Nico Rosberg: «Über Titel reden? Nicht der Mühe wert»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Nico Rosberg: Noch rasch ein Selfie mit seiner Truppe

Nico Rosberg: Noch rasch ein Selfie mit seiner Truppe

​SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Nico Rosberg liegt in der Formel-1-WM weit voraus. Wieviel Hoffnung besteht für Lewis Hamilton? Was sagt die GP-Statistik?

In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal will Eva-Lara Herrlich aus Berlin wissen: «Nico Rosberg hat doch nun einen gewaltigen Vorsprung in der WM, 43 Punkte auf Lewis Hamilton. Gibt es Fahrer, die in der Formel-1-WM grössere Rückstand wettgemacht haben?»

Nicht nur die Göttin Fortuna ist auf der Seite von Nico Rosberg, ihre entfernte Verwandte Statistika ebenfalls. Ein Blick in die Grand-Prix-Historie seit Beginn der Formel-1-Weltmeisterschaft in Silverstone 1950 zeigt: Noch nie hat ein Pilot, der die ersten drei Rennen der Saison oder öfter gewonnen hat, in der gleichen Saison den WM-Titel verloren. Nigel Mansell (der 1992 sogar bei den ersten fünf Saison-GP triumphiert) wurde 1992 mit Williams ebenso Weltmeister wie Ayrton Senna 1991 (vier Siege), Michael Schumacher 1994 (4), Damon Hill 1996 (3) und Michael Schumacher 2000 (3).

Im WM-Zwischenklassement führt Nico Rosberg mit der makellosen Bilanz von 100 Punkten. Die gemäss der Wettbüros aussichtsreichsten Gegner Lewis Hamilton und Sebastian Vettel kommen auf 57 und 33 Punkte. Dazwischen liegen noch Kimi Räikkönen und Daniel Ricciardo mit 43 und 36 Zählern.
Und doch haben drei Formel-1-Fahrer sogar noch grössere Rückstände in WM-Titel gedreht.

2012 lag Sebastian Vettel bei zehn ausstehenden Rennen 44 Punkte hinter Fernando Alonso (Ferrari). Aber am Ende holte sich der Heppenheimer den dritten Titel in Folge.

2007 lag Kimi Räikkönen im Kampf gegen das McLaren-Duo Fernando Alonso und Lewis Hamilton sechs Rennen vor dem Finale in Brasilien um zwanzig Punkte zurück, nach heutigem Punktesystem sind das 45 Zähler. Aber am Schluss war er beim Duell der McLaren-Stars in Interlagos der lachende Dritte.
1964 lag John Surtees um (nach heutigem System) 55,5 Punkte hinten, hatte am Ende aber wie Räikkönen viele Jahre später um einen winzigen Punkt die Nase vorn.

Auch aus solchen Gründen will Nico Rosberg nicht vom WM-Titel sprechen. Für den nunmehr 18fachen GP-Sieger gilt eine andere Mathematik: «Ich sehe das so – wir haben noch 17 Rennen, also gibt es für einen Sieger 425 Punkte abzuholen. Nun schauen meine 43 Pünktchen Vorsprung auf einmal nicht mehr so überragend aus. Da müssen wir uns doch nicht die Mühe machen, über den Titel zu sprechen.»

Aber wir können die Mathematik auch drehen und wenden: Nico Rosberg könnte die kommenden sechs Rennen in Barcelona, Monaco, Montreal, Baku, Spielberg und Silverstone jeweils als Zweiter hinter Lewis Hamilton beenden und käme noch immer als WM-Leader zum Ungarn-GP von Ende Juli!

Aber nein, Nico will davon nichts hören. Er stellt lieber einen anderen Vergleich an: «Formel-1-Siege sind nie leicht. Das ist kein Elfmeter, bei dem kein Tormann zwischen den Pfosten steht. Die Probleme in Russland haben ja unterstrichen, wie schnell etwas schieflaufen kann.»

«Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich die ersten vier Rennen gewinnen kann, und ich bin der Letzte, der annehmen würde, dass diese Serie ewig weitergeht. Ich will den Erfolg geniessen, so lange ich das kann. Aber ich gehe auch das kommende Rennen so an wie die ersten vier: Ich will einfach das Beste aus den Möglichkeiten machen. Sport ist immer ein stetes Auf und Ab. Ich weiss, dass auch wieder Tiefpunkte auf mich zukommen. Ich bin darauf gefasst.»

«Derzeit freue ich mich einfach, dass ich mit dem Gedanken zu jedem Rennen reise: Ich kann gewinnen. Das alleine reicht, um mich glücklich zu machen.»

Vielleicht bleibt Nico Rosberg aber auch so vorsichtig, weil er weiss: Er hat auch 2014 und 2015 die WM angeführt, aber am Ende war er Zweiter.

Und: Zwei schlechte Rennen in Folge, und der härteste Feind im eigenen Lager ist wieder dran. «Ich kenne Lewis Hamilton», sagt Nico. «Daher weiss ich – er wird nicht aufgeben.»

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Mathias Brunner
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