Jules Bianchi: «Hatte die Hoffnung schon aufgegeben»

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Der Ferrari-Junior und Marussia-Pilot Jules Bianchi zieht nach sechs Monaten in der Formel 1 Zwischenbilanz und erinnert sich an den längsten Winter seiner Karriere.

Die vergangenen Monate waren für Jules Bianchi eine Achterbahnfahrt. Lange hoffte der junge Franzoseauf ein Cockpit bei Force India. Am Ende musste er sich mit dem Platz im Marussia-Renner begnügen. Seitdem kämpft der 23-Jährige aus Nizza am Ende des Feldes – nicht selten auch mit seinem Dienstwagen.

Trotz seines Aufstiegs in die Formel 1 ist Bianchi bis heute Teil des Ferrari-Nachwuchsprogramms Ferrari Driver Academy geblieben. Auch wenn er nicht mehr ganz so oft wie früher in Maranello auftaucht und trainiert. «Das stimmt, in den vergangenen Jahren war ich öfter im Ferrari-Werk, doch nun habe ich auch zwischen den Rennwochenenden viel um die Ohren», gesteht er im Gespräch mit den Kollegen der offiziellen Ferrari-Website ferrari.com.

Bianchi erklärt: «Ich bin oft im Marussia-Werk, um mit den Ingenieuren zusammen zu sitzen. Und vor jedem Grand Prix stehen stundenlange Simulator-Fahrten an. Trotzdem bleibe ich mit Nachwuchsprojektleiter Luca Baldisseri in Kontakt. Während der Rennwochenenden telefonieren wir oft und seine Ratschläge sind immer sehr wertvoll. Als Formel-1-Pilot kann ich bestätigen, wie wichtig die Ausbildung in der Ferrari Driver Academy war. Nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch was die anderen Aspekte angeht, etwa, wie man mit Sponsoren oder Medienvertretern umgeht. Das war eine grosse Hilfe.»

Ein paar Stunden bittere Enttäuschung

Dass sich die Wartezeit auf sein Cockpit lange hinzog, war für Bianchi alles andere als einfach, wie er unumwunden gesteht: «Ich bin sehr glücklich, dass ich letztlich doch mein Formel-1-Debüt geben konnte, denn zeitweise hatte ich die Hoffnung schon verloren. Die Zeit verstrich und Force India fällte wochenlang keine Entscheidung. Als mich Stefano Domenicali dann anrief und sagte, dass diese Möglichkeit nicht mehr bestand, war ich sehr enttäuscht. Doch das dauerte glücklicherweise nur ein paar Stunden. Ich erhielt noch einen Anruf aus Maranello und durfte gleich packen gehen, um am Formel-1-Test in Barcelona teilzunehmen, mit der Aussicht auf ein Marussia-Cockpit. Erst wollte ich mir keine Hoffnungen machen, doch es lief so gut, dass ich schon recht zuversichtlich zur Sitzprobe ging. Und das, obwohl zu diesem Zeitpunkt einige vertragliche Details noch nicht geklärt waren.»

Von da an ging es nur noch aufwärts, wie Bianchi lächelnd erklärt: «Ich war so erleichtert und bin heute noch allen sehr dankbar, die dazu beigetragen haben, wie etwa Ferrari und mein Manager Jean Todt. Ich habe mich bei Marussia schon bald zuhause gefühlt, und gleich gemerkt, wie gross der Unterschied zwischen einem Stammfahrer-Platz und der Reservisten-Rolle ist. Man ist sehr viel stärker eingebunden und fühlt sich wie ein Teil des ganzen Programms. Auch die anderen Fahrer sehen dich ganz anders an.»

Sein erstes GP-Wochenende wird Bianchi nie wieder vergessen: «In der Woche vor dem Saisonauftakt in Melbourne konzentrierte ich mich voll auf das Rennen, da war kein Platz mehr für irgend etwas anderes. Ich verbrachte vier Tage mit meinem Team im Werk, um alle ein bisschen besser kennen zu lernen. Am Sonntag vor dem GP flog ich dann nach Australien. Als ich erst einmal da war, fühlte ich keinen speziellen Druck, weder vor dem Qualifying, noch vor dem Rennen. Ich war sogar sehr viel entspannter als etwa noch vor einem Jahr, als ich in der 3,5-Liter-Klasse der Renault World Series antrat.»

Bianchi hat auch gelernt, dass am Ende des Feldes andere Ziele gesteckt werden als in den Nachwuchsklassen: «Natürlich sind das jetzt andere Ziele. Für uns ist es wie ein Sieg, wenn wir vor Caterham ins Ziel kommen. Ob ich den Spitzenkampf um den Sieg vermisse? Jeder Rennfahrer will gewinnen, doch das Wichtigste ist, sich seine eigenen Anreize zu schaffen. Und genau das mache ich jetzt.»

Bianchis Zwischenbilanz fällt trotz des Motorenschadens im Deutschland-GP positiv aus «Ich bin zufrieden mit den ersten paar Rennen, abgesehen vom Jüngsten vielleicht.»

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