Verwirrung in der Formel 1: Spinnt Bernie Ecclestone?

Von Andreas Reiners
Formel 1
Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone

Es ist nicht so, als würde das Fahrerlager Bernie Ecclestone nicht kennen. Und daher dürfte es eigentlich auch niemanden groß überraschen, wenn der Formel-1-Chefpromoter mal wieder die verbale Keule schwingt.

Was der 85-Jährige da am Montag in der Daily Mail zum Besten gab, schlug mal wieder ein wie eine Bombe. Nicht nur in der Medienwelt, sondern auch im Fahrerlager. Auch wenn Ecclestone bereits in der Vergangenheit hin und wieder gewettert hat.

Denn dass Ecclestone den Zeitpunkt des Interviews bewusst auf den Start der Testfahrten in Barcelona gelegt hat, daran zweifelt niemand. Dafür aber einige am Geisteszustand des Formel-1-Machers. Der frühere Formel-1-Arzt Prof. Gary Hartstein ist zum Beispiel entsetzt.

«Die Formel 1 ist so schlecht wie nie zuvor. Ich würde mein Geld nicht ausgeben, um mit meiner Familie ein Rennen anzusehen», hatte Ecclestone gewettert. Der Baumeister der modernen Formel 1 schimpfte über die Dominanz von Mercedes-Benz (über die jahrelange Dominanz von Michael Schumacher mit Ferrari regte er sich damals seltsamerweise nicht auf) und über den FIA-Präsidenten Jean Todt: «Unglücklicherweise ist Jean ein Diplomat geworden. Er möchte jeden glücklich machen. Das ist sehr nett von einem Präsidenten. Aber so funktioniert es nicht.»

Das Fahrerlager in Barcelona fragt sich: Spinnt der Ecclestone?. Nico Hülkenberg denkt nicht ganz zu unrecht an Kalkül. «Da steckt wahrscheinlich irgendetwas Strategisches dahinter, oder? Das ist erst einmal überraschend. Man denkt natürlich nicht, dass man über sein eigenes Produkt so redet», so der Force-India-Pilot. Eine Theorie, die kursiert: Ecclestone rede den Sport schlecht, um den Wert zu mindern und wieder die Mehrheit zu übernehmen. Doch das sind natürlich nur Vermutungen.

Sebastian Vettel, der von Ecclestone auch schon mal Kritik abbekommen hat, äußerte sich zurückhaltender. «Ich mag es nicht, wenn ein Teil aus einem Interview herausgenommen wird. Ich habe den Rest noch nicht gesehen. Es gibt jeden Tag viele Interviews. Manche Schlagzeilen sind positiver als andere. Diese war nicht die positivste», sagte der Ferrari-Pilot.

Red-Bull-Teamchef Christian Horner kennt Ecclestones Verhalten bereits. Seine Theorie: «Für mich ist das nur Ausdruck von Frustration über den Zustand der Formel 1 und den Mangel an schneller Änderung. Und wieso ist er frustriert? Weil die Formel 1 nicht mehr so funktioniert wie früher. Früher war es eine Diktatur, und er konnte einführen, was immer er wollte. Heute ist es eine Demokratie, da ist die Entscheidungsfindung natürlich anders. Ich glaube, damit tut er sich schwer.»

Horner weiter: «Könnte es besser sein? Natürlich könnte es das. Ich glaube aber nicht, dass sich die Formel 1 in der Krise befindet.»

Die Macher treffen sich allerdings am heutigen Dienstag in Genf, wo es um die Zukunft der Formel 1 geht. Horner hat gestern dargelegt: «Wir haben eine Sitzung der Strategiegruppe am Morgen, und am Nachmittag tagt dann die Formel-1-Kommission. Ich sehe viele Streitgespräche auf uns zukommen, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir uns auf etwas einigen. Ich sehe das als wunderbare Gelegenheit für die Formel 1, etwas Besonderes zu erzeugen für 2017. Es wäre eine Schande, diese Gelegenheit verstreichen zu lassen. Pardon für die Wortwahl, aber wir müssen jetzt den Bullen endlich bei den Hörnern packen.»

«Wir haben vor rund zwölf Monaten festgelegt: Die Formel 1 soll schneller werden und lauter, die Autos sollen sichtbar schwierig zu fahren sein, die Reifen sollen fetter sein, wir wollen, dass sich herausragende Piloten besser durchsetzen können, wir wollen einen aggressiveren Look. Das alles haben wir festgelegt, wir müssen uns nur endlich dazu durchringen, das alles umzusetzen.»

