Joan Mir (Marc VDS): Bekommt er MotoGP-Werksvertrag?

Von Günther Wiesinger
Moto2
Ob der aktuelle Moto3-Weltmeister Joan Mir nach einem Moto2-Jahr gleich in die MotoGP-WM aufsteigt, ist offen. Sein Marc VDS-Vertrag erlaubt es – unter gewissen Umständen.

Das belgische Marc VDS-Racing-Team ist der siegreichste Rennstall der Moto2-WM-Geschichte, die 2010 begann: Die Fakten: 2 WM-Titel, 28 GP-Siege, 77 Podestplätze, 2520 WM-Punkte.

2014 hat Marc VDS in der Moto2-WM auf Kalex sogar die Plätze 1 und 2 belegt und zehn von 17 Siegen abgeräumt – mit Tito Rabat (7 Siege) und Mika Kallio (3 Siege).

Im Vorjahr fuhr Franco Morbidelli für Marc VDS den zweiten WM-Titel ein.

In der Saison 2018 sind für den belgischen Bier-Milliardär Marc van der Straten (VDS) in der Moto2-Klasse die beiden Spanier Alex Márquez (Moto3-Weltmeister 2014) und Joan Mir (Moto3-Weltmeister 2017) unterwegs.

Titelanwärter Márquez liegt nach einem Podestplatz in drei Rennen an dritter Stelle der Tabelle, zehn Punkte hinter Leader Bagnaia. Rookie Joan Mir hält sich an erstaunlicher siebter Position – vor Routiniers wie Binder, Aegerter, Schrötter, Barbera, Lowes, Quartararo und so weiter.

Bei Estrella Galicia 0,0 Marc VDS Racing müssen demnächst die Weichen für die Moto2-Saison 2019 gestellt werden.

Bei der belgischen Mannschaft ist Alex Márquez für 2019 ein MotoGP-Kandidat. «Aber bei dieser Entscheidung würde ich gern noch etwas abwarten», sagt Teamprinzipal Michael Bartholemy. «Denn die MotoGP-Materialfrage beschäftigt mich momentan sehr stark. Dieses Thema möchte ich bald abschließen und dann schauen, wo ich meinen nächsten Moto2-Fahrer herbekomme.»

Moto3-WM-Leader Jorge Martin dürfte bei Gresini bleiben und dort die Moto2-WM 2019 bestreiten. Gresini kann ihm danach für 2020 eventuell eine Zukunft in der MotoGP bei Aprilia Racing anbieten.

«Wir haben ein mündliches Abkommen mit Alex Márquez, wonach er sich bis Ende Juni entscheiden kann, ob er 2019 noch einmal ein Jahr Moto2 fahren will oder nicht», betont Bartholemy im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «An diese Vereinbarung würde ich mich gerne halten. Außerdem weiß ich, dass der Manager von Joan Mir bereits mit einigen MotoGP-Werken spricht. Aber beim Moto2-Team haben ich noch keinen so großen Zeitdruck wie bei der Materialfrage in der MotoGP-Klasse.»

Mit Joan Mir besteht bei Marc VDS Racing ein Drei-Jahres-Vertrag. Aber er ist nicht ganz wasserdicht.

«Wir haben im Deal mit Joan Mir eine Klausel, wonach er in die MotoGP-WM wechseln kann, wenn er für 2019 ein Angebot von einem Werksteam bekommt. Wenn er in einem Werksteam fahren könnte, das im Jahr 2018 vor August einen Grand Prix gewonnen hat, muss ich ihn frei geben. Wenn er Moto2-Weltmeister wäre, müsste er nicht einmal eine Ablösesumme zu bezahlen. Er könnte also gehen.»

In so einem Fall würde wohl der aktuelle Moto23-WM-Zweite Aron Canet aus dem Estrella-Galicia 0,0-Honda-Moto3-Team ein Angebot von Marc VDS erhalten.

Aber die Werksteams von Repsol-Honda, Ducati Corse und Suzuki Ecstar werden Joan Mir trotz seines unbestrittenen Könnens seines kaum nehmen, Red Bull KTM plant mit Zarco und Pol Espargaró, und Gresini-Aprilia gilt nicht als Werksteam, weil die Plätze dem Privatteambesitzer Fausto Gresini gehören.

Bartholemy: «Ja, Aprilia gilt nicht als MotoGP.Werksteam. Aber theoretisch ist bei Repsol-Honda noch ein Platz frei.»

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