Jackie Stewart: Klage von Familie Bianchi ist falsch

Von Mathias Brunner
Formel 1
​In Monaco gibt die Klage der Familie Bianchi gegen den Autoverband FIA, den Marussia-Rennstall und die Formel 1 viel zu reden. Rennlegende Sir Jackie Stewart: «Das ist der falsche Weg.»

Die Familie Bianchi hat bestätigt, dass am vergangenen Mittwoch rechtliche Schritte gegen die Formel-1-Gruppe (mit Bernie Ecclestone als Geschäftsleiter), gegen den Autoverband FIA sowie gegen Jules’ früheres Team Marussia ergriffen worden sind.

Grundlage für die Klage (bearbeitet von Stewarts Law , einer auf Prozessrecht spezialisierten Anwaltskanzlei in London) ist die Unterstellung, Rennstall, Autoverband und F1-Gruppe hätten erhebliche Fehler begangen, die in einem tragischen Zusammenspiel zum letztlich tödlich endenden Unfall führten.

Philippe Bianchi sagt: «Wir wollen Gerechtigkeit für meinen Sohn Jules. Wir wollen, dass die Wahrheit über jene Entscheidungen ans Licht kommt, die zum Unfall unseres Sohns geführt haben. Als Familie stehen wir vor unbeantworteten Fragen. Wir sind der Überzeugung, dass der Unfall von Jules und sein Tod hätten verhindert werden können, wäre eine Serie von Fehlern nicht begangen worden.»

Julian Chamberlayne von Stewarts Law sagt: «Der Tod von Jules Bianchi war vermeidbar. Der Untersuchungsbericht der FIA schlug zahlreiche Empfehlungen vor, wie die Sicherheit in der Formel 1 verbessert werden kann. Aber der Bericht hielt nicht fest, wo Fehler begangen wurden, die zum Tod von Jules führten.»

Am 17. Juli 2015 ist in Nizza der junge Franzose Jules Bianchi verstorben. Nach seinem schweren Unfall am 5. Oktober 2014 in Suzuka war der Marussia-Fahrer ins Koma gefallen. Der fast 400 Seiten starke Unfallbericht des Autoverbands FIA gab dem Fahrer die Hauptschuld am Drama. Die Familie war vor den Kopf geschlagen.

Philippe Bianchi bei Radio Monte Carlo: «Die FIA hat bereits Fehler eingestanden, sonst wäre es ja nicht zu Änderungen im Reglement gekommen, etwa mit der Einführung der virtuellen Safety-Car-Phase. Aber wir akzeptieren nicht, dass die Hauptschuld unserem Sohn in die Schuhe geschoben wird. Wir können so nicht weiterleben. Die Tragödie hat unsere Familie gestört. Wir halten den Unfall für vermeidlich, wir wollen, dass so etwas nie wieder einem anderen Piloten passiert.»

Bianchi sagt bitter: «Wenn ich den Tod eines Menschen verursache, dann kann ich doch nicht eine interne Untersuchungskommission mit Freunden bilden, die dann zum Schluss kommen – nicht meine Schuld. Gerechtigkeit muss so sein, dass jemand für Fehler bezahlt.»

Sir Jackie Stewart gehört zum Strassenklassiker an der Côte d’Azur wie Monte zu Carlo. Der Monaco-GP-Sieger von 1966, 1971 und 1973 sagt zum Fall Bianchi gegenüber unserer Kollegen der Times: «Die ganze Angelegenheit ist für die Familie unendlich traurig, und den Bianchis gebührt unser tief empfundenes Mitgefühl. Aber ich bin der Ansicht, dass es der falsche Weg ist, nun rechtlich vorzugehen. Das verlängert doch nur die ganze Verzweiflung. Die Klage wird den Schmerz nicht zum Verschwinden bringen.»

«Jeder Fahrer kennt das Risiko. Das hier ist nicht Ping-Pong. Es gibt im Motorsport immer die Gefahr eines Unfalls mit ganz aussergewönlichen Umständen. Und das müssen wir alle akzeptieren.»

In dieser Form ist die Klage der Familie Bianchi einzigartig: Noch nie wurden die Formel 1, die FIA und ein Rennstall auf diese Weise verklagt.

Nach dem Tod des US-Amerikaners Mark Donohue 1975 auf dem Österreichring reichte dessen Witwe Klage gegen den Reifenhersteller Goodyear ein. Denn der Unfall von Donohue geschah aufgrund eines Reifendefekts. Es kam zu einer aussergerichtlichen Einigung, nie ist kommuniziert worden, wieviel Schadenersatzgelder geflossen sind.

Sollte die Familie Bianchi mit ihrer Klage durchkommen, so würde ein Präzedenzfall erzeugt.

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