Goodyear: Lieber revolutionärer Reifen statt Formel 1

Von Lewis Franck
Formel 1
Pirelli wird Formel-1-Alleinausrüster bleiben, trotz den Flirtversuchen von Michelin. Die erfolgreichste Reifenfirma im GP-Sport hat keine Lust zur Rückkehr – Goodyear.

Die Formel-1-Rekord des US-amerikanischen Goodyear-Konzerns sind unerreicht: Von 1959 bis 1998 in der Formel-1-WM engagiert wurden in 494 Starts 368 Siege errungen (bei 113 Rennen waren die Amerikaner Alleinausrüster). Über den ersten Sieg freuten sich die Firmenchefs in Akron (Ohio) 1965 in Mexico (Richie Ginther im Honda), den letzten Sieg eroberte in Monza 1998 Michael Schumacher im Ferrari. Goodyear kommt auf 24 Fahrer-WM-Titel und 26 Konstrukteurs-Pokale.

Dagegen verblassen die Daten anderer Hersteller. Insgesamt waren nur neun Reifenunternehmen in der Formel-1-WM tätig: Bridgestone (1976/’77 sowie 1997 bis 2010, 175 Siege in 244 Rennen), Michelin (1977 bis 1984 sowie 2001 bis 2006, 102 Siege in 215 Rennen, aber keine davon als Alleinausrüster!), Pirelli (1950 bis 1958, 1981 bis 1986, 1989, bis 1991 sowie seit 2011, 93 Siege in 249 Rennen), Dunlop (1950 bis 1970 und 1976 bis 1977, 83 Siege in 175 Rennen), Firestone (1950 bis 1975, 49 Siege in 121 Rennen), Continental (1954 bis 1958, 10 Siege in 13 Rennen), Englebert (1950 bis 1958, 8 Siege aus 61 Rennen) sowie Avon (1954 bis 1958 und 1981/’82, kein Siege aus 29 Rennen).

Schon als es 2009 um einen Vertrag als Formel-1-Alleinaurüster als Nachfolger von Bridgestone ging, machte Goodyear klar, dass es keine Rückkehr geben würde – an dieser Haltung hat sich bis heute nichts geändern. Firmensprecher Ed Markey sagte damals: «Ein Formel-1-Comeback steht nicht zur Debatte. Allerdings wägen wir regelmässig alle Optionen ab, um die besten Entscheidungen im Interesse unserer Firma zu treffen.»

Statt in der Formel 1 gegen sich selber zu fahren, tut das Goodyear lieber im NASCAR-Sport. Der neuste Rennreifen fürs kommende Wochenende ist dabei direkt von der Serie befruchtet worden, nicht umgekehrt!

Goodyear hat für die NASCAR-Renner rechtsseitige Reifen produziert, deren Lauffläche aus zwei verschiedenen Gummimischungen bestehen. Der Grund dazu liegt am rauen Belag mancher Kurse und den hohen Belastungen. «Das Oval von Atlanta ist für einen Reifenhersteller eine der grössten Herausforderungen», sagt Rennleiter Stu Grant. «Der raue Asphalt führt zu extrem hohem Reifenverschleiss und das bei sehr hohen Geschwindigkeiten.»

Auf der Suche nach zwei Zielen, die sich bei einem Rennreifen normalerweise widersprechen (möglichst hohe Haftung bei möglichst geringem Verschleiss) wurden die Goodyear-Techniker vom Serienreifen «Assurance TripleTred All-Season» inspiriert. Dessen drei verschiedene Mischungen in der gleichen Lauffläche sollen dem Alljahresreifen die besten Qualitäten auf trockener Bahn, bei nasser Strasse sowie auf Schnee und Eis garantieren.

Beim Rennreifen konzipierten die Techniker zwei Laufflächen: Die so genannte Endurance-Zone (auf unserem Bild blau) an der Innenseite weist eine härtere Mischung auf, das dient der Langlebigkeit. Die äusseren zwei Drittel der Lauffläche (orange gekennzeichnet) erzeugt die notwendige Haftkraft.

Goodyear hat den Reifen seit einem Jahr mehrere Male getestet, zuletzt anfangs August ebenfalls in Atlanta. Dort gab es von dreizehn NASCAR-Rennställen und ihren Piloten sehr positive Reaktionen. 2012er Champion Brad Keselowski nennt den Reifen «die Lösung, um endlich wieder besseren Sport bieten zu können».

Nochmals Stu Grant: «Die Fahrer berichteten, dass sie ihre Autos perfekt ausbalancieren konnten, ohne Kompromisse wegen übermässigen Verschleisses eingehen zu müssen.»

Sollte sich der Reifen in Atlanta im Rennen bewähren, ist der Einsatz auf weiteren Strecken geplant.

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