Ferrari-Chef: «Sebastian Vettel ist nicht naiv»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Sebastian Vettel weiss, worauf er sich einlässt

Sebastian Vettel weiss, worauf er sich einlässt

Ferrari-Präsident Sergio Marchionne und der neue Teamchef Maurizio Arrivabene stapeln tief. Die italienische Presse ist dadurch zerrissen: Kluges Vorgehen oder Vorab-Ausreden?

Zwei Siege hat die neue Ferrari-Führung als Ziel für die Saison 2015 vorgegeben. Das hat in den einheimischen Medien für reichlich Wirbel gesorgt. Die einen rühmen die realistische Sichtweise des neuen Präsidenten Sergio Marchionne und von Teamchef Maurizio Arrivabene. Denn der Umbau bei Ferrari wird nicht sofort von Erfolg gekrönt sein. Andere kritisieren die Aussagen scharf: Was für ein Erfolgsanspruch ist das für den berühmtesten Rennstall der Welt? Wird hier nicht der Weg für ein weiteres Scheitern vorab schöngeredet?

Die Schlüsselworte des Fiat-Geschäftsleiters und Ferrari-Präsidenten Sergio Marchionne (62) lauten: «Sebastian Vettel ist nicht naiv. Er weiss genau, was derzeit bei Ferrari passiert. Er geht ein grosses Risiko ein.»

Ferrari hat viele langjährige Mitarbeiter entlassen, junge Leute nachgezogen, frisches Blut in die Adern von Maranello fliessen lassen, aber eines erhalten die Italiener mit keiner Massnahme – eine Abkürzung zum Erfolg.

Marchionne ist klug genug zu erkennen, dass der ganze Neuaufbau des Formel-1-Teams nicht von heute auf Morgen Siege erzeugen wird. Daher ist es durchaus weise, die Erwartungshaltung niedrig zu halten.

Das Problem dabei wird sein, diese Denke in die Köpfe der Menschen zu bekommen, denn Ferrari, das sollte für Siege stehen und für WM-Titel. Nur ein siegreiches Ferrari ist das wahre Ferrari.

Die Realität schaut so aus: Der letzte Sieg eines Ferrari geht auf Fernando Alonso in Spanien 2013 zurück, die letzte Pole-Position gar auf Hockenheim 2012, und beim Finale von Abu Dhabi wurde es Tatsache, dass die Saison 2014 ohne einen Sieg abgeschlossen werden muss – das erste Mal seit 1993! Damals mühten sich die wundervollen Vollgastiere Gerhard Berger und Jean Alesi mit dem jämmerlichen Modell F93A ab.

Marchionnes Ankündigung, von Ferrari nicht zu viel zu erwarten, gibt Ferrari etwas vom wertvollsten Gut in der Formel 1 – Zeit.
Der Italo-Kanadier geht noch einen Schritt weiter und spricht von einem Rückstand, «der uns die ganze Saison lang behindern wird». Damit sind in der Tat mittelprächtige Ergebnisse bereits erklärt, und wenn es besser laufen sollte, dann freuen sich alle.

Bis Ende 2015 will Marchionne sein Ferrari dicht im Windschatten von Mercedes sehen. Das wird schwierig genug. Denn dazu muss im Team erst mal Ruhe einkehren.

Erfolg in der Formel 1, so die noch immer gültige Faustregel, stellt sich erst dann ein, wenn überdurchschnittliche Menschen über einen längeren Zeitraum in Harmonie miteinander arbeiten können und die Finanzierung gesichert ist.

Gemäss Marchionne ist das nicht nur im Grand-Prix-Sport so, «das habe ich im Laufe meiner Karriere in vielen Firmen erlebt. Die Leute müssen sich entfalten können, sie müssen dazu aber den notwendigen Raum haben, und sie müssen gleichzeitig den Rücken frei haben.»

Sergio Marchionne und Maurizio Arrivabene wollen auch den italienischen Faktor bei Ferrari wieder mehr betonen. Viele Schlüsselstelle sind von Italiener besetzt, die einst von Ausländern gehalten wurden.

In der Wahrnehmung der Fans jedoch, so hat sich in der Ära Luca Montezemolo gezeigt, ist das gar nicht so wichtig. Der charismatische Luca verkaufte sein Ferrari als ur-italienisch, während der Teamchef aus Frankreich kam (Jean Todt), der Technikdirektor aus England (Ross Brawn), der Chefdesigner aus Südafrika (Rory Byrne) und der Starfahrer aus Deutschland (Michael Schumacher).

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