Mark Webber: «Ich hätte 2013 Ferrari fahren sollen»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Mark Webber hatte schon einen Fuss im Ferrari, nicht nur in Singapur

Mark Webber hatte schon einen Fuss im Ferrari, nicht nur in Singapur

Am Ende der Saison verlässt der Australier Red Bull Racing Richtung Porsche. Nun sagt er, wie nahe er an einem Ferrari-Cockpit gekommen ist.

Mark Webber verlässt die Formel 1 nicht als verbitterter Grand-Prix-Fahrer: «Ich habe Vieles erleben dürfen, das den meisten Rennfahrern verschlossen bleibt», weiss der neunfache Sieger. «Ich bereue kaum etwas, weil ich immer nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet habe.» Aber ist da nicht doch etwas?

Jeder von 20 Piloten im modernen Startfeld würde sofort zugeben, dass ein Platz bei Ferrari etwas ganz Besonderes ist und dass sie mindestens insgeheim vom Dasein als Ferrari-Werksfahrer träumen (die beiden anderen sind die jeweiligen Ferrari-Piloten, damit das mit den 22 Fahrern wieder aufgeht).

Mark Webber ist ein paar Mal mit einem Platz bei Ferrari in Verbindung gebracht worden. Wie nahe kam er wirklich?

«Sehr nahe», antwortet Webber im Fahrerlager von Abu Dhabi. «So nahe, dass ich das Telefon in die Hand nehmen und Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz anrufen musste. Didi war immer gut zu mir, ich fand es nicht mehr als gerecht, ihn immer auf dem Laufenden zu halten. Aber dann konnten wir mit Ferrari keine Einigung finden, sonst sässe ich jetzt im Wagen von Felipe Massa und wäre auch 2014 Ferrari gefahren. Ich hatte mir selber eine Frist gesetzt, bis wann ich wissen will, wie es mit mir weitergehen würde. Am Donnerstag vor dem Kanada-GP 2012 traf ich die Entscheidung – ich bleibe noch ein weiteres Jahr bei Red Bull Racing.»

Schon Alan Jones nicht bei Ferrari

Damit wurde es wieder nichts mit einem australischen Ferrari-GP-Piloten, denn schon Alan Jones kam einem Abkommen recht nahe. Der Weltmeister von 1980 erinnert sich: «Ich war in Frührente, da erhielt ich im Sommer 1982 einen Anruf aus Maranello. Didier Pironi hatte in Hockenheim einen üblen Unfall gehabt, er war im Regen ins Auto von Prost gefahren, Ferrari wollte wissen, ob ich einspringen würde. Nun, es gab schon einmal Kontakt zu Ferrari und damals fühlte ich aus Italien eine etwas kalte Schulter.»

Hintergrund: Ferrari wollte 1977 Mario Andretti von Lotus weglocken, weil man sich von einem Engagement des Italo-Amerikaners mehr verkaufte Ferrari in den USA erhoffte. Doch Andretti sagte ab. Daraufhin unterzeichnete der damalige Shadow-Fahrer Alan Jones für Ferrari eine Absichtserklärung, um ab 1978 für Maranello zu fahren. Doch Ferrari engagierte hinter seinem Rücken den jungen Gilles Villeneuve und sagte Jones, man brauche ihn jetzt doch nicht. Das hat Alan nie vergessen. Er ging statt dessen zu Williams.Alan Jones nimmt den Faden auf: «1982 also war ich noch immer ein wenig beleidigt, also dachte ich – Freude, zappelt mal schön. Ich sagte am Telefon, ich würde mich wieder melden, und dann tat ich erst mal gar nichts. Das war ein Fehler. Als Ferrari von mir nichts hörte, haben sie Mario Andretti engagiert und der stellte den Wagen in Monza prompt auf die Pole-Position! Stell dir vor, in dem Auto wäre ich gesessen – ich hätte nie im meinem Leben in Italien je wieder für eine Mahlzeit bezahlen müssen! Es ist schon ironisch: 1977 wollten sie erst Mario, erhielten ihn nicht und wollten dann mich. 1982 wollten sie mich, ich gab keine Antwort, also holten sie Mario. Schon seltsam, wie das Leben spielt.»

Heute arbeitet der inzwischen 66-Jährige ab und an als FIA-Kommissar und hat so guten Kontakt zur modernen Formel 1 bewahrt. «Generell bin ich damit happy, was ich erreicht habe. Aber dass ich das Ferrari-Angebot nicht annahm, das bereue ich bis heute. Die Absage war saublöd.»

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Mathias Brunner
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