Dominanz: McLaren und Ferrari besser als Mercedes?

Von Mathias Brunner
Formel 1
SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Wie reiht sich die Dominanz von Mercedes-Benz 2015 historisch ein? Gab es Rennställe, die eine noch bessere Erfolgsquote vorweisen können?

In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal will Christian-Peter Schneyder aus München wissen: «Ihr habt vor kurzem einen Artikel gebracht im Sinne von – so überlegen war Mercedes-Benz 2015. Ich will wissen: Wie reiht sich die Dominanz historisch ein? War ein Team in der Neuzeit noch überlegener?»

«In der Neuzeit» ist der richtige Einstieg, denn Ferrari gewann 1952 von acht Formel-1-WM-Läufen deren sieben (Erfolgsquote: 87,5 Prozent), dank Triumphen von Piero Taruffi in der Schweiz und dem atemraubenden Sturmlauf von Alberto Ascari (Siege in Belgien, Frankreich, England, Deutschland, den Niederlanden und Italien). Nur: Zur WM gehörte eben auch das Indy 500, zu dem sich jahrelang kaum ein Europäer verirrte. Alberto Ascari wagte es 1952, schied aber aus.

Würde die Fragestellung lauten: Konnte ein Team bei allen Grands Prix einer Formel-1-WM gewinnen, dann würde die Antwort lauten – ja, Ferrari. Denn der Lauf in Indiana galt noch nicht einmal als Grand Prix der USA, sondern eben als Indy 500.

1953 hätte Ferrari um ein Haar das Kunststück wiederholt: Ascari, Giuseppe Farina und Mike Hawthorn siegten für den Rennstall aus Maranello bei sieben von acht Grands Prix, das Finale in Monza jedoch gewann Juan Manuel Fangio, und die WM-Bilanz wurde erneut vom Indy 500 verfälscht.

Machen wir also einen Sprung in die Neuzeit.

Mercedes-Benz kam 2014 und 2015 jeweils auf 16 Siege in 19 Rennen (2014 störte Daniel Ricciardo mit Red Bull Racing den Durchmarsch der Silberpfeile, 2015 war es Sebastian Vettel im Ferrari, ebenfalls mit drei Siegen). Mercedes kommt damit auf eine Siegerquote von 84,21 Prozent.

Noch besser machte es Ferrari 2002: 15 Siege aus 17 Rennen. Michael Schumacher triumphierte elf Mal, Rubens Barrichello vier Mal. Da konnten nur noch Ralf Schumacher im Williams-BMW (Malaysia) und David Coulthard im McLaren-Mercedes (Monaco) die Bilanz trüben. Ferrari kommt damit auf eine Siegerquote von 88,23 Prozent.

Am besten in der Neuzeit jedoch schnitt McLaren-Honda 1988 mit den beiden Stars Ayrton Senna und Alain Prost ab: 15 Siege in 16 Rennen, das ergibt sagenhafte 93,75 Prozent Erfolgsquote.

McLaren-Honda 1988: So platzte der Traum vom Durchmarsch

Die Kombination Senna–Prost fuhr 1988 mit dem McLaren MP4/4-Honda die Konkurrenz in Grund und Boden. Und wenn nicht der Grosse Preis von Italien gewesen wäre, dann hätte McLaren wirklich alle 16 Saisonrennen gewonnen!

In Monza schied Alain Prost zwar aus, aber Senna führte mühelos, und alles sah nach dem 12. Sieg von McLaren im zwölften Saisonlauf aus.

Auf den Tribünen waren die Tifosi so gut wie verstummt: Zwei Runden vor Schluss lagen die Ferrari von Gerhard Berger und Michele Alboreto zwar auf den Rängen 2 und 3, aber weit hinten.

Dabei hatten sich die italienischen Fans so auf eine würdige Leistung der Truppe aus Maranello gefreut – keine vier Wochen zuvor war der grosse Enzo Ferrari verstorben.

Senna kam dem Williams von Jean-Louis Schlesser näher. Der Franzose war für Nigel Mansell eingesprungen, der wegen Windpocken gar nicht erst angereist war. Senna rückte schnell auf, so schnell, dass Schlesser einen Moment lang zögerte. Das reichte, um den Bremspunkt zu verpassen und die Linie zu vermasseln. Senna zog aussen vorbei und stolperte dann über ein Rad des Williams – die Tifosi trauten ihren Augen nicht!

Keine 120 Sekunden später kreuzten die Ferrari zu einem unerwarteten Doppelsieg die Zillinie. Die Begeisterung war grenzenlos.

Schlesser erinnert sich: «Ich hätte vor dem Rennen den Williams testen sollen. Aber eine Terminkollision kam dazwischen. Also war es nun dreizehn Monate her, dass ich in einem Formel-1-Renner gesessen hatte. Die Autos hatten sich verändert. Aber das soll keine Ausrede sein. Nach dem Rennen habe ich mit Ayrton gesprochen. Er war erstaunlich entspannt – denn er wusste, dass ich so viel Raum wie möglich gelassen hatte. Aber in Luft auflösen konnte ich mich schliesslich auch nicht. Jedenfalls war ich am Ende der Saison heilfroh, dass Ayrton Weltmeister wurde. Sonst hätte es vielleicht auf immer geheissen: Jo Schlesser kostete Senna den Titel.»

Zwei Wochen später stellte McLaren in Portugal den Normalzustand wieder her: Sieg für Prost.

Aber die Chance war dahin: Sämtliche Siege für einen einzelnen Rennstall, das wird es in der modernen Formel-1-WM wohl nie geben.

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