Fred Corminboeuf: «Wollte mit Aegerter in die MotoGP»

Von Günther Wiesinger
Moto2

Dominique Aegerter verlangte beim CGBM-Team von Fred Corminboeuf für 2017 eine Suter, bekam sie nicht und ging dann zu Kiefer. Seither gab es viele Rückschläge.

Das CGBM-Team von Fred Corminboeuf (47) tritt in der Moto2-WM 2018 unter der Bezeichnung «Swiss Innovative Investors» an. Hinter dieser Firma stecken zwei Schweizer Geschäftsleute, die Start-up-Unternehmen finanzieren. Die großen Sponsoren der Vergangenheit sind abhandengekommen, nachdem zuerst Domi Aegerter Ende 2016 wegging und dann nach der Saison 2017 auch noch Tom Lüthi.

Der Schweizer Unternehmer Olivier Métraux, der den Rennstall mit seinen Firmen wie Derendinger, CarXpert, Technomag und so weiter zuerst bei CIP-Chef Alain Bronec und dann ab 2012 mit Corminboeuf finanziert hat, ist ausgestiegen. Und Lüthi hat Sponsoren wie Interwetten, Hertz und Polo zu Marc VDS Racing mitgenommen.

Domi Aegerter wollte im CGBM-Team nach der Saison 2016 eine Suter fahren, weil er mit der Kalex in zwei Jahren nur einen Podestplatz errungen hatte.

Doch Corminboeuf und Métraux weigerten sich, 2017 Lüthi und Raffin auf Kalex und Aegerter auf Suter antreten zu lassen.

Aegerter unterschrieb deshalb Anfang Oktober 2016 für die folgende Saison bei Kiefer, Corminboeuf entließ den Schweizer fristlos und setzte ihn bei den letzten vier Grand Prix nicht mehr ein.

«Das war eine schwierige Zeit für das Team», sagt Teambesitzer Fred Corminboeuf. «Meine Sponsoren haben so viel Geld für Dominique investiert. Und dann ist er hinter unserem Rücken zu Kiefer gegangen. Das hat zu einem Riesenwirbel in den Schweizer Medien geführt.»

Gewinner gab es damals nicht.

Denn Aegerter wechselte von einem der reichsten Teams im Fahrerlager zu einem der finanzschwächsten, das nach dem Ausstieg von Leopard ohne Hauptsponsor dastand. Dazu kam: Suter Industries hatte zwei Jahre lang in der Moto2-WM als Chassis-Lieferant keine Rolle gespielt. Kalex war auf dem besten Weg, 49 Rennen hintereinander zu gewinnen und den fünften WM-Titel in Serie zu erobern.

«Dominique war damals wie mein Sohn. Wir sind im GP-Sport zusammen aufgewachsen. Ich habe damals Fehler gemacht. Ich habe jahrelang alle Wünsche von Dominique erfüllt. Aber in der Saison 2016 haben die Resultate nicht gestimmt. Als er dann kam und sagt: ‘Ich will das.’ Dann habe ich entgegnet: ‚Nein.’»

«Inzwischen weiß ich, dass ich mich nicht auf so ein enges Verhältnis mit einem Fahrer einlassen darf. Aber das musste ich erst lernen. Dominique war meine erste Story in diesem GP-Geschäft. Ich habe versucht, mit ihm die bestmöglichen Ergebnisse zu erringen. Ich habe ihm alles gegeben, von dem ich dachte, es würde ihm nützen. Niemand hat mir im Paddock irgendwelche Ratschläge oder Lehren erteilt, als ich als Anfänger hierherkam.»

Inzwischen hat Aegerter 2014 mit der Suter in Sachsen gewonnen, mit der Kalex hat er sich nicht zurechtgefunden, die Suter war 2017 auch nicht das Gelbe vom Ei. Mit der KTM von Kiefer Racing liegt der Rohrbacher nach 9 von 19 Rennen auf dem enttäuschenden 16. WM-Rang. Im Winter war von konstanten Podestplätzen die Rede.

«Ich habe immer versucht, den Fahrern ein gutes Umfeld zu schaffen. Wenn sie sich wohlfühlen, können sie ausgezeichnete Ergebnisse erzielen», betont Corminboeuf.

