Brasilien-GP Sāo Paulo: Angst vor Überfällen bleibt

Von Mathias Brunner
Formel 1
Die Polizei an der Interlagos-Rennstrecke gibt alles, aber zwischendurch muss ein Foto sein

Die Polizei an der Interlagos-Rennstrecke gibt alles, aber zwischendurch muss ein Foto sein

​Es steht auf jeder Formel-1-Dauerkarte: Motorsport ist gefährlich. Das triff in São Paulo jedoch nicht nur für das Geschehen im Autódromo José Carlos Pace zu. Die Fahrt zur Interlagos-Strecke hat es in sich.

Wenn der GP-Tross in São Paulo Halt macht, dann ist die Angst im Gepäck mitgereist: 2017 gab nicht der Sieg von Ferrari-Star Sebastian Vettel am meisten zu reden, sondern die Angst der Teams. Mercedes-Benz bestätigte – ein Kleinbus der Weltmeister war beim Verlassen der Rennstrecke unter vorgehaltener Waffe überfallen worden. Lewis Hamilton twitterte: «Unseren Leuten wurden Waffen an die Köpfe gehalten, es fielen sogar Schüsse. Das ist alles sehr aufwühlend. Das passiert hier jedes Jahr. Wir müssen mehr für die Sicherheit machen, da gibt es keine Ausrede!»

Mercedes-Benz bestätigt, dass Wertsachen gestohlen worden waren, aber zum Glück habe es keine Verletzten gegeben. Auch Fahrzeuge von Williams und der FIA wurden damals angegriffen, aber die Insassen hatten Glück: Eine Ampel an der langen Zufahrt zur Strecke wechselte auf Grün, die Fachkräfte von Williams und des Autoverbands konnten der Gefahr davonfahren.

Gerade an dieser langen Strasse sind bewaffnete Raubüberfälle seit Jahren ein Problem. Team-Mitglieder ziehen sich nach Feierabend noch an der Rennstrecke um, damit die Teamkleidung nicht verlockend wirkt. Schmuck trägt sowieso keiner mehr. Formel-1-Ausweise werden in die Tasche gesteckt.

Formel 1-Weltmeister Jenson Button ist im November 2010 nur knapp einem Überfall entkommen. Bewaffnete Männer versuchten, das Auto des englischen Weltmeisters am Samstag beim Verlassen der Rennstrecke zu attackieren.

Button sollte zurück ins Hotel gefahren werden, als ihm und seinen Begleitern eine Gruppe von sechs Männern auffielen, die sich ihrem in zähem Verkehr steckenden Mercedes näherten. Plötzlich hätten diese Maschinengewehre gezeigt, sagte Button am nächsten Tag im Fahrerlager von Interlagos, sichtlich schockiert. Neben ihm befanden sich damals sein Vater John, sein Physiotherapeut und sein Manager im Wagen. Sie wurden von einem ausgebildeten Chauffeuer gefahren.

Der Fahrer habe dann aufs Gas getreten und die gepanzerte Limousine aus dem Stau gesteuert, sagte Buttons Manager Richard Goddard. Dabei habe er mehrere andere Autos gerammt. «Ich weiss nicht, was passiert wäre, wenn der Fahrer den Wagen nicht rausbekommen hätte.»

Seit Jahren reist der Formel-1-Zirkus mit mulmigem Gefühl nach São Paulo. Denn das Verbrechen ist in der 21-Millionen-Metropole allgegenwärtig. Der Austragungsort des Grossen Preises von Brasilien gilt als der brenzligste der Welt. Als Faustregeln für das Verhalten im täglichen Leben gelten: Unauffällig kleiden, keinen Schmuck tragen, nur das Nötigste an Geld mithaben. Dennoch sind Überfälle an der Tagesordnung, besonders am GP-Wochenende.

Nach den Vorkommnissen von 2017 sagte Pirelli einen geplanten Reifentest im Anschluss ans GP-Wochenende ab.

Die Pistenbetreiber versprechen seit Jahren mehr Sicherheit um die Rennstrecke herum. Denn übliche Bild in Interlagos sieht so aus: Am Morgen ist die Polizeipräsenz sehr stark, mit Hunderten von Beamten, aber am Abend und in der Nacht, wenn Team-Mitglieder oder Medienschaffende die Piste verlassen, ist die Polizei zum grössten Teil verschwunden. Und nicht jeder kann sich gepanzerte Limousinen leisten oder erhält eine Polizei-Eskorte.

Die lange Strasse zum Autodrom hoch wird links von der Rennanlage begrenzt, rechts liegt ein Armenviertel. Wer hier an einer Kreuzung bei Rot hält, sitzt wie auf Nadeln.

Vor einigen Jahren bin ich zurück ins Hotelzimmer gekommen und wollte sehen, ob die Nachrichten noch etwas vom Training berichten. Zu sehen war dann jene Strasse an welcher ich kurz zuvor gestanden hatte, es war eine Live-Schaltung, es hatte eine Schiesserei auf offener Strasse gegeben.

Renault-Fahrer Nico Hülkenberg gibt zu bedenken: «Die Gegend ist ein sozialer Brennpunkt, das ist bekannt. Die Teams können nicht viel tun, um solche Situationen zu vermeiden. Eher müsste hier die Stadt eingreifen – die Polizei muss viel präsenter und auch länger vor Ort sein, damit die Sicherheit gewährleistet ist.»

Die Versprechungen der Sicherheitskräfte sind immer die gleichen: Man werde mehr Präsenz beweisen, man wolle die Beamten länger an der Piste verweilen lassen. Grössere Zwischenfälle sind vor einem Jahr ausgeblieben. Aber die Gefahr bleibt.

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