Daniel Ricciardo: «Gute Laune ist eine Waffe»

Von Werner Jessner
Formel 1
Daniel Ricciardo

Daniel Ricciardo

​Fröhlichkeit ist sein Markenzeichen – und noch mehr. Daniel Ricciardo sagt im Interview mit «The Red Bulletin», wie man mit Spass Erfolg ermöglicht.
Du bist im ganzen Formel-1-Zirkus bekannt für deine unerschütterlich gute Laune. Wann setzt du eigentlich dein Lachen auf? Schon in der Früh?

Eigentlich ja.

Selbst wenn der Vortag mies war?

... beginnt jeder Tag wieder bei null. Mein Leben ist doch schön, also beginne ich jeden Tag fröhlich. Außerdem fallen mir Dinge leichter, wenn ich gut gelaunt bin, auf der Rennstrecke, aber auch im Alltag.

Du stehst niemals mit dem falschen Fuß zuerst auf?

Höchstens zu früh! Frühe Flüge gehen mir auf den Wecker.

Und dann?

Höre ich Musik. Musik hellt meine Stimmung extrem auf.

Egal welche?

Es gibt die richtige Musik für jede Situation. Manchmal, wenn ich in schwierigen Situationen stecke, hilft Musik, die ich früher gehört habe.

Inwieweit?

Weil ich damit Erinnerungen an Zeiten verknüpfe, als ich noch ein grüner Junge war. Und dann weiß ich: Die Fehler von damals passieren mir heute nicht mehr. Und dann geht schon wieder die innere Sonne auf.

Wer ist die mürrischste Person, die du kennst?

Als Junior hätte ich Helmut Marko gesagt. Aber er ist schon viel cooler geworden. Ich musste lernen, dass es ihm Freude bereitet, wenn wir auf dem Podest stehen, Erfolg haben und uns freuen.

Wie bringst du sogar ihn zum Lachen?

Mit Leistung. Das ist das Einzige, was bei ihm funktioniert.

Und andere Menschen rund um dich?

In der Formel 1 stehen alle unter Strom. Humor macht viele Situationen erträglicher, weil er kurz Druck rausnimmt. Wenn ich in der Box tanze, wird der müdeste Mechaniker munter. Oder nach dem Rennen: Da blödeln wir rum und hauen uns Filmzitate um die Ohren. Oder ganz handfest: Schlafende Menschen anmalen ist ein Klassiker. Und du musst auch einstecken können. Erst beim letzten Rennen haben die Jungs meine Schuhe am Boden festgeklebt.

Warst du schon immer eine Frohnatur, oder kann man das lernen?

Ich war immer fröhlich. Es geht mir gut, ich bin gesund, mein Job macht mir Freude. Ein Miesepeter wird vielleicht nie zum Sonnenschein, aber eins ist klar: Bis zu einem gewissen Grad kann man Fröhlichkeit trainieren.

Machen wir die Probe: Du stehst auf der Autobahn im Stau, nichts bewegt sich, du verpasst gerade einen wichtigen Termin: Wie lange braucht es, bis du wieder lachen kannst?

Zehn Minuten.

Zehn Minuten Stillstand oder zehn Minuten nachdem sich die Kolonne wieder in Bewegung gesetzt hat?

Stillstand. Ärgernisse, für die ich nichts kann, lasse ich nicht groß an mich heran. Wenn ich unorganisiert war und deshalb im Stau stehe, ärgere ich mich deutlich mehr. Aber es wird schon nicht das Ende der Welt sein. Verschiebe ich das Meeting eben oder hänge eine Nachtschicht dran. Es gibt immer eine Lösung.

Woran denkst du in diesen zehn Minuten?

An etwas, worauf ich stolz bin. An einen Berg, den ich mit dem Bike Vollgas raufgetreten bin. An ein gutes Workout. Oder an etwas, was mir Freude gemacht hat. Eine Radtour mit Freunden. Schlafen unter freiem Himmel. Eine Szene aus einem Video. Einen Sieg. Ein Lob von jemandem, dessen Meinung zählt. Einen Streich, den ich jemandem gespielt habe. Menschen, die mir nahestehen, haben mir erzählt, sie hätten beobachtet, dass ich manchmal aus heiterem Himmel zu kichern beginne.

Hast du nie versucht, ernst zu werden?

Doch! Als ich gerade in die Formel 1 gekommen war, habe ich Respekt vor der großen Bühne und dem Business gehabt und versucht, möglichst ernst zu sein, weil ich mich an diese Welt anpassen wollte. Aber erst als ich begann, Spaß zu haben und das auch zu zeigen, ist der Knoten geplatzt. Seither setze ich diese positive Energie ganz bewusst als meine Waffe ein.

Dieses Interview stammt aus der Juli-Ausgabe von «The Red Bulletin».

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