1. Training Monaco: Mercedes vorn, Ärger programmiert

Von Mathias Brunner
Formel 1
Nico Rosberg will in Monaco endlich den Spiess umdrehen

Nico Rosberg will in Monaco endlich den Spiess umdrehen

Erstes freies Training zum Grossen Preis von Monaco: Die 22 Fahrer versuchen, auf dem Strassenkurs einen Rhythmus zu finden. Das ist ein hartes Stück Arbeit.

Ex-Formel-1-Fahrer Martin Brundle weiss: «Monaco, das ist der Mount Everest der Formel 1, das ist der Berg, den jeder Grand-Prix-Pilot meistern will. Keine Strecke ist in Sachen Konzentration schwieriger. Eine Zehntelsekunde Unaufmerksamkeit reicht, und du steckst in einer Leitschiene. Monaco ist der ultimative Test für einen Piloten. Es ist durchaus kein Zufall, dass die Grossen dieses Sports hier überdurchschnittlich oft gewonnen haben.»

Langstrecken-Racer und Sky-TV-Spezialist Anthony Davidson: «Die Faszination von Monaco besteht auch darin – jeder von uns fragt sich doch zwischendurch, wie es wäre, mit einem Formel 1 auf normalen Strassen zu fahren. Hier erfahren wir es. Was ebenfalls zum Reiz beiträgt: nie im Leben würde eine solche Strecke heute grünes Licht für einen neuen Grand Prix bekommen.»

Monaco ist in diesem Jahr noch kniffliger geworden: Wie vor jedem Grand Prix ist ein Drittel des Strassenkurses frisch asphaltiert worden, dieses Mal mit Schwerpunkt der Passage von Massenet durch den Tunnel.

Adrian Sutil: «Normalerweise bedeutet das einfach, dass die Bahn etwas weniger buckelig ist.» Aber McLaren-Star Jenson Button wittert: «Ich habe mir den Asphalt angeschaut, und ich befürchte eine Wiederholung von Austin im ersten Jahr. Ich erwarte einen Belag, der sehr, sehr rutschig ist. Das wird für alle Fahrer eine Herkules-Aufgabe, die Reifen zum Arbeiten zu bringen.»

Wann wird es regnen?

Die Fahrer gingen im Wissen auf die Bahn, dass eine Regenwahrscheinlichkeit von 20 Prozent besteht. Die Wetterprognose der Monegassen ist noch immer durchmischt, oft ist Monaco wie eine kleine Wetterzelle für sich selber – im nahen Nizza kann es schütten, in Monte Carlo aber trocken sein und umgekehrt.

Im Laufe des ersten Trainings wurde die Vorhersage korrigiert: Gemäss «France Méteo» beträgt die Regenwahrscheinlichkeit am Nachmittag 50 Prozent! Tatsächlich ziehen über Monaco dunkle Wolken auf.

Martin Brundle: «Die Fahrer haben weniger Grip als früher, weil die Aerodynamik beschnitten worden ist. Die Reifenmischungen sind härter als im vergangenen Jahr. Und wir haben Antriebseinheiten, deren Ansprechverhalten völlig anders ist als mit einem Saugmotor. Wenn es nun auch noch regnen würde, dann können wir nur darauf warten, bis es kracht.»

Nico Rosberg war der erste Fahrer, der eine gezeitete Runde fuhr, nach knapp einer Viertelstunde Training. Der Mercedes-Fahrer hat vor einem Jahr hier Pole-Position und Sieg errungen, und Rosberg war es auch, der vor einem Jahr im ersten Training die schnellste Zeit fuhr. Zum Vergleich: damals waren es 1:16,1 min.

Keine Freitagtestfahrer

Anthony Davidson: «Monaco, da dreht sich alles um Selbstvertrauen. Mit jeder Runde musst du einen Rhythmus aufbauen, mit jeder Runde wirst du selbstbewusster. Ganz besonders mit diesen Autos.»

Das ist auch der Grund dafür, dass wir am ersten Trainingstag von Monaco ausschliesslich Stammfahrer im Einsatz sehen: die Piloten brauchen jede Runde hier, um sich in Schwung zu bringen, die Freitagtestfahrer müssen im Fürstentum zugucken.