Ecclestone wird aber auch radikale Änderungsvorschläge auf den Tisch bringen: Wie etwa, den schnellsten Zehn im Abschlusstraining WM-Punkte zu geben, dann aber ihre Reihenfolge fürs Rennen umzudrehen – der Schnellste im Training müsste also von Startplatz 10 aus ins Rennen gehen! Auch das hatte Ecclestone in besagtem Interview vorgeschlagen.

Barcelona-Testzeiten, 1. Tag

1. Sebastian Vettel (D), Ferrari SF16-H, 1:24,939 (69 Runden)
2. Lewis Hamilton (GB), Mercedes F1 W07 Hybrid, 1:25,409 (155)
3. Daniel Ricciardo (AUS), Red Bull Racing RB12-TAG Heuer, 1:26,044 (86)
4. Valtteri Bottas (FIN), Williams FW38-Mercedes, 1:26,091 (80)
5. Alfonso Celis (MEX), Force India VJM09-Mercedes, 1:26,298 (57)
6. Jenson Button (GB), McLaren MP4-31-Honda, 1:26,860 (83)
7. Carlos Sainz (E), Toro Rosso STR11-Ferrari, 1:27,180 (55)
8. Marcus Ericsson (S), Sauber C34-Ferrari, 1:27,555 (88)
9. Pascal Wehrlein (D), Manor MRT05-Mercedes, 1:28,292 (54)
10. Romain Grosjean (F), Haas VF-16-Ferrari, 1:28,399 (31)
11. Jolyon Palmer (GB), Renault RS16, 1:29,356 (36)

Die wichtigsten Termine

Präsentationen/Roll-out
29. Februar: Präsentation Toro Rosso (Circuit de Barcelona-Catalunya)
1. März: Präsentation Sauber (Circuit de Barcelona-Catalunya)

Formel-1-Wintertests
22.–25. Februar: Spanien (Barcelona)
1.–4. März: Spanien (Barcelona)
1. Barcelona-Test: So wird gefahren

Mercedes
Dienstag 23. Nico Rosberg
Mittwoch 24. Lewis Hamilton
Donnerstag 25. Nico Rosberg

Ferrari
Dienstag Sebastian Vettel
Mittwoch und Donnerstag Kimi Räikkönen

Williams
Dienstag Valtteri Bottas
Mittwoch und Donnerstag Felipe Massa

Red Bull Racing
Dienstag Daniel Ricciardo
Mittwoch und Donnerstag Daniil Kvyat

Force India
Dienstag Sergio Pérez
Mittwoch Nico Hülkenberg
Donnerstag Alfonso Celis

Toro Rosso
Dienstag und Donnerstag: Max Verstappen
Mittwoch: Carlos Sainz

Sauber (mit 2015er Auto in neuer Lackierung)
Dienstag Marcus Ericsson
Mittwoch und Donnerstag Felipe Nasr

McLaren-Honda
Dienstag und Donnerstag Fernando Alonso
Mittwoch Jenson Button

Manor Racing
Dienstag Pascal Wehrlein
Mittwoch und Donnerstag Rio Haryanto

Renault
Dienstag Jolyon Palmer
Mittwoch und Donnerstag Kevin Magnussen

Haas F1
Dienstag und Donnerstag Esteban Gutiérrez
Mittwoch Romain Grosjean

Formel-1-WM

20. März: Australien (Melbourne)
3. April: Bahrain (Sakhir)
17. April: China (Shanghai)
1. Mai: Russland (Sotschi)
15. Mai: Spanien (Barcelona)
29. Mai: Monaco (Monte Carlo)
12. Juni: Kanada (Montreal)
19. Juni: Aserbaidschan (Baku) *
3. Juli: Österreich (Spielberg)
10. Juli: Grossbritannien (Silverstone)
24. Juli: Ungarn (Budapest)
31. Juli: Deutschland (Hockenheim)
28. August: Belgien (Spa-Francorchamps)
4. September: Italien (Monza)
18. September: Singapur
2. Oktober: Malaysia (Sepang)
9. Oktober: Suzuka (Japan)
23. Oktober: USA (Austin) **
30. Oktober: Mexiko (Mexiko-Stadt)
13. November: Brasilien (Sao Paulo)
27. November: Abu Dhabi (Insel Yas)
* Strecke noch nicht homologiert
** Finanzierung noch nicht gesichert


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