Toto Wolff: «Fernando Alonso ist eine Bestie»

Von Gerhard Kuntschik
Formel 1
Toto Wolff hat allen Grund zum Strahlen

Toto Wolff hat allen Grund zum Strahlen

Toto Wolff, Rennchef von Mercedes-Benz, spricht vor dem fünften WM-Lauf der Saison in Barcelona über die Chancen der Silberpfeile und über die liebe Konkurrenz.

Ist die Konstrukteurs-WM nach nur vier Rennen schon so gut wie gelaufen? Mit dem spanischen Grand Prix auf dem aerodynamisch kritischen Catalunya-Kurs nahe Barcelona kommt die Formel 1 am Wochenende endlich nach Europa. In den bisherigen vier Überseerennen bestätigte das Mercedes-Team seine Frühform aus den Wintertests mehr, als es der Konkurrenz lieb war, und gewann alle Rennen. Damit scheint eine frühe Weichenstellung erfolgt. Über Hintergründe, Erwartungen und Strategie gab Mercedes-Rennchef Toto Wolff Auskunft.

Wie legt ein Team die Basis für einen derart dominierenden Saisonstart?

Sehr frühzeitig. Die Basis wurde mit diversen Entscheidungen schon vor zwei Jahren gelegt. Im Frühjahr 2013 stellten wir bereits die Weichen in Richtung Auto 2014 und gegen die Weiterentwicklung des damals aktuellen Fahrzeugs. Wir verzichteten also bewusst auf bessere Resultate in der zweiten Hälfte 2013.

Der Circuit de Catalunya gilt als die Strecke, auf der aerodynamische Stärken oder Schwächen schonungslos aufgedeckt werden. Fürchtest du einen Rückschlag und den Konter von Red Bull Racing?

Wir fürchten uns nicht, haben aber Respekt. Wer die Leistungen von Red Bull Racing vom ersten Test bis zum Rennen in China genau beobachtete, wird die aussergewöhnliche Steigerung erkannt haben. Diese ist wirklich beeindruckend. Aber ich muss sagen: Wir schlafen auch nicht. Barcelona wird jedenfalls zeigen, wie gut unser Auto wirklich ist, denn wir fahren dort ja sozusgen auf einem Red-Bull-Racing-Kurs.

Ganz ehrlich: Hättest du vor dem Saisonstart erwartet, unbesiegt und als klarer WM-Leader nach Europa zu kommen?

Nein. Keiner von uns hätte vier Siege, davon drei Doppelerfolge, in den ersten vier Rennen für möglich gehalten oder gar erwartet. Aber es wird enger werden, denn wenn wir bedenken, dass Red Bull Racing beim ersten Test praktisch nicht zum Fahren kam und jetzt vorn dabei ist, ist die Aufholjagd unglaublich.

Wen siehst du als grösste Rivalen in dieser Saison?

In Barcelona versucht jedes Team, mit Neuerungen grösstmögliche Schritte vorwärts zu machen. Ich würde sagen: Red Bull Racing und Ferrari. Auf die Saison betrachtet sage ich Ferrari: Die Scuderia lieferte schon in China beeindruckende Daten, und sie hat den Inhouse-Vorteil, also dass Antriebsstrang- und Autoentwicklung selbst unter einem Dach erfolgen. Ferrari kann auf den Alonso-Faktor zählen, denn er ist eine Bestie, die zu unglaublichen Leistungen fähig ist.

Werden deine Piloten Rosberg und Hamilton einander weiter angreifen können, dürfen sie sich weiter balgen?

Unsere Strategie wird nicht geändert. Beide dürfen frei fahren. Wir wollen keine Taxi-Fahrten.

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