Kronprinz Al Khalifa: «Erwartungen übertroffen»

Von Agnès Carlier
Formel 1
Salman bin Hamad bin Isa Al Khalifa

Salman bin Hamad bin Isa Al Khalifa

Exklusiv-Interview mit dem BIC-Geschäftsleiter. «Viele in unserem Land hatten sich alles etwas einfach vorgestellt.»

Salman bin Hamad bin Isa Al Khalifa ist Kronprinz des Golf-Staates Bahrain (und Oberbefehlshaber der Streitkräfte). Er ist überdies auch Geschäftsleiter des «Bahrain International Circuit». Wir haben uns mit dem 43-Jährigen unterhalten.

Eure Exzellenz, was genau bringt ein Formel-1-Land Ihrem Land?

Die wirtschaftliche Bedeutung des Grand Prix ist immens. Eine von mir in Auftrag gegebene Studi hat ergeben: Das Rennen hat seit der Einführung 2004 mehr als 900 Millionen Euro gebracht, wobei wir nicht nur eingeschlossen haben, was die Gäste in unserem Land ausgeben, sondern beispielsweise auch die Tatsache, wieviele Jobs durch den Grand Prix geschaffen wurden. Unsere Erwartungen wurden in jeder Hinsicht übertroffen.

Das Rennen sollte aber nicht nur Geld generieren. Es sollte die Welt auf Bahrain aufmerksam machen. Ich bin nicht sicher, wieviele Menschen weltweit vor dem WM-Lauf wussten, dass es Bahrain gibt und wo es liegt. Heute wissen es Hunderte von Millionen Menschen. Gleichzeitig mussten wir auch viel lernen. Einige haben sich das vielleicht zu einfach vorgestellt: Es gab Ladenbesitzer oder Hoteliers, die den Begriff Formel 1 hörten und glaubten, sie würden im Handumdrehen ein Vermögen machen. So geht es natürlich nicht. Inzwischen wissen sie, dass man das ganze Jahr über arbeiten muss, um Erfolg zu haben. Um von der Formel 1 profitieren, muss man die Leute anlocken. Von selber geht das nicht. Viele mussten ihren Service aufmöbeln, um dieses Ziel zu erreichen und den Formel-1-Standard zu erreichen. Aber davon profitieren alle.

Ein Aspekt, der nicht in Zahlen umzusetzen ist: Wir stellen Bahrain gewissermassen in die Auslage. Was durch die vielen Stunden TV-Berichterstattung an Positivem bewirkt wird, ist schwer zu sagen.

Was hebt den Bahrain-GP Ihrer Meinung nach hervor?

Wir versuchen drei Werte zu vermitteln – Stolz, Leidenschaft, Leistung. Ich glaube, wir dürfen uns auf den Fanbereich hinter der Haupttribüne wirklich etwas einbilden. Wir haben unzählige Attraktionen auch für Kinder, weil wir das GP-Wochenende als Familienveranstaltung sehen. Wir haben auch ein Spiel-Zentrum mit sechzehn Simulatoren, das kann keine Piste bieten. Wir versuchen, Formel 1 zum Anfassen zu bieten. Also gibt es auch Bereiche, in welchen viele Aspekte des Sports erklärt werden – beispielsweise die physische und psychische Leistung eines Fahrers. Wir haben in der F1-Zone einen Reaktions-Test eingerichtet, wo die Fans die eigenen Reflexe auf die Probe stellen können.

Haben Sie persönlich einen Favoriten?

Als Bahraini würde ich es natürlich gerne sehen, wenn McLaren gut abschneiden würde. McLaren ist unser Team. Es wäre schön, Jenson Button auf dem Siegerpodest zu sehen.

Wie waren Sie mit dem Vorverkauf zufrieden?

Wir sollten an die Zahlen von 2010 herankommen. Unser bestes Jahr war aber 2008. Wir sind zufrieden, die Haupttribüne wird voll sein. Es gibt hier auf unserer Insel ein Phänomen – oft wird alles auf den letzten Drücker erledigt. Also ist es heute schwer zu sagen, wer sich am Samstag noch spontan zu einem Rennbesuch entschliessen wird.

Wir kommen seit 2004 nach Bahrain. Welches ist Ihre schönste GP-Erinnerung?

Ich würde nicht von der schönsten Erinnerung sprechen. Die grösste Freude ist für mich, wenn ich sehe, dass die Menschen an ihrem Besuch solche Freude hatten, dass sie im Jahr darauf wiederkommen. Dann haben wir unseren Job richtig gemacht.

Was ist aus dem Förderprogramm für einen GP-Rennfahrer aus Bahrain geworden?

Ein solches Programm erfordert viel Zeit und viel Geld. Es ist nicht einfach, in einem Land ohne Renntradition ein Fan-Basis zu bauen. Wir sind nicht Europa. Es wird Zeit brauchen, einen Bahraini so weit zu bringen.

Rückblickend – würden Sie an Ihrer Strecke etwas anders machen?

Pistenlayout und Infrastruktur sind gesund. Wenn ich etwas anders machen könnte, dann hätte ich gleich für 2004 eine Kartbahn gebaut, nicht erst später. Das würde dabei helfen, langfristig einen jungen Mann zu finden, der es weit bringen kann.

PS: Die Tatsache, dass der Bahrain-GP weltweit umstritten ist, wird in diesem Interview nicht thematisiert. Salman bin Hamad bin Isa Al Khalifa hat zu einem früheren Zeitpunkt dazu gesagt: «Unser Rennen abzusagen, würde nur den Extremisten Macht verleihen. Wir suchen nach Wegen, die innenpolitischen Probleme zu bewältigen. Wir sehen dabei das Rennen als etwas Positives, um Einigkeit als Land zu beweisen. Wir sind ein normales Land mit normalen Problemen, so wie viele andere auch.»

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