Formel 1: Ein selten kurioser Unfall

Red Bull Racing: In Sotschi mit Windschutzscheibe!

Von Mathias Brunner
Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner sagt im Fahrerlager von Shanghai: «Wenn alles ideal läuft, haben wir in Sotschi eine Windschutzscheibe am Auto.»

Das Reglement für die Saison 2017 ist gemäss Red Bull Racing-Teamchef Christian Horner so gut wie ausformuliert. Was aber gemäss des Engländers noch immer nicht klar ist – ob die Formel-1-Renner schon im kommenden Jahr einen Kopfschutz haben werden. Eine Massnahme, welche der Autoverband FIA unbedingt umsetzen will, um die Köpfe der Fahrer besser zu schützen.

Derzeit gibt es zwei Modelle: Den so genannten Halo (Heiligenschein), ein Konzept, das von Mercedes-Benz angeschoben worden ist, und ein anderer Ansatz von Red Bull Racing – nicht nur mit Schutzstreben, wie beim Halo, sondern auch mit einer integrierten Windschutzscheibe.

Christian Horner sagt im Gespräch mit unseren Kollegen der britischen Sky: «Wir sind der Meinung, dass unsere Lösung nicht nur gefälliger ausschaut, sie bietet auch mehr Schutz als der Halo. Wir werden in der kommenden Woche einen statischen Test im Werk haben, und wenn die Arbeit weiter so plangemäss läuft wie bislang, dann werden wir in Sotschi diese Lösung am Wagen haben.»

So wie Ferrari im Rahmen der Wintertests in Barcelona mit dem Halo ausrückte, um Fans und Fachleuten eine Vorstellung davon zu geben, wie das ausschauen würde. Und um Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen Gelegenheit zu schenken, die Sichtverhältnisse im Fahrbetrieb zu prüfen. Es handelte sich dabei um eine Kohlefaserattrappe.

Ende Februar hatte Red-Bull-Technikchef Adrian Newey gesagt, man arbeite an einem Alternativ-Vorschlag, der fürs Auge gefälliger sei als der Halo. Es handelt sich (siehe Bilder) eher um eine Art Windschutzscheibe statt des reinen Schutzbügels. Damit wäre ein Fahrer auch vor einem fliegenden Objekt geschützt wie damals jene Schraubenfeder, welche Felipe Massa 2009 in Ungarn schwer verletzte.

Das Red-Bull-Design erinnert an einen Kampfjet, statt der Mittelstütze wie beim Halo gibt es zwei seitliche Streben. Und dazwischen die Scheibe.

Historienfreunden wie unserem Leser Günter Nejedly ist übrigens aufgefallen: Die Scheibe erinnert an eine Variante, die Jack Brabham schon 1959 an seinem Cooper spazierenfuhr.

Aber ist Red Bull nicht schon die Zeit davongelaufen?

Charlie Whiting, Sicherheitsdelegierter des Autoverbands FIA, sagte in Australien: «Wir sind davon überzeugt, dass der Halo so weit fortgeschritten ist, dass wir ihn für 2017 umsetzen können. Der Vorschlag von Red Bull hinkt hinterher, er ist noch nie ausprobiert worden. Aber er bietet zusätzlichen Schutz. Ich habe meine Zweifel, ob das für 2017 ungesetzt werden könnte, der Halo hingegen schon. Und wir werden nicht auf eine mögliche andere Lösung warten.»

Halo: Heftig umstritten

Der Halo (Heiligenschein) bleibt ein heisses Eisen. Seit Kimi Räikkönen den vom Autoverband FIA auf 2017 geplanten Kopfschutz für die Fahrer bei den Wintertests als Attrappe auf dem Ferrari der Öffentlichkeit vorgeführt hat, ist der Teufel los. Zahlreiche Umfragen haben ergeben – rund drei Viertel der Fans lehnen die Vorrichtung ab. Nur jeder Zwanzigste will sie unbedingt eingeführt sehen. Ein Fünftel der Fans ist sich nicht sicher oder befürchtet, dass wir daran nicht vorbei kommen werden.

Unter den Piloten regt sich Widerstand. Zunächst war es nur Nico Hülkenberg, der Rückgrat genug hatte, zu seiner Meinung zu stehen: «Das ist Formel 1, und ich finde halt, ein GP-Renner sollte offen bleiben.»

Der dreifache Weltmeister Lewis Hamilton hielt sich in seiner Medienrunde vom Donnerstag noch höflich zurück: «Ich habe ein Bild davon gesehen und ungefähr so reagiert (legte den Kopf in gespielter Verzweiflung auf die geöffnete Hand). Das sage ich dazu.» Auf das Nachhaken, ob er das ausformulieren könne, meinte der Engländer: «Lieber nicht.»

Das tat er dann am Abend auf seinem Instagram-Konto: «Bitte nicht! Das ist die hässlichste Modeerscheinung in der Formel-1-Geschichte. Ich schätze das Streben nach mehr Sicherheit, aber das ist Formel 1, und so wie die Autos derzeit sind, ist das in Ordnung.»

Später sprach der Engländer davon, dass die FIA die Verwendung des Systems hoffentlich auf freiwilliger Basis einführe. Davon will Charlie Whiting nichts wissen: «Ein Helm wird auch nicht freiwillig getragen.»

Damit ist die Kontroverse weiter angefacht, denn die Meinungen gehen auch unter den Piloten weit auseinander. Hamiltons Stallgefährte Nico Rosberg sagte: «Ich finde den Halo gut. Ich glaube – die meisten Fahrer, die ums Leben gekommen sind, hätten mit einer solchen Schutzvorrichtung gerettet werden können. Das ist in Sachen Sicherheit ein Riesensprung für uns alle. Beim Aussehen sage ich – okay, das kann man vielleicht noch besser machen. Aber von vorne beispielsweise sieht der Halo recht cool aus. Insgesamt gehen wir mit dem Kopfschutz in die vollkommen richtige Richtung.»

Und Williams-Fahrer Felipe Massa ist der Ansicht: «Das ist ein wichtiger Schritt in Sachen Sicherheit und ich bin komplett dafür. Wir brauchen das.»

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