Sebastian Vettel: «André Lotterer war mein Vorbild»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sebastian Vettel

Sebastian Vettel

Der Formel-1-Champion über die zweite Saisonhälfte, GP-Debütant André Lotterer, die neue Herausforderung Eau Rouge und die Aussagen von Teamchef Horner, er sei ausgelaugt.

Es geht Schlag auf Schlag an diesem Wochenende in Spa-Francorchamps – André Lotterer für Kamui Kobayashi im Caterham, Alexander Rossi für Max Chilton im Marussia. Da rückt die Verpflichtung von Max Verstappen bei Toro Rosso fast etwas in den Hintergrund. Formel-1-Champion Sebastian Vettel zieht das Thema wieder ins Rampenlicht: «Ich freue mich sehr für Max Verstappen, aber man darf die Erwartungen an ihn auch nicht in den Himmel hinaufschrauben. Er soll jetzt mal in Ruhe die Formel-3-Saison zu Ende fahren, dann kommt jede Menge auf ihn zu, was er lernen muss. Über sein Talent brauchen wir uns nicht zu unterhalten, das ist im Kartsport und nun in seinem ersten Formel-3-Jahr offensichtlich.»

Natürlich muss die Frage erlaubt sein, ob das für Max nicht alles ein wenig früh kommt, aber der vierfache Weltmeister Vettel findet: «Wenn sich so eine Chance bietet, dann muss man sie beim Schopf packen. Wer weiss schon, ob man diese Möglichkeit nochmals erhält? Da spielt doch das Alter keine Rolle.»

«André Lotterer war ein Vorbild»

Klar wird Vettel auch auf das Formel-1-Debüt von André Lotterer angesprochen. Seb sagt: «Ich kenne André schon eine ganze Weile. Als ich mit dem Kartsport angefangen habe, war er eines meiner Vorbilder. Er hat damals um die deutsche Meisterschaft gekämpft, das war 1995 oder 1996. Er fuhr im gleichen Team wie ich. Er ging dann nach Japan, und als ich mit der Formel 1 begann, haben wir uns jeweils an den Rennstrecken von Fuji oder Suzuka gesehen – und dann später nach dem Rennwochenende in den Discos von Tokio! Schade, dass es damals mit der Formel 1 für ihn nicht geklappt hat. Umso mehr Freude hatte ich, dass er den Weg zurück in den internationalen Motorsport mit Audi schaffte, dass er Le Mans gewinnen konnte und das gleich drei Mal, und dass er nun diese Chance erhält. Leider sitzt er nicht eben im besten Auto.»

Eau Rouge als Mutpassage

Zurück zur Aufgabe an diesem Wochenende. Sebastian Vettel hat das Fahren in Spa-Francorchamps mit dem Turbo-Renner im Simulator geübt: «Wir werden in der Eau Rouge und auch in anderen Kurven alle Hände voll zu tun haben. Wie schwierig es wirklich wird, das muss sich morgen zeigen. Die Autos sind auf den Geraden schneller, also kommen wir mit mehr Speed zur Senke von Eau Rouge hinunter, ich schätze mal mit guten 310 Sachen. Wenn ich nun daran denke, dass die Bahn nass sein könnte und wieviel Sprit wir zu Beginn eines Rennens im Tank haben, dann ist es schon fraglich, ob die Eau Rouge noch voll geht.»

Vettel erwartet keine leichte zweite Saisonhälfte: «Früher oder später werden wir den Preis für die Schwierigkeiten in der ersten Saisonhälfte bezahlen müssen – man braucht jetzt kein Einstein zu sein, um sich ausrechnen zu können, dass wir mit den erlaubten fünf Antriebseinheiten und den ganzen Komponenten nicht auskommen werden. Früher oder später brauchen wir da sechste, vielleicht sogar mehr Elemente, und dann setzt es gemäss Reglement eben Strafen. Als Pilot bist du davon nicht begeistert, aber damit müssen wir eben leben.»

War Sebastian Vettel ausgelaugt?

Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner hatte vor kurzem erklärt, die vier Titelkämpfe hätten Vettel ausgelaugt. Das sei einer der Gründe für die verhältnismässig durchschnittliche Leistung von Sebastian in der ersten Saisonhälfte. Vettel grinst: «Das ist jetzt aber kein Kompliment! Ich habe zwar gemerkt, dass mir die ersten Haare ausfallen, aber ich weiss jetzt nicht, ob das an den Titelduellen liegt. Nein, in Wahrheit hatten wir im Winter einfach sehr viele Probleme, und ich fühlte mich mit dem Wagen nicht wohl. Es gab unglaublich viel zu tun. Übermässig viel Glück hatte ich jetzt auch nicht. Ich hoffe, wir werden eine ruhigere zweite Saisonhälfte haben, in welcher wir normaler mit dem Wagen arbeiten können.»

Apropos ausgelaugt: Lewis Hamilton liess vor kurzem wissen, er vermisse dieses Gefühl, nach einem Grand Prix von der Hightech-Maschine namens Formel-1-Renner durch die Mangel gedreht worden zu sein. Für ihn ist das Fahren körperlich fast zu wenig anspruchsvoll geworden. Was sagt Vettel dazu?

Seb lacht: «Oh, jetzt muss ich vorsichtig sein. Wenn ich mich da in Fahrt rede, dann werden wieder diese grossen Geschichten daraus konstruiert. Jeder kennt meine Einstellung. Die Zweikämpfe in der Formel 1 sind noch immer erste Sahne, aber es stimmt schon, dass die Autos nicht mehr so anspruchsvoll zu fahren sind. Das ist schon anders ...»

Und wie will Vettel in der zweiten Saisonhälfte Daniel Ricciardo in den Griff bekommen? Vettel: «Ich will weniger technische Probleme haben, die mich zurückwerfen. Dann wird das auch was. Gleichzeitig würde ich nie negieren, dass Daniel einen hervorragenden Job macht.»

Was würde Vettel in der zweiten Saisonhälfte anders machen?

Sebastian: «Als erstes Mal würde ich gerne mehr zum Fahren kommen. Die Vorbereitung im Winter war nun mal nicht ideal, auch ich musste mich an diese Autos gewöhnen. Mit einigem habe ich mich schwer getan, etwa mit der neuen Art und Weise zu bremsen. Da haben wir zum Glück grosse Fortschritte gemacht. Ich sage immer – wo gehobelt wird, da fallen auch Späne. Mit Fehlern machen habe ich nie Probleme, man muss halt immer daraus etwas lernen. Dann geht es früher oder später auch wieder vorwärts.»

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