Inzwischen stellt sich auch Teamchef Jochen Kiefer die Frage, ob sich Domi Aegerter nicht zu stark belastet mit seinen ganzen Fan-Aktionen, seinem umfangreichen Training, dem aufwändigen Crowd-Funding, den Sponsor-Auftritten, dem Domi Fighter Day, dem Suzuka Eight Hour Race. Dazu kommt der plötzliche Tod von Teambesitzer Stefan Kiefer (51) in Malaysia 2017, der gescheiterte Verkauf von Kiefer Racing, die Ungewissheit in punkto Budget für 2918, der neuerliche Trennung von Manager Dr. Robert Siegrist, viele organisatorische Aufgaben und so weiter.

Eine unbeschwerte Rennsaison sieht anders aus.

Bei der Angewöhnung an die Moto2-KTM sind seit den Wintertests keine durchschlagenden Erfolge erzielt worden. Beim deutschen Grand Prix fuhr Aegerter vom 23. Startplatz los. In diesem Bereich lag Aegerter auch bei den ersten Wintertests im Februar und März in Valencia und Jerez. Damals sagte Jochen Kiefer: «Domi hat seine Komfortzone noch nicht verlassen.»

«Ich fühle mich auf der KTM nicht sicher», grübelte Aegerter nach dem enttäuschenden 14. Platz im Rennen auf dem Sachsenring.

Sam Lowes und Iker Lecuona aus dem CGBM-Team gewöhnten sich im Winter im Handumdrehen an die KTM, einmal sorgten sie beim IRTA-Test sogar für die Plätze 1 und 2. Vor dem Brünn-GP liegt Lowes auf dem 12. WM-Rang und Lecuona auf dem 13.

«Wir alle kennen Dominique sehr gut. Kleine Details können ihn davon abhalten, sich auf dem Motorrad richtig zu entfalten. Unsere Zusammenarbeit ist in die Brüche gegangen, weil ich zu lange immer auf alle seine Wünsche eingegangen bin und irgendwann ‘nein’ gesagt habe», sagt der Westschweizer.

Corminboeuf erzählt auch, warum er nach der Saison 2016 nicht zu Suter zurückkehren wollte. «Wir haben ein Gespräch mit Suter geführt. Und beim zweiten Gespräch hörte sich alles ein bisschen anders an. Und beim dritten Meeting war es ähnlich. Wir sind deshalb unserer Firmenstrategie treu geblieben – und haben weiter auf Kalex gesetzt.»

Mit diesem Fabrikat schaffte Tom Lüthi im CGBM-Team 2016 und 2017 immerhin den zweiten WM-Rang.

Im Grunde gab es bei der Trennung von Aegerter und Corminboeuf keinen Gewinner. Denn das CGBM-Team verlor den ersten von zwei Schweizer Spitzenfahrern und dadurch auch die Unterstützung von Sponsor und Mäzen Olivier Métraux. Und auf den Fahrer kamen viele neue Belastungen zu.

«Ja, es war vielleicht ein Fehler», sagt Corminboeuf. «Aber Dominique hat uns damals versprochen, er bleibt bei uns. Drei Tage später haben wir gehört, dass er bereits bei einem anderen Team unterschrieben hat. Ich stand damals alleine da. Und ich habe dann die emotionale Entscheidung getrioffen, ihn bei den letzten vier Grand Prix nicht mehr fahren zu lassen. Ich war enttäuscht. Ich hatte jahrelang immer für Dominique gekämpft. Meine Entscheidungen waren nicht immer richtig, klar. Ich war mit zu viel Leidenschaft dabei. Ich habe aus diesen Vorkommnissen gelernt. Heute weiß ich, dass es in erster Linie ein Geschäft ist. Aber ich bin ein emotionaler Mensch. Ich kann meine Gefühle nicht dauernd unterdrücken.»

Corminboeuf: «Es war mein Traum, Dominique in die MotoGP zu bringen. Ich habe es anfangs mit Kawasaki versucht, dann auf andere Weise. Das wäre eine unglaubliche Story gewesen. Aber aus heutiger Sicht gebe ich zu, ich habe mir als professioneller Teamchef ein paar Fehler geleistet. Ich habe in den Jahren vor der Trennung zu viel Zugeständnisse gemacht. Ich hätte schon vorher öfters ‘nein' sagen und strenger sein sollen. Ich übernehme die Verantwortung für alles, was vorgefallen ist, kein Problem. Heute weiß Dominique, dass auch in anderen Teams nicht immer alles perfekt nach seinem Geschmack und seinen Vorstellungen läuft. Man glaubt ja immer, das Gras in Nachbars Garten sei grüner.»

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