Vijay Mallya (Force India): Schutz in Grossbritannien

Von Mathias Brunner
Formel 1
Vijay Mallya

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​Die Justizbehörden von Indien haben über das Aussenministerum versucht, in Grossbritannien die Auslieferung von Force-India-Mitbesitzer Vijay Mallya zu erwirken. Bislang ohne Erfolg.

Die Justizbehörden von Indien haben Ende April erwirkt, dass der Reisepass von Vijya Mallya annulliert wird. Gemäss indischem Gesetz erhielt der Unternehmer, der sich derzeit in Grossbritannien aufhält, eine Woche Zeit, um sich dazu zu äussern, wieso sein Pass nicht eingezogen oder annulliert werden soll. Zudem müsste er beim Innenministerium von Indien einen Antrag stellen, sollte er aus Grossbritannien ausreisen wollen. Die Justizbehörden haben keine Stellung dazu genommen, ob der Force-India-Mitbesitzer in irgendeiner Form reagiert hat.

Daraufhin wandten sich die Justizbehörden über das indische Aussenministerum an die Regierung von Grossbritannien. Seit 1993 besteht zwischen Grossbritannien und Indien ein Auslieferungsabkommen. Ein Sprecher des indischen Aussenministeriums bestätigt nun der Zeitung «The Hindu», eine entsprechende Auslieferungsanfrage sei abgelehnt worden. Mit der Begründung, Mallya könne sich so lange in Grossbritannien aufhalten, wie sein Pass noch gültig ist, als er einreiste.

Gemäss der «Hindustan Times» besitzt Mallya seit mehreren Jahren ein besonderes Investoren-Visa, das von der britischen Regierung erteilt wird für Geschäftsleute. Wer beispielsweise zehn Millionen Pfund in Grossbritannien investiert, kann nach zwei Jahren um dieses besondere Visum ersuchen. Die Laufdauer dieses Visums ist nicht bekannt.

Bislang hat sich Vijay Mallya bei keinem Formel-1-Lauf der Saison 2016 blicken lassen.

Vijay Mallya: Grosse Probleme in Indien

Im April stellte ein Gericht in Mumbai einen Haftbefehl für Mallya aus – und zwar auf Wunsch jener Behörde, welche Finanzvergehen untersucht. Hintergrund ist eine Anleihe der IDBI Bank über 135.000 US-Dollar (rund 119.000 Euro), die Mallya für Grundstück-Käufe im Ausland genutzt haben soll. Zu diesem Vorwürfen wollen ihn die Beamten befragen.

Mallya hat seit Beginn der finanziellen Schräglage beteuert, die erheblichen Schwierigkeiten in anderen Geschäftsbereichen hätten mit der Formel 1 nichts zu tun, und es handle sich bei der ganzen Affäre vorrangig um eine Hetzjagd gewisser Medien. «Ich bleibe Teamchef und Geschäftsleiter von Force India. Die Formel 1 hat nichts mit meinem Rücktritt bei United Spirits nichts zu tun.»

Mallya hat auch erklärt, er werde für seine Schulden aufkommen. Über seine Rechtsvertreter liess er dem Obersten Gericht ausrichten – bis September werde er mehr als 40 Prozent seiner Schulden zurückzahlen. Die Gläubigerbanken gingen auf dieses Angebot nicht ein.

Anfangs Februar 2016 war es DAS Thema in Indien: Nachdem eine Gruppe von 17 Banken (mit der «State Bank of India» als Anführer) das Höchste Gericht von Neu Delhi gebeten hatte, den indischen Unternehmer Vijay Mallya verhaften zu lassen und seinen Reisepass sicherzustellen, musste General-Staatsanwalt Mukul Rohatgi kurz darauf zugeben – leider zu spät, der Unternehmer hatte das Land bereits anfangs März verlassen. Und zwar komplett legal.

Die Entrüstung unter den Gläubigern war gross: Wie konnte es passieren, dass man sich den Mitbesitzer des Force-India-Rennstalls durch die Lappen gehen liess? Finanzminister Arun Jaitley in «The Hindu»: «Die Banken hätten viel früher bei den Behörden vorstellig werden müssen, um zu ihrem Geld zu kommen.»

Und darum geht es: Mallya hatte sich für seine Kingfisher-Airline sehr viel Geld geliehen, die Rede ist von einer Milliarde Euro. Es ist also kein Wunder, dass die Bank Ansprüche beipielsweise auf jene Abfindung Mallyas erhebt, die ihm im Winter zugesprochen worden ist: Mehr als ein Jahr hatte das Kräftemessen zwischen dem Diageo-Konzern und Mallya im Ringen um die Kontrolle über die milliardenschwere «United Breweries Group» angedauert.

Schliesslich zog sich Mallya aus der Führungsriege zurück. Der Deal: Diageo muss ihm für seinen Rückzug 75 Millionen Dollar bezahlen. Was Mallya noch viel wichtiger ist: Der Konzern verzichtet darauf, dem 60jährigen Inder finanzielle Unregelmässigkeiten, die bei internen Untersuchungen angeblich aufgetaucht waren, anzulasten. Mallya selbst zeigte sich zufrieden. Das Erbe seiner Kinder sei gesichert, ausserdem plane er, seine Zukunft in England zu verbringen.

Während die Banken eine Verfügung erwirken wollten, um Mallyas Reisepass beschlagnahmen zu lassen, war der Unternehmer nach London geflogen. Die heisse Frage: Hatte er vielleicht einen Tipp bekommen?

Finanzminister Jaitley: «Sollten wir herausfinden, dass jemand in diesem Fall durch Aktionen oder durch das Unterlassen von Handlungen Mallya die Ausreise erleichtert hat, werden wir entsprechende Schritte einleiten.»

Jaitley lässt den Vorwurf nicht auf sich beruhen, die Behörden seien träge: «Es gibt gewisse Abläufe, die eingehalten werden müssen, wenn man jemanden an der Ausreise aus unserem Land hindern will. Entweder wird der Reisepass eingezogen, oder es gibt eine entsprechende Order eines Gerichts. Aber beides lag nicht vor. Also konnten wir ihn auch nicht an der Ausreise hindern. Die Banken kamen mit ihrem Antrag schlicht zu spät.»

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