Alex Baumgärtel: «Wer auf Kalex siegt, ist mir egal»

Von Günther Wiesinger
Moto2
Die Bikes von Kalex-Designer Alex Baumgärtel dominieren die Moto2-WM. 2014 gab es 14 Siege in 18 Rennen, jetzt führen Zarco und Folger die WM an. Neutralität statt patriotischer Gefühle, heisst der Devise.

Der deutsche Motorradhersteller Kalex engineering aus Bobingen hat seit der Einführung der Moto2-WM 38 GP-Siege, zwei Marken-WM-Titel und drei Fahrer-WM-Titel (2011 mit Bradl, 2013 mit Pol Espargaró und 2014 mit Tito Rabat) gewonnen und den Marktanteil in der mittleren Hubraumklasse (600 ccm) beständig ausgebaut.

2015 fahren 23 von 31 Piloten auf Kalex. Im Vorjahr waren es 14.
Trotzdem gab es auch Rückschläge, denn die Moto3-WM musste aufgegeben werden, die MotoGP-Pläne haben sich zerschlagen.

Alex Baumgärtel, gemeinsam mit Klaus Hirsekorn der Gründer und geistige Vater der Kalex-Maschinen, stand SPEDWEEK.com nach den ersten vier Saisonrennen Rede und Antwort.

Alex, ihr konzentriert euch ​2015 ganz auf die Moto2-Klasse, für die Moto3-WM wollte KTM keine Motoren mehr liefern. Für die MotoGP fand sich kein Auftraggeber. Pons und MarcVDS hatten überlegt, Yamaha-M1-Motoren zu leasen und dafür Kalex-Motorräder bauen zu lassen. Bist du froh, dich auf eine Klasse konzentrieren zu können? Das hat gewisse Vorteile?

Ja, das hat Vorteile, was die Logistk angeht, weil man sich nur um ein Teilepaket kümmern muss. Auf der anderen Seite haben wir in der Moto2-WM neue Kunden hinzu gewonnen, was das Thema Auslastung wieder kompensiert.

Letztes Jahr habt ihr 14 Moto2-Fahrer eingesetzt, dazu sieben Moto3-WM-Piloten. Bei jetzt 23 Moto2-Piloten könnt ihr den Rückzug aus der kleinen Klasse locker verschmerzen, denn der Umsatz steigt weiter.

Genau, wir haben die Ausfälle aus der Moto3 mit neuen Moto2-Kunden egalisiert.
Schade war natürlich, dass das MotoGP-WM nicht in den Griff zu kriegen war. Aber wie sich jetzt im nachhinein zeigt, war es die beste Lösung, in diese Kategorie gar nicht eingestiegen zu sein. Zum einen wegen Chancenlosigkeit, zum andern, weil 2016 und 2017 sowieso nur noch Factory-Teams in den Markt reindrängen. Ein Einstieg für 2015 wäre vergebliche Liebesmüh gewesen.

Nach einem Jahr oder spätestens für 2017 hätte euch der Rückzug gedroht. Es wäre also viel Entwicklungsarbeit für eine Saison gewesen?

Exakt. das wäre viel Arbeit für womöglich einen einzigen Kunden und für eine sehr überschaubare Zeitspanne mit geringen Erfolgsaussichten gewesen.
Man sieht inzwischen auch in der Moto3-WM, dass man als Nicht-Werksteam eigentlich komplett chancenlos wäre. Die Werke haben dort ihre Factory-Teams in der neuen Junioren-WM (vormals CEV) zur Erprobung, bedingt durch das Reglement, weil man an einem GP-Wochenende keine Updates ausprobieren darf. So etwas würde unsere finanziellen Mittel absolut überschreiten. Da können wir einfach nicht mehr mitspielen.

Wie viele Motorräder habt ihr in der Moto2-EM und in der Junioren-WM Moto3 noch laufen?

In der Moto2 sind es sieben. In der Moto3 sind wir nur noch in der Britischen und in der Französischen Meisterschaft aktiv.

In der Moto2-WM 2015 klagte Weltmeister Tito Rabat bei den ersten drei Rennen über mangelndes Gefühl für das Vorderrad mit dem 2015-Motorrad. Cortese spürte nichts dergleichen.

Jonas Folger auch nicht. Wir haben in der Moto2-WM natürlich eine andere Situation als im Vorjahr und somit liegen bei manchen Fahrern auch die Nerven ein bisschen blanker.
Und die verregneten Wintertests haben die Suche nach einer neuen Balance nicht gerade hilfreich gestaltet. Wir sind erst seit dem Jerez-GP in einer Situation, in der wir das Testen abgeschlossen haben.
Tito erklärte nach dem Test in Almeria Ende April, den er vor kurz Jerez gemacht hat, dass er durch das neue Set-up mehr Vertrauen zum Vorderreifen hat als im letzten Jahr. Somit wurde das Zeug zu früh über einen Kamm geschert. Natürlich hat die Situation, dass Johann Zarco mit de​m Vorjahresmodell der Kalex ganz vorne rumfährt, noch zusätzlich Benzin ins Feuer gegossen.
Das hat keinem gefallen, der ein 2