MotoE

MotoE-Weltcup: Enel steht im Zentrum der Kritik

Von - 10.08.2019 12:05

Nach dem zweiten Feuer im Zusammenhang mit dem MotoE-Weltcup sieht man im Paddock besorgte Mienen. Das Problem: Die Batterien ziehen beim Aufladen zu viel Ampere, die Ladestationen überhitzen.

Die Techniker des italienischen Energiekonzerns Enel haben sich im neuen «Enel MotoE-Weltcup» in kürzester Zeit bis auf die Knochen blamiert. Spielberg ist der vierte MotoE-Event in diesem Jahr (Test in Jerez und Valencia, Rennen in Sachsen), und es gab bereits die zweite Feuersbrunst. Als am Freitag um 15.30 Uhr in der Nähe von Kurve 1 eine Ladestation explodierte, flogen die Trümmer 100 bis 150 Meter weit, erzählten Augenzeugen. Danach musste die Maschine von Sachsenring-Sieger Niki Tuuli aus dem Ajo-Team in eine grüne Wiese gezerrt und dort ausführlich mit einem Feuerwehrschlauch bespritzt und abgekühlt werden. Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta hängt dieses peinliche Desaster zum Hals heraus. Er verkniff sich jeden Kommentar. «Erkundigt euch bei Enel», empfahl er den GP-Berichterstattern.

Bei Enel X hatte man aber alle Hände voll zu tun, um die Solar-Panel-Attrappe zu montieren, statt sich gewissenhaft um eine sichere Methode zum Laden der 18 Energica-Motorräder zu kümmern. Dabei hatte man zwei Jahre Zeit zur Vorbereitung dieser angeblich emissionsfreien Rennserie, deren E-Motorräder aber mit zehn Diesel-Generatoren geladen werden. Jetzt noch von neun, genau genommen. Denn eine ist explodiert.

Martin Wimmer, dreifacher 250-ccm-GP-Sieger und durch seine jahrelangen Aufenthalte in China mit den Problemen der E-Mobilität gut vertraut, hat wenig Verständnis für den Dilettantismus der Enel-Techniker. Wimmer: «Für mich ist klar, die Batterien ziehen zuviel Ampere beim Aufladen, das verkraftet nicht mal die Steuerungselektronik der Dieselgeneratoren! Enel kann kurzfristig überhaupt nichts dagegen tun. Die einzige Lösung wäre, dass sie sich erkundigen, was die automobile Formel E macht. Die haben nämlich höhere Batterie-Leistungen und bisher vorbildlich alles im Griff.»

Nachsatz von Wimmer: «Hoffentlich passiert heute und morgen nicht noch mehr! Man müsste mal die Frage klären: Was hat denn am Freitag gebrannt? Der Generator, das Ladegerät oder die Batterie? Ich glaube, dass diesmal der Generator ausgestiegen ist.»

Teambesitzer Aki Ajo musste zusehen, wie das Einheits-Motorrad seines finnischen Fahrers Niki Tuuli verschmorte und dann mit einem heftigen Wasserstrahl gelöscht wurde. Am Ende wurde es in einem feuerfesten Anhänger entsorgt. Nur zwei davon stehen im MotoE-Paddock, einer ist schon gefüllt.

Ajo kann sich vorstellen, dass Enel das Aufladen der 100 kg schweren Batterien für die Energica-Ego-Motorräder nicht im Griff hat.

«Tatsache ist, dass die Ladestation überhitzt hat», sagte Ajo. «Mehr wurde uns nicht gesagt. Es gab ein Überhitzungsproblem in der Ladestation. Nachher wurde gut reagiert. Ich bin aber froh, dass nach dem Feuer beim Jerez-Test die Ladestationen abseits von unseren Boxen errichtet wurden. Unser Bike war unbrauchbar, aber wir haben in kürzester Zeit für das zweite Freitag-Training eine Ersatzmaschine für Niki Tuuli bekommen. Eine Stunde nach dem Erhalt der neuen Maschine waren wir für das FP2 mit Tuuli wieder auf der Strecke.»

Ajo: «Wir haben es in der MotoE mit einer neuen Technologie zu tun. Es ist sinnvoll, dass sich die Einheits-Motorräder im Besitz der Meisterschafts-Macher befinden. Wir bekommen gute Unterstützung. Und an den Bikes darf man nicht viele Änderungen anbringen.»

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