Russland-GP: Promoter dementiert das Aus für Sotschi

Von Mathias Brunner
Formel 1

Unlängst hat der Vorverkauf für den Grand Prix von Russland begonnen (1. Mai 2016). Ausgerechnet jetzt tauchen Gerüchte auf, das Rennen sei in finanzieller Schräglage. Wieder einmal.

Seit Freitag, 4. Dezember, können Formel-1-Fans Eintrittskarten für den Grossen Preis von Russland 2016 kaufen. Sergey Vorobyev, Rennpromoter des Russland-GP in Sotschi, rechnet sich vom frühen Russland-Termin (1. Mai) einiges aus: Wärmeres Wetter, die Russen haben dann Ferien, also mehr Zuschauer. Die ersten beiden Russland-GP in der Olympiastadt fanden jeweils in der ersten Oktoberhälfte statt.

Doch erneut sind Zweifel an der Zukunft des Rennens aufgetreten. Denn Igor Galas, Minister für Wirtschaft der Region Krasnodar (in welcher Sotschi liegt) und stellvertretender Gourverneur, hat der Wirtschafts-Nachrichtenagentur RBC (RosBusinessConsulting) erklärt: «Wir werden die Kosten für das nächste Rennen in Sotschi nicht tragen.»

Daraufhin geisterte in den russischen Medien natürlich herum, der Formel-1-WM-Lauf sei in Gefahr, sollten die Organisatoren nicht private Investoren finden, und Sergey Vorobyev musste postwendend dementieren: «Unser Rennen ist auf Jahre hinaus gesichert. Es gibt keine Probleme.»

Es ist nicht das erste Mal, dass der Sotschi-GP – für den 2017 eine Austragung als Nachtrennen in Erwägung gezogen wird – in Frage gestellt ist.

2013 kamen bereits die ersten Spekulationen auf, dass «Formula Sochi» finanziell nicht so gut dastehe, wie man der Öffentlichkeit glauben machen wolle. Eine mögliche Liquidation stand schon vor der Austragung des ersten Rennens in der Olympiastadt 2014 im Raum, und eine andere Firma (OJSC Center Omega) übernahm die Geschäfte, inklusive sämtlicher Verträge. Das staatseigene Unternehmen «Formula Sochi» wurde von einem russischen Gericht für bankrott erklärt.

Ein für Mai 2015 geplantes Red Bull Air Race im Sotschi-Autodrom wurde abgesagt. «Die momentane wirtschaftliche Lage macht es unmöglich, eine Ausgewogenheit zwischen Austragungskosten und Ticketpreisen zu erreichen», hiess es als Begründung.

Die Gerüchte um einen wackeligen Russland-GP wurden so lange herumgereicht, bis sich OJSC Center Omega zu Wort meldete und versuchte, die Zusammenhänge zu erklären: «Der Promoter des Russland-GP ist OJSC Center Omega. Ein entsprechendes Abkommen ist am 14. Oktober 2010 unterzeichnet worden, das Rennen wird bis einschliesslich 2020 stattfinden. Formula Sochi wurde zur lediglich zur Werbung für das Rennen gegründet, so wurden von Formula Sochi zahlreiche Schauläufe organisiert. Aber schon im März 2013 hat OJSC Center Omega das Zepter übernommen. Daher wurde Formula Sochi im vergangenen August wie vorgesehen aufgelöst. Die Austragung des Rennens, das bei der FIA-Gala als bester Grand Prix gekürt worden ist, ist nicht gefährdet.»

Aber so rosig ist das alles trotzdem nicht: Die wirtschaftliche Situation von Russland hat sich in den letzten paar Monaten kaum geändert, das Wort Krise wird tunlichst vermieden. Russland hat an der Entwertung des Rubel schwer zu nagen.

Im Juli folgten die nächsten Zweifel. Veniamin Kondratiev, der übergangsmässige Gouverneur der Region Krasnodar, erklärte: «Wenn wir keine Darlehen erhalten, dann wird es auch kein Rennen geben.»

Es war davon die Rede, dass für die Durchführung des Grand Prix mehr als 60 Millionen Euro fehlten. Doch die Aufregung war umsonst: Das finanzielle Risiko trägt dabei gar nicht die Region Krasnodar, sondern die Regierung in Moskau.

Aber vielleicht wurde der Politiker auch missverstanden, denn im Interview mit russischen Medien hatte er komplett gesagt: «Wir haben ein Abkommen mit dem Finanzminister, dass wir ein Staatsdarlehen erhalten. Wenn wir das nicht erhalten, dann wird es auch kein Rennen geben.» Zitiert wurde der Übergangs-Gouverneur dann aber vorwiegend mit dem zweiten Satz, und das erweckt den Eindruck, das Rennen könnte in Gefahr sein.

Die grösste Garantie für den jungen Grand Prix ist Präsident Vladimir Putin – er hat den Deal mit Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone höchstpersönlich eingefädelt und wird alles daran setzen, dass seine Prestigeveranstaltung bleibt. Auch wenn dunkelrote Zahlen geschrieben werden.

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