Jos Verstappen: Ferrari-Lücke moralisch nicht richtig

Von Andreas Reiners
Formel 1
Max und Jos Verstappen

Max und Jos Verstappen

Da spricht die Weisheit des Alters: Jos Verstappen hält die Betrugsvorwürfe seines Sohnes Max nicht unbedingt für klug. Er kann sie aber verstehen.

Max Verstappen trat nach dem USA-GP eine Diskussion los. Auf die Frage des niederländischen Senders ZiggoSport nach dem USA-GP, wie er sich das schwache Abschneiden von Ferrari erkläre, meinte Max spitzbübisch: «Das passiert eben, wenn man nicht mehr betrügt.»

Sein Vater bekam zuerst einen gehörigen Schreck. Auch wenn er sich daran gewöhnt haben dürfte, dass der Red-Bull-Pilot gerne mal sagt, was er denkt.

«Ich habe es gesehen und gedacht: Oh nein! Es war vielleicht nicht die klügste Aussage, aber ich verstehe Max, weil er sehr motiviert ist und gewinnen will», sagte Jos Verstappen.

«Nach der Sommerpause hatte er eine Null-Prozent-Chance gegen Ferrari und an diesem Wochenende gab es keinen Unterschied. Ich denke, jeder weiß, dass Ferrari eine Lücke benutzt hat. Das erklärt, warum sie manchmal auf der Geraden plötzlich extrem schnell sind. Es ist vielleicht kein Betrug, aber moralisch ist es nicht ganz richtig», sagte er.

«Ich bin froh, dass jetzt Klarheit herrscht, denn alle haben sich gefragt, was Ferrari getan hat.»

Worum geht es bei dem Zoff?

Verstappen spielte auf eine technische Direktive der FIA an. Red Bull Racing war beim Autoverband vorstellig geworden und hatte gefragt, ob eine bestimmte Art der Benzinversorgung legal sei. Solche Anfragen der Rennställe kommen fast täglich vor. Ebenso üblich ist es, dass die Regelhüter der FIA daraufhin eine Antwort an alle Teams senden, mit einer Klärung, was als legal und was eben als illegal eingestuft wird.

Die von der FIA unbestätigte Unterstellung lautet, dass Ferrari möglicherweise in Sachen Benzinfluss eine Grauzone im Reglement nutzte, um in bestimmten Situationen durch mehr mehr Spritfluss mehr Leistung und damit bessere Beschleunigung zu erzeugen. Die FIA hat immer betont, dass der Ferrari legal sei.

Ganz im Gegenteil meinte Mattia Binotto vor kurzem: «Wir sind da ganz entspannt. Ein Protest gegen Ferrari? Ja, gerne! Dann hört vielleicht mal das ganze dumme Gerede auf. Das ist ein Problem unserer Gegner, nicht unseres. Die Regelhüter der FIA schauen sind konstant alle Daten des Fahrzeugs an, sie prüfen die Motoren hinter den Kulissen, so wie sie das seit Jahren machen. Es gibt null Anzeichen für einen Protest, und niemand hat der FIA gegenüber einen bestimmen Verdacht geäussert. Wir haben einen Vorteil, auch wenn der nicht so gross ist, wie manche glauben. Aber dieser Vorteil ist durch harte Arbeit entstanden.»

Dennoch bleibt im Raum: Ferrari hatte eine Lücke im Reglement geschickt genützt, Red Bull Racing hat darauf aufmerksam gemacht, die FIA-Techniker haben die Lücke geschlossen. Aber Mattia Binotto ließ das in Texas nicht auf sich sitzen.

«Ich habe hier einige Kommentare von Gegnern gehört über eine technische Direktive und die angebliche Auswirkung auf unser Auto. Ich bin von einigen Kommentaren sehr enttäuscht. Um genau zu sein, hatte Seb am Samstag gute Chancen, hier die Pole zu erringen, die Abstände waren klein, es hat nicht viel gefehlt. Charles verlor das dritte Training, wir mussten einen anderen Motor einbauen, der weniger Leistung abgab. Wir hätten also durchaus auf dem üblichen Niveau fahren können.»

«Im Rennen waren wir schwach, aber das lag nicht am Speed auf den Geraden. Solche Aussagen sind falsch und nicht gut für den Sport. Da sollten einige Leute mit ihren Worten vielleicht ein wenig vorsichtiger umgehen.»

«Diese Direktive ist die 35. des Jahres, so wie üblich werden wir die zuhause im Werk in aller Ruhe anschauen. Wir haben aufgrund dieser Direktive an unserem Motor überhaupt nichts geändert.»

Charles Leclerc über die Worte von Verstappen: «Das ist doch ein Witz! Max hat null Ahnung über uns. Er ist nicht Teil unserer Mannschaft. Ich weiss nicht, wie er dazu kommt, so etwas zu sagen. Der hat doch keinen Schimmer. Wir hingegen wissen sehr genau, was wir machen.»

Und wie erklärt Binotto, dass der Speed-Vorteil von Ferrari auf den Geraden hier verflogen war? «Ganz einfach – weil wir im Hinblick auf die Zukunft experimentieren. Wir haben hier Speed auf den Geraden für mehr Tempo in den Kurven geopfert. Es war ein Versuch.»


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