Marchionne: «Ferrari aus Ausland – Gotteslästerung»

Von Mathias Brunner
Sergio Marchionne

Sergio Marchionne

Immer wieder hat Ferrari versucht, mit einer Aussenstelle in England zu arbeiten. Ferrari-Präsident Sergio Marchionne macht klar: so einen Versuch wird es so schnell nicht wieder geben.

Der letzte Versuch ist gar nicht mal so alt: mit Sirenengesängen hat Ferrari versucht, den genialen Red-Bull-Designer Adrian Newey zu verlocken. Aber Newey konnte von Red Bull überzeugt werden, im Grossraum Milton Keynes zu bleiben. Ob dem erfolgreichsten Formel-1-Techniker von Ferrari offeriert worden war, in England bleiben zu dürfen, wissen wir nicht. Denkbar wäre es, denn es gibt Präzedenzfälle. Eine Ferrari-Aussenstelle in Grossbritannien böte auch den Vorteil, auf viele weitere Techniker rückgreifen zu können, die gerne für Ferrari arbeiten möchten, die jedoch (aus familiären oder anderen Gründen) nicht nach Italien ziehen wollen.

Die Versuche in der Vergangenheit waren nicht immer von Erfolg gekrönt: McLaren-Designer John Barnard erhielt zwei Millionen Dollar Jahresgage (damals wurde kein Techniker besser bezahlt) und führte ab 1987 ein Designbüro in England, das «Ferrari Guildford Technical Office», kurz Ferrari GTO. Dort heckte er unter anderem das erste halbautomatische Getriebe für Ferrari aus, wenn der Fahrer mit einer Wippe hinterm Lenkrad schaltet und nicht mehr mit dem klassischen Schaltknauf.

1972 war Ferrari so tief in eine Krise gerutscht, dass sogar in England ein Chassis in Auftrag gegeben wurde – der Ferrari 312B3. Das grenzte für viele in Italien an Gotteslästerung. Und damit sind wir beim heutigen Ferrari-Präsidenten Sergio Marchionne.

Der 62jährige Italo-Kanadier hielt nun im Rahmen der «Detroit Motorshow» fest, und dies nicht nur in Bezug auf die Formel 1: «Ferrari, das ist Italien, und diese Exklusivität wird nicht angetastet. Ein Ferrari muss in Italien gebaut sein, alles andere wäre Gotteslästerung.»

In Detroit gab es keine Fortsetzung des Polemik-Pingpongs zwischen dem 23 Jahre lang als Ferrari-Chef tätigen Luca Montezemolo und Marchionne. Dem langjährigen Ferrari-Präsidenten waren einige Sätze von Marchionne sauer aufgestossen.

Der knallharte Sanierer von Fiat hatte im Dezember unverblümt mitgeteilt: «Wir liegen deshalb so weit hinten, weil wir an den Folgen jener Entscheidungen leiden, die andere getroffen haben.»

Luca Montezemolo liess das nicht auf sich sitzen. Es hatte dem Manager auch nicht gefallen, dass Marchionne seine Wahl zum Vorsitzenden der Formel-1-Gruppe verhindert hat. Gegenüber der italienischen Nachrichtenagentur Ansa sagte Montezemolo: «Eigentlich hatte ich mir geschworen, aufgrund meiner Liebe zu Ferrari nicht in Polemik zu verfallen. Denn die Ferrari-Truppe verdient Respekt, viele von ihnen haben jahrelang den Grundstein zu Siegen und WM-Titeln gelegt. In den vergangenen Wochen jedoch habe ich Äusserungen gehört, die in einigen Fällen mit der Realität nichts zu tun haben. Auf diese Provokationen werde ich nicht antworten. Es spricht für sich selber, welche sportlichen Erfolge Ferrari erreicht hat, mehr als jeder andere Rennstall, welche Stärke und welches Prestige die Marke Ferrari verströmt, eine Marke, die in diesem Jahr das beste Wirtschaftsergebnis erreichen wird.»

Nun meint Marchionne: «Luca hat so viele Jahre hervorragende Arbeit geleistet. Aber wir hatten eine sehr katastrophale Saison, und es war Zeit für Neues.»

Marchionne schätzt das Potenzial des berühmtesten Rennstalls der Welt realistisch ein: «Wir sind im Rückstand, aber wir werden im Laufe der Saison stärker werden.»

Wie lange will sich Marchionne die Doppelbelastung als Fiat-Geschäftsleiter und Ferrari-Präsident eigentlich antun? Der erfolgreiche Manager lacht: «Ich habe mein Leben bereits vereinfacht, weil ich nur noch drei Telefone benutze. Aber es stimmt schon – derzeit lebe ich vorwiegend in Flugzeugen.»

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