FP3 Silverstone: Rote Flagge & Bestzeit von Hamilton

Von Vanessa Georgoulas
Formel 1
Harter Crash von Sauber-Pilot Marcus Ericsson: Der Schwede sorgte in der letzten freien Trainingsstunde von Silverstone für eine Zwangspause. Die schnellste Runde drehte Formel-1-Champion Lewis Hamilton.

Die Formel-1-Stars mussten wegen eines Regenschauers, der kurz vor dem Start zum dritten freien Training über dem Silverstone Circuit niederging, auf noch feuchter Piste zur letzten Trainingsstunde ausrücken. Die dunklen Wolken über dem altehrwürdigen GP-Kurs liessen auch neue Regenschauer befürchten, die Meteorologen schätzten die Regenwahrscheinlichkeit denn auch auf 40 Prozent ein.

Dennoch fanden sich auf den Zuschauerrängen erfreulich viele Fans ein, die dem britischen Sommerwetter trotzten, um die Stars der GP-Szene bei der Arbeit zuzuschauen. Sie mussten sich nicht lange gedulden, denn schon nach wenigen Sekunden rückten Esteban Gutiérrez, Sebastian Vettel, Felipe Massa und Romain Grosjean zur ersten Installationsrunde aus.

Und auch Mercedes-Star Nico Rosberg, der das zweite Training wegen eines Wasserlecks verpasst hatte, verlor keine Zeit und zeigte sich schon in den ersten Minuten. Alle fünf GP-Stars wagten sich nur auf den Intermediates-Reifen auf die noch feuchte Piste, genauso wie Kimi Räikkönen, Rio Haryanto, Max Verstappen, Nico Hülkenberg und Sergio Pérez.

Sauber-Pilot Marcus Ericsson, der mit einem neuen Chassis-Aufbau unterwegs war, das die Schweizer für 2017 testeten, griff wie McLaren-Honda-Urgestein Jenson Button und dessen Teamkollege Fernando Alonso sogar auf die Regenreifen zurück. Red Bull Racing-Talent Verstappen bestätigte kurz darauf über Boxenfunk: «Die Strecke ist überall noch ein bisschen feucht, es ist definitiv noch zu früh für Slick-Reifen.»

Klare Ansage von FIA-Rennleiter Charlie Whiting

Die Formel-1-Piloten nutzten die letzte Trainingsstunde auch, um sich an die Streckenbegrenzung in den Kurven 9 (Copse), 15 (Stowe) und 18 (Club) zu gewöhnen. Denn FIA-Rennleiter hatte über Nacht eine Warnung verfasst, dass man in dieser Hinsicht eine Nulltoleranz-Politik verfolgen und Übertretungen rigoros bestrafen werde.

Dreizehn Minuten nach dem Start des Trainings hatte noch kein Formel-1-Pilot eine gezeitete Runde gedreht. Auch Pérez, der als Erster auf Slicks ausrückte, bog nach nur einer Runde auf den mittelharten Reifen wieder an die Box ab. Sein Force India-Teamkollege Hülkenberg tat es im gleich und Rosberg traute sic auf den harten Reifen auf die Piste.

Der Silberpfeil-Pilot war auch der erste Fahrer im Feld, der eine gezeitete Runde drehte: Mit 1:42,634 min fiel seine erste schnelle Runde aber noch relativ gemächlich aus. Er hängte gleich weitere Runden an und verbesserte sich erst auf 1:36,069 min und kurz darauf auf 1:33,591 min. Auch die beiden Ferrari-Stars Räikkönen und Vettel rückten aus und Letzterer setzte sich mit 1:33,203 min (auf den mittelharten Reifen gefahren) kurz an die Spitze.

Doch Rosberg, der mittlerweile auf die weiche Mischung gewechselt hatte, stellte mit 1:31,331 min eine Bestzeit auf, die von seinem Teamkollegen Lewis Hamilton mit 1:31,286 min unterboten wurde. Während sich die Silberpfeil-Piloten um die Spitzenposition zankten, unterhielt Sauber-Mann Felipe Nasr die Zuschauer mit einem Dreher in der 15. Kurve.

