Mario Andretti: «Wir brauchen Piloten aus den USA»

Von Mathias Brunner
Formel 1

​Die US-amerikanische Rennlegende Mario Andretti hat es sich nicht nehmen lassen, das GP-Wochenende von Austin vor Ort zu erleben. Er sagt: «Was wir jetzt brauchen, das sind amerikanische Formel-1-Fahrer.»

Der Grosse Preis der USA auf dem Circuit of the Americas ist ausverkauft, die Texaner erwarten das beste Dreitages-Ergebnis seit dem ersten Rennen in Austin 2012. «Mit dieser Rennstrecke hat unser WM-Lauf endlich wieder ein Zuhause gefunden», freut sich Mario Andretti, die US-amerikanische Rennlegende mit italienischen Wurzeln. Der 79jährige Andretti hat es sich nicht nehmen lassen, das GP-Wochenende von Austin vor Ort zu erleben. Der unverwüstliche Andretti ist COTA-Botschafter.

Der Formel-1-Champion von 1978 findet: «Wir haben mit Haas endlich wieder einen Rennstall aus Amerika. Das ist prima. Aber jetzt brauchen wir einen US-Piloten. Wir haben in den USA eine enorme Fan-Basis, aber wir kratzen weiter nur an der Oberfläche. Was wir brauchen, um dieses Feuer richtig lodern zu lassen, das ist eine Identifikationsfigur – einen Amerikaner im amerikanischen Rennwagen auf der texanischen Rennstrecke, das wäre was!»

Vor vier Jahren platzte der Kalifornier Alexander Rossi fast vor Stolz: Als erster US-amerikanischer Fahrer seit Scott Speed im Jahre 2007 durfte Rossi beim Heim-GP antreten. Mit dem Manor-Renner war kein Blumentopf zu gewinnen, Rossi zog sich mit Platz 12 jedoch durchaus achtbar aus der Affäre. Leider wurde aus einem Stammplatz in der Formel 1 nichts. Rossi richtete sich neu aus, gewann 2016 als Rookie sensationell das 100. Indy 500, in der Saison 2018 war im IndyCar-Sport nur Scott Dixon besser, 2019 wurde Rossi Meisterschafts-Dritter.

Es ist wirklich verblüffend: Vor Rossi bestritt acht Jahre lang kein US-Amerikaner einen Heim-GP. Im Jahre 2007 wurde Toro-Rosso-Fahrer Scott Speed in Indianapolis Dreizehnter. Wenige Wochen später war er seinen Job los. Als ihn Teamchef Franz Tost nach einem weiteren Patzer zur Rede stellte und Scott sich einfach umdrehen und gehen wollte, erhielt er vom Tiroler einen Klapps auf den Rücken. Tost: «Ich wollte ihn damit zu verstehen geben – so lösen wir hier nicht Probleme. Bleib gefälligst hier und rede mit uns!»

Speed stellte das nachher so dar, als hätte ihn der eigene Teamchef in den Rücken geschlagen, aber im Grunde war das alles egal, denn Scott war ein Auslaufmodell. Der damalige Toro-Rosso-Mitbesitzer Gerhard Berger: «Er tat immer so, als wüsste er alles, aber in Wahrheit war er der dümmste Formel-1-Fahrer, den ich je getroffen habe.»

Wenn das Team Speed über Funk anrief und ihn fragte, wo er sich befände, dann konnte da schon mal die Antwort zurückkommen: «Äh, ich habe keine Ahnung, ich lenke gerade nach links.»

Nach 28 Rennen (von Bahrain 2006 bis Nürburgring 2007) war dann Schluss für Speed, beim darauffolgenden Grand Prix in Ungarn sass ein gewisser Sebastian Vettel im Toro Rosso. Der Rest ist WM-Historie …

Weil für Rossi kein Platz in der Formel 1 war, müssen die amerikanischen GP-Fans weiter warten. Unfassbar: Der letzte GP-Sieg eines Amerikaners liegt 41 Jahre zurück! Mario Andretti siegte 1978 mit seinem Lotus in Zandvoort (Niederlanden).

Wo bleibt der Nachwuchs?

Juan Manuel Correa durfte für Sauber Testfahrten bestreiten, aber nach dem schweren Formel-2-Unfall von Belgien ist völlig ungewiss, ob und wie es mit seiner Karriere weitergeht.

Logan Sargeant ist in der Formel-3-Meisterschaft anonymer Gesamt-19. geworden. Geben Sie es zu, Sie haben noch nie von ihm gehört.

Vielleicht heisst der nächste US-Amerikaner in einem Formel-1-Auto Oliver Askew: Der 22-Jährige aus Melbourne (Florida) hat für Andretti Autosport die Indy-Lights-Serie 2019 gewonnen und ist vor kurzem von McLaren für das IndyCar-Programm 2020 verpflichtet worden. McLaren-CEO Zak Brown hat in Austin bestätigt: «Es ist nicht ausgeschlossen, dass wir einen unserer IndyCar-Jungs Oliver Askew und Pato O’Ward im kommenden Jahr mal ins Formel-1-Auto setzen.»


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