David Coulthard: Will Mercedes Nico Rosberg helfen?

Von Mathias Brunner
Formel 1
​Der 246fache GP-Teilnehmer David Coulthard versucht, lose Enden des Mexiko-GP zu einem Bild zusammenzuknüpfen. Ergebnis: Will Mercedes Nico Rosberg ein wenig helfen?

Tage nach dem Mexiko-GP gibt die Mercedes-Rennstrategie noch immer zu reden. Lewis Hamilton war davon überzeugt, dass er mit seinem Reifensatz hätte durchfahren und gewinnen können. Das deutete der Weltmeister mehrfach an. Der Engländer stellte die Strategieumstellung von Mercedes öffentlich in Frage, was intern nicht sehr gut angekommen ist. Dabei ist die Ausgangslage ganze simpel.

Die Silberpfeile führten mit Rosberg vor Hamilton komfortabel. Mit so einem grossen Vorsprung, dass man sich einen Sicherheitsstopp leisten konnte. Angenommen, Mercedes hätte das nicht getan, und ein Pilot oder gar das Fahrer-Duo wäre später durch Reifenschäden à la Vettel in Belgien zurückgefallen oder ausgeschieden – jeder hätte Mercedes angeprangert für diesen Leichtsinn.

Den einen Fahrer hereinzuholen (Rosberg) und den anderen fahren zu lassen (Hamilton), das entspricht nicht der internen Strategie von Mercedes. Beide Fahrer sollen die gleiche Chance haben, und das geht im Idealfall nur mit der gleichen Strategie.

BBC-Kolumnist David Coulthard sagt: «Hätte man Hamilton erlaubt, mit einem Stopp durchzufahren und Lewis hätte gewonnen, dann wäre die Beziehung innerhalb des Rennstalls erledigt gewesen. Aber seither hat Lewis einige Wortkrumen fallengelassen, welche unterstellen, das Team arbeite hart, dass Rosberg sind unterstützt fühle. Ich habe ein paar seiner Kommentare am Dienstag gelesen und fand sie im Zusammenhang einiger Vorkommnisse in der Mercedes-Box nach dem GP interessant.»

Bevor Coulthard sagt, was ihm auffiel – hier einige dieser Hamilton-Aussagen, die er im Rahmen seiner Medienrunde ausschliesslich mit britischen Kollegen nach dem Rennen machte: «Ich weiss, dass das Team die Notwendigkeit gefühlt hat, sich ihm gegenüber extra nett zu zeigen», sagte der dreifache Weltmeister. Als Hamilton gebeten wurde, dies weiter auszuführen, sagte er nur: «Ich weiss, was ich meine. Aber ich werde nicht sagen, was ich meine.» Und verwies auf seine Vorgesetzten. «Ihr solltet Toto Wolff und Niki Lauda fragen, wie sie darüber denken und was sie hinter den Kulissen tun müssen, um ihn bei Laune zu halten.»

Dass er trotz einer zuvor vereinbarten Einstopp-Strategie in die Box musste, kann er immer noch nicht nachvollziehen. «Ich hatte nichts zu verlieren. Wir haben den Konstrukteurstitel gewonnen, also lasst mich ein Risiko gehen, lasst es mich versuchen. Aber wir haben das getan, was wir getan haben und haben den Doppelsieg geholt. Und wenn das Team sagt, dass es eine Anweisung ist, ist es eben eine Anweisung. Spass hat es nicht gemacht.»

David Coulthard nimmt den Faden auf: «Als Suzi Perry und ich nach dem Rennen in der Mercedes-Box Rosberg interviewte, da haben einige Teammitglieder skandiert – Nico, Nico, Nico! Das habe ich noch nie erlebt, nachdem Lewis ein Rennen gewonnen hat. Zu dem Moment dachte ich einfach, die Mannschaft von Rosberg freut sich für Nico und möchte ihn das auch spüren lassen. Aber nun, nach den Aussagen von Lewis, nagt in mir der Verdacht, das Team habe vielleicht die Anweisung erhalten, den Sieg von Rosberg ein wenig auführlicher als sonst zu feiern.»

«Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass Hamilton solche Aussagen machen würde ohne Fakten. Er ist kein Unruhestifter, er ist kein Phantast.Ich finde, Lewis hatte das Recht, die Entscheidung seiner Mannschaft zu hinterfragen. Ich glaube auch nicht, dass ihm das Team nachtragen wird, denn die Teamführung ist klug genug zu wissen – ein wenig Lebhaftigkeit und Hunger, das willst du von deinem Fahrer sehen. Ich bin sicher, Lewis stellt intern einige Fragen und will Antworten. Und falls sich herausstellt, dass die Reifen gehalten hätten, dann könnte ich mir gut vorstellen, dass Hamilton die Dinge beim nächsten Mal in die eigenen Hände nimmt. Auch auf die Gefahr hin, dass es Stunk gibt.»

Damit will David Coulthard die tolle Darbietung von Nico Rosberg in keiner Weise herunterspielen: «Es war deutlich, dass Rosberg mit einer Mission nach Mexiko gekommen war. Seine Aussagen mit den Ingenieuren waren glasklar, da war ein deutlicher Hunger in seinem Fahrstil, das absolute Verlangen nach einem Sieg, und das habe ich von ihm nicht immer gesehen. Das Ergebnis – er hat eine überzeugende Leistung abgeliefert. Das würde ich von ihm gerne öfter sehen.»

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