Rote Flagge wegen Marcus Ericsson

35 Minuten nach dem Start des Trainings waren alle 22 Piloten auf dem Rundkurs unterwegs. Mit neuen Teilen durften die beiden McLaren-Honda-Stars Button und Alonso ausrücken. Diese hatten sie dank einer Nachtschicht ihrer Mannschaft gerade noch rechtzeitig zum dritten Training in Silverstone ans Auto bekommen. Dazu musste der Traditionsrennstall aus Woking die achtstündige Nachtruhe brechen. Das hat aber keine Konsequenzen, denn die GP-Teams dürfen dies gemäss Reglement zwei Mal im Jahr tun.

Für die grosse Schrecksekunde sorgte Sauber-Pilot Ericsson, der rund 20 Minuten vor dem Ende des Trainings Ausgangs der Stowe-Kurve einen heftigen Abflug hinlegte und in die Streckenbegrenzung einschlug. Der Schwede hatte Glück im Unglück: Während sein Dienstwagen erheblichen Schaden nahm, konnte er sich nach einem kurzen medizinischen Check aus eigener Kraft vom Unfallort entfernen.

Für Diskussionen sorgte der Umstand, dass Ericssons Steuerrad beim Unfall abflog. «Das dürfte eigentlich nicht passieren, vielleicht ist er mit dem Knie an den Knopf gekommen, mit dem sich das Steuerrad schnell demontieren lässt», rätselte der ehemalige GP-Pilot und Sky Sports F1-Experte Anthony Davidson.

Natürlich wurde gleich nach dem harten Crash die rote Flagge geschwenkt. Zu diesem Zeitpunkt führte Hamilton die Zeitenliste mit 1:31,234 min an. Hinter dem Weltmeister reihten sich Rosberg, Verstappen, Daniel Ricciardo, Vettel, Valtteri Bottas, Alonso, Räikkönen, Carlos Sainz und Felipe Massa auf den Top-Ten-Plätzen ein.

Button, Hülkenberg, Daniil Kvyat, Kevin Magnussen, Ericsson, Gutiérrez, Nasr, Pérez, Grosjean, Jolyon Palmer und das Manor-Duo Pascal Wehrlein und Haryanto reihten sich auf den restlichen Positionen ein.

Letzte Zeitenjagd der GP-Stars

Da die Streckenposten ganze Arbeit leisteten und die Aufräum- und Reparaturarbeiten an der Streckenbegrenzung im Rekordtempo vornahmen, durften die GP-Stars in den letzten fünf Minuten noch einmal Gas geben. Die meisten Piloten nutzten die letzte Chance zur Zeitenjagd, nur Magnussen und Nasr blieben in der Box.

Für eine letzte Aufregung sorgte Sebastian Vettel, der nach seiner ersten schnellen Runde plötzlich im Schleichgang unterwegs war. «Da klang etwas beim Getriebe ganz schlecht, als er in den siebten Gang schaltete», analysierte Davidson, «Da ist irgend etwas zu Bruch gegangen.»

Sicher ist: Sollte Vettel sein Getriebe tauschen müssen, wird er in der Startaufstellung um fünf Positionen nach hinten rücken müssen.

Der Rest des Feldes gab ordentlich Gas und Rosberg setzte sich kurz an die Spitze. Weil Hamilton aber mit 1:30,904 min nachlegte, durfte sich der Weltmeister erneut über die Bestzeit freuen.

Hinter ihm belegten Rosberg, Ricciardo, Verstappen, Vettel, Bottas, Alonso, Hülkenberg, Räikkönen und Sainz auf den übrigen Top-Ten-Plätzen ein. Gutiérrez, Button, Grosjean, Pérez, Massa, Kvyat, Nasr, Palmer, Magnussen, Haryanto, Ericsson und Wehrlein komplettierten die Zeitenliste.

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Lewis Hamilton: Hunger auf mehr als Formel 1

Mathias Brunner
​Lewis Hamilton ist nach 2008, 2014, 2015, 2017, 2018 und 2019 zum siebten Mal Formel-1-Weltmeister. Doch sein Erbe besteht nicht aus Bestmarken, die er reihenweise niederreisst. Sein Erbe reicht erheblich weiter.
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