Pastor Maldonado zu Renault-Aus: Vom Blitz getroffen

Von Mathias Brunner
Formel 1
Pastor Maldonado feuert gegen Williams und Lotus

Pastor Maldonado feuert gegen Williams und Lotus

​Der Venezolaner Pastor Maldonado ist bei Renault (dem früheren Lotus-Rennstall) durch den Dänen Kevin Magnussen ersetzt worden. Jetzt nimmt Maldonado Stellung.

Bislang gab es von Pastor Maldonado nur eine kurze Stellungnahme: Er bedauerte via Twitter, dass er in der kommenden Saison nicht am Start sein kann. Sein Manager Nicolas Todt bestätigte, dass er mit seinem Schützling bereits an einem Comeback 2017 arbeite. Mehr war nicht zu hören. Bis jetzt.

SPEEDWEEK.com-Leser wissen: Die Weiterbeschäftigung von Maldonado bei Renault (bis Ende 2015 Lotus) scheiterte grundsätzlich am Geld. Pastor Maldonados langjährige Ölquelle PDVSA, die «Petróleos de Venezuela S. A.», ist die grösste Erdölgesellschaft Lateinamerikas und seit Jahren Venezuelas grösster Exporteur. Doch nach einem Regierungswechsel und vor dem Hintergrund erheblicher wirtschaftlicher Probleme wurde noch lauter als früher in Frage gestellt, warum man einem Rennfahrer um die 30 Millionen Dollar im Jahr Mitgift spendieren solle, wo es doch im Land dringliche Probleme gebe. Etwa 720 Prozent Inflation oder ein Ölpreis, der in sich zusammenklappte.

Als klar war, dass PDVSA den vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommen wird, beendete Renault das Abkommen mit Maldonado und engagierte den früheren McLaren-Fahrer Kevin Magnussen aus Dänemark.

Nun spricht der 30jährige Maldonado erstmals über die Trennung. Unserem Kollegen Mario Donnini von Autosprint sagt der Spanien-GP-Sieger von 2012: «Die Situation hat sich innerhalb weniger Stunden zugespitzt. Ich fand mich ohne Geldgeber wieder, der Rest war schlicht die Konsequenz. Ich bin nicht wütend, ich bin nicht negativ, aber es ist auch klar, dass ich alles andere als glücklich über diese Entwicklung bin. Ich fühlte mich wie vom Blitz getroffen, und es war ein Blitz aus blauem Himmel.»

Zur politischen Situation von PDVSA meint Maldonado: «Kein Kommentar. Es handelt sich um delikate Gesichtspunkte, das muss ich alles noch verstehen und aufklären. Die PDVSA hat bislang grossartige Arbeit geleistet, das Staatsprogramm sah auch die Unterstützung anderer Rennfahrer vor, wie E.J. Viso oder Samin Gómez, und ebenfalls Programme in weiteren Sportarten. Es ist kein Zufall, dass wir auf olympischem Niveau so viele Ergebnisse und Rekorde erreicht haben.»

In seiner ersten Formel-1-Saison, 2011 bei Williams, überzeugte Pastor Maldonado (GP2-Champion 2010) in den Abschlusstrainings gegen den erfahrenen Rubens Barrichello. Das Duell ging 9:9 aus. Aber Maldonado holte mit Rang 10 in Belgien nur einen Punkt. Das gab die generelle Marschrichtung für die folgenden Saisons aus. Auf seinen Sieg in Spanien 2012 folgten neun punktelose Fahrten. 2013 gab es wieder in der ganzen Saison nur eine Punktefahrt, ebenso 2014, nun im Lotus. 2015 wurde Pastor WM-14., sein bestes Schlussergebnis in der Formel 1, mit sechs Punktefahrten, ebenfalls persönlicher Rekord.

Was sagt Maldonado zu seinen Jahren in der Formel 1?

«Leider bin ich für Williams und Lotus zu den schlechtesten Zeitpunkten ihrer Historie gefahren. Aber damals in Spanien 2012 passte alles. Wir fuhren schon im freien Training mit randvollen Tanks sehr gute Zeiten. Barcelona war die einzige Strecke, wo ich zuvor getestet hatte, und wir hatten das erste Update der Aerodynamik am Wagen, das sofort einschlug. Unser Auto war damals seit windempfindlich, aber an jenem Sonntag gab es keinen Wind. Ich fühlte mich stark und voller Selbstvertrauen und gelassen – weil ich wusste, dass ich erstmals ein siegfähiges Auto hatte. Also startete wie aus der Rakete geschossen, aber ich liess mich nicht abschütteln. Dann waren seine Hinterreifen hinüber. In der Formel 1 gilt mein Sieg als eine der grössten Überraschungen, aber für mich selber war es keine. Wir hatten diesen Sieg verdient. Die Feier später im Werk war unvergesslich. Wer Williams für ein kaltherziges Team hält, hat keine Ahnung.»

Maldonado zog von Williams zu Lotus und kam vom Regen in die Traufe. «Ich war einfach enttäuscht davon, welche Fehler bei Williams gemacht worden waren, selbst wenn das für mich das Ansehen des Rennstalls nicht schmälert. Der 2014er Lotus dann kam mit Verspätung auf die Bahn, er war wenig wert (es war das Auto mit der seltsamen Klauennase, M.B.), zudem gab es viele Probleme mit der Antriebseinheit von Renault. Wir hatten sogar Motorschäden in der Box. Die Anfangsprobleme haben unsere ganze Saison beeinträchtigt.»

2015 sollte mit dem Mercedes-Motor für Lotus alles besser werden, aber es kam anders. Maldonado weiter: «Das ist wirklich bedauerlich, denn das Auto war gut, der Motor sowieso. Aber nun fehlte das Geld für eine vernünftige Weiterentwicklung. Die Probleme mit der Standfestigkeit gingen auf Teile mit langer Laufleistung zurück.»

Und wie geht es nun weiter? Maldonado: «Im Grunde will ich jetzt nur noch daran denken, wie ich nun eine Alternative finden kann, um weiter Rennen zu fahren.»

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