Einer, dessen Selbstvertrauen derzeit stimmt, ist WM-Leader Lewis Hamilton: er liess sich auch nicht davon aus der Ruhe bringen, dass er etwas spät zum Training kam. Zunächst hatte sein Boot Verspätung, dann verwehrte ihm die elektronische Schranke den Zutritt ins Fahrerlager!

Einer, dessen Selbstvertrauen angeknackst ist: Max Chilton, der in Mirabeau von der Bahn rutschte und den Motor abwürgte, als er den Rückwärtsgang einlegte, um sich aus seiner misslichen Situation zu befreien.

Einer, dessen Selbstvertrauen ebenfalls leidet: Caterham-Fahrer Marcus Ericsson. Er brachte seine Reifen nicht zum Arbeiten, da nützte auch der tolle Ronnie-Peterson-Helm nichts, den Ericsson trägt, weil sein unvergessener Landsmann den Monaco-GP hier vor genau vierzig Jahren gewann. Als nächstes Problem funktionierte das Gas nicht gleichmässig.

Bei einer Pistentemperatur von nur 24 Grad (Luft: 19 Grad) brauchten selbst die Silberpfeile drei Runden, um die Reifen ins optimale Betriebsfenster zu bringen!

Ärger programmiert

Bei Halbzeit des ersten Trainings stand Hamilton bei 1:18,271 min, gefolgt von Nico Rosberg mit 1:18,477 – der drittplatzierte Daniel Ricciardo (Red Bull Racing) lag um 1,6 sec hinter WM-Leader Hamilton!

Verkehr wird dieses Wochenende ein grosses Thema sein: Lotus-Fahrer Romain Grosjean hat bereits die Faust aus dem Cockpit gefahren, frustriert über einen langsamen Caterham-Fahrer vor ihm. Der Genfer steckte hier vor einem Jahr vier Mal in den Leitschienen ...

Force-India-Pilot Nico Hülkenberg haderte mit einer wenig optimalen Bremsbalance. Anthony Davidson: «Das ist auf diesem Kurs natürlich reines Gift.»

Daniel Ricciardo küsste die Leitschiene beim Schwimmbad und erkundigte sich über Funk, ob mit Auto alles okay sei. Martin Brundle: «Je schneller die Runden werden, desto eher berührst du eine Leitschiene. Das Verblüffende dabei ist – wenn du es nicht übertreibst, dann hat das keine Folgen.»

Nico Rosberg grimmig, Unfall Sutil

Erste Opfer der Radarfalle in der Boxengasse: 800 Euro Busse für Caterham-Fahrer Kamui Kobayashi (63 statt 60 km/h), 1000 Euro Busse für Sauber-Fahrer Esteban Gutiérrez (69 statt 60 km/h).

Adrian Sutil ging in Mirabeau die Strasse aus, halber Dreher, links hinten angeschlagen, das Auto schwebte am Haken in den Himmel hoch. «Das Heck ist einfach ausgebrochen, dabei habe ich nicht mal angegriffen», maulte Sutil über Funk.

Anthony Davidson: «Das Heck schlug so spontan aus, kein Fahrer der Welt fängt da den Wagen noch ab. Wie mir scheint, hat Sauber die elektronisch gesteuerte Hinterradbremse noch immer nicht im Griff.»

Sutil-Stallgefährte Esteban Gutiérrez verbremste sich vor der St. Devote und musste seinen Sauber parken.

Das Motto fürs Wochenende trägt Nico Rosberg auf dem Rücken seines Mercedes-Overalls: Dort steht statt «Mercedes-Benz» nun «Bereit wie nie» – eigentlich Anfeuerung für die deutsche Fussball-Nationalelf (Mercedes ist Partnerfirma), aber das Gleiche könnte auch für die Absichten von Nico Rosberg hier in Monaco stehen.

Nach dem ersten Training liegt er nur 32 Tausendstelsekunden hinter Lewis Hamilton.

Die weitere Reihenfolge der schnellsten Zehn: Ricciardo Dritter, vor Alonso (Ausrutscher in Mirabeau), Vettel, Räikkönen (harmloser Ausrutscher in St. Devote), Bottas, Pérez, Magnussen und Hülkenberg.

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