American Team: Neuer Chef – wo sind die Sponsoren?

Von Günther Wiesinger
Moto2

Das neue «American Team KTM» mit den Piloten Iker Lecuona und Joe Roberts bleibt rätselhaft. Der neue Teamteilhaber Eitan Butbul führt jetzt statt Fred Corminboeuf das Kommando.

Das Schweizer CGBM-Evolution-Moto2-Team von Fred Corminboeuf trat 2018 zum ersten Mal ohne Schweizer Fahrer an, nachdem dort in den letzten Jahren Fahrer wie Domi Aegerter, Tom Lüthi, Randy Krummenacher, Robin Mulhauser und Jesko Raffin engagiert und wieder abhanden gekommen waren. Vor allem wegen des Weggangs von Aegerter und Lüthi verlor Corminboeuf auch das Sponsorgeld des Unternehmers Olivier Métraux (CarXpert, Dereindinger, Garage Plus usw.) sowie die Sponsorship von Interwetten.

Als neuer Hauptsponsor für 2018 wurde die ominöse Firma «Swiss Innovative Investors» präsentiert, die zwei Akteure dieser neu gegründeten Firma, die angeblich Start-up-Unternehmen finanziert und bisher keine Homepage hat, blieben meist im Hintergrund, einer der beiden bezahlte seinen Anteil nie. Auch der indische Sponsor Andhra Pradesh blieb das angekündigte Geld schuldig. So schlitterte Corminboeuf 2018 weiter ins finanzielle Dilemma. Schon beim Australien-GP im Oktober 2018 kündigte er an: «Vielleicht wechseln wir in ein anderes Land.»

Zu diesen Zeitpunkt war bereits durchgesickert, dass der amerikanische Geschäftsmann Eitan Butbul 60 Prozent des Schweizer CGMB-Rennstalls übernehmen und es auf «American Team KTM» umtaufen wollte.

Der Grund: Butbul ist persönlicher Manager von Joe Roberts, den er 2018 beim niederländischen RW Racing Team auf einer Moto2-NTS fahren ließ. Butpul betreibt zur Förderung amerikanischer Talente eine Agentur namens «APEX motorsport». Er rühmt sich gerne, langjähriger Sponsor von LCR-Honda zu sein. In Wirklichkeit hat er dort 2018 auf dem Bike von Takaaki Nakagami ein bescheidenes Plätzchen gekauft, das beim WM-20. wohl niemand so richtig ins Auge gestochen ist.

Butbuls Tätigkeit in Amerika ist bisher weder dem populären Fahrermanager Bob Moore noch Paul Carruthers, Communications Manager der US Championship «MotoAmerica», aufgefallen.

Offenbar beschränkt sich Butbuls Manager-Tätigkeit auf Joe Roberts, der überschaubare WM-Ergebnisse aufweist: Bei den 18 Grand Prix im Vorjahr sammelte er fünf WM-Punkte ein, das reichte für den 27. WM-Rang.

Immerhin konnte Corminboeuf durch den Verkauf seiner Teamanteile inzwischen einen Teil seiner Verbindlichkeiten bezahlen, nachdem er im Herbst bei der Teamvereinigung IRTA zuerst wochenlang nicht einmal die Nenngebühr für die zwei Startplatze (total 40.000 Euro) bezahlt hatte. Auch ein Teil des KTM-Materials für 2018 (ca. 130.000 Euro) wurde erst nach dem Saisonschluss bezahlt. Und jetzt konnte das zweite KTM-Paket für 2019 erst in letzter Minute (150.000 bis 200.000 Euro) bezahlt und abgeholt werden.

Am Montag erfolgte das erste Roll-out der neuen Mannschaft mit Iker Lecuona (Platz 2 beim Valencia-GP 2018) und Joe Roberts. heute beginnt  in Jerez der dreitägige IRTA-Test. Eitan Butbul steht als neuer Teamteilhaber in der Box, Fred Corminboeuf führt nicht mehr Regie. «Unser Ansprechpartner ist nur noch Eitan Butbul», ist bei KTM zu hören.

Seit Monaten kündigt Corminboeuf eine Verlautbarung an, wie es mit seinem Moto2-Team im Detail weitergeht. Doich es herrscht Funkstille. Bisher hat das «American Team KTM» keine Website, nur eine Facebook-Seite mit 3358 Freunden. Die mutmaßlichen Geldgeber blieben bisher im Hintergrund. Für ein Zwei-Fahrer-Team werden mindestens 2,2 Millionen Euro im Jahr benötigt.

«Ich wollte mein Team nicht verlieren, ich will meine Crew nicht verlieren», betonte Corminboeuf am Saisonende 2018. «Ich wollte meiner Mannschaft keine Sorgen machen und ihr vor dem Winter eine neue Perspektive zeigen. Ich habe im Herbst lange gehofft, dass die Sponsoren die versprochenen Summen bezahlen. Aber dann begannen die Gespräche mit Eitan. Ich kann von Glück reden, dass er eingestiegen ist. Ich war schon im Oktober überzeugt, dass wir 2019 wieder mit zwei WM-Piloten an den Start gehen werden. Eitan hat mein Leben gerettet – und besonders mein Team.»

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