Günther Steiner: «Die Formel 1 ist nicht langweilig»

Von Agnes Carlier
Formel 1
Günther Steiner gefällt die neue Formel 1

Günther Steiner gefällt die neue Formel 1

Der ehemalige Red-Bull-Racing-Technikchef Günther Steiner war in Montreal Gast bei der Formel 1. Ab 2016 wird der Südtiroler als Teamchef des neuen F1-Teams von Gene Haas wieder regelmäßig vor Ort sein.

Es steht fest. Gene Haas und sein neues Team werden in der Saison 2016 ihr Debüt in der Formel 1 geben. Der künftige Teamchef, Günther Steiner, erzählte am Rande des Grand Prix von Kanada schon mal etwas über das US-amerikanische Projekt und kann nicht verstehen, dass einige Leute meinen, die Königsklasse sei langweilig.

Günther Steiner, wie sehen die Pläne des Teams aus?

Wir haben im April 2014 den Vertrag von der FIA bekommen. Das lässt uns nicht viel Zeit zum planen und wir riskieren, dass wir die Dinge übereilen. Deshalb wird das Team sein Debüt auf 2016 verschieben und das haben wir auch offiziell bestätigt. Das letzte, was wir wollen, ist auf dem falschen Fuß anzufangen.

Wo wird die Basis des Teams sein?

In den USA, in Kannapolis, North Carlina. Es ist aber noch viel zu früh zu sagen, wo unsere zweite Basis in Europa sein wird.

Was können Sie über das Chassis sagen?

Da wir jetzt mehr Zeit haben, würden wir es gerne selbst entwickeln. Team Haas wird einen technischen Partner brauchen. Wir möchten unser eigenes Chassis und eigene Aerodynamik.

Ist die Aerodynamik einer Ihrer Pluspunkte?

Ja, denn Gene Haas gehört der maßstabgetreue Windshear Windkanal, der regelmäßig von vielen NASCAR-, IndyCar-, ALMS- und sogar von F1-Teams benutzt wird. Er sollte der fortschrittlichste Auto-Windkanal der Welt werden. Die Einrichtung ist rund um eine MTS rollende Straße gebaut, wodurch das Auto an einem Platz direkt auf einer riesigen Maschine platziert werden kann, die einem Laufband ähnelt. Das Band ist 21 Meter lang und drei Meter breit und dreht sich mit bis zu 290 km/h. Wind Shear gehört Gene Haas zu 100 Prozent.

Werden die Mitarbeiter hauptsächlich aus den USA kommen?

Wir reden noch nicht über Leute und auch nicht über ihre Nationalität. Wir wollen gute Leute und ich werde die Einstellungen als Teamchef leiten.

Wollen Sie einen US-amerikanischen Fahrer? Vielleicht Danica Patrick?

Es ist viel zu früh, das zu entscheiden. Da haben wir auch noch nicht darüber gesprochen. Ich weiß auch nicht, wie Danicas Pläne aussehen.

Welchen Motor werden Sie einsetzen?

Wir führen Gespräche mit Ferrari und Mercedes. Renault war nicht auf unserer Liste, weil wir kein passendes Getriebe haben und sie auch schon vier starke Kunden haben.

Wie sehen Sie die Formel 1 heute nach ein paar Jahren Auszeit?

Mercedes dieses Jahr hat einen sehr guten Job gemacht. Ich finde es interessant, dass die Leute sagen, es sei langweilig. Es ist nicht langweilig, aber die Technologie ist teuer. Ich habe die Motoren hier zum ersten Mal gehört. Sie klingen nicht wie V8, V10 oder V12. Aber die Technologie ist fantastisch.

Was ist Ihr Ziel?

Das erste Jahr wird für jedes Projekt schwer. Die Formel 1 ist ein hartes Geschäft. Sie ist für niemand einfach. Wir wollen uns aber auch unter den Top Ten positionieren. Wir wollen auch beweisen, dass ein Team mit Basis in den USA in der Formel 1 Erfolg haben kann.

Woran erinnern Sie sich am liebsten, wenn Sie an ihre frühere Zeit in der Formel 1 denken?

Meine Zeit mit Niki Lauda 2001. Niki Lauda ist ein außergewöhnlicher Mensch und Charakter. Ich habe für ihn gearbeitet und respektiere ihn für alles, als Fahrer und als Entscheidungsträger.

Wann hatten Sie zuerst Kontakt mit Haas?

Lange vor dem Interesse der FIA an neuen Teams, denn wir wollten wissen, ob es möglich sein würde, in die Formel 1 einzusteigen, bevor die FIA einen Aufruf startete. Ich glaube, das war so etwa vor drei Jahren.

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