carlo Abarth im Frühjahr 1979, mittlerweile als Konsulent für seine ehemalige Firma, bei der Gesamtkonzeption noch wesentlich mitgearbeitet hat. Franz Steinbacher sitzt im Cockpit eines Abarth 1600 SP mit 170 PS aus dem Jahre 1967. Aus der Collection Möll kommt der 365 PS starke Abarth 3000 V-8 Sport Spider Prototyp, das Auto wird von Jürgen Bode gelenkt.

Star des Abarth-Festivals ist Arturo Merzario. Er fuhr 57 Formel 1-Rennen auf Ferrari, Williams, March, Wolf und seinem Grand-Prix-Eigenbau, er gilt als Lebensretter von Niki Lauda, als dieser am 1. August 1976 am Nürburgring seinen Feuerunfall hatte.

Egon Hofer bringt einen Ferrari 212E/206S S Spyder, Baujahr 1966, mit grosser Vergangenheit an den Start. Zwei echte Boliden kommen von Peter Schleifer, ein hochkarätiger Hobby-Racer, der seinen 500 PS starken March-Formel 5000 in die Auslage stellt. Auch Rudi Raml aus Altenberg bei Linz bringt eine echte Attraktion zur Speed-Show: jenen Wolf-Cosworth WR8 Formel 1-Rennwagen, wie er 1979 von Keke Rosberg gefahren wurde.

Alle weiteren Informationen finden Sie unter www.ennstal-classic.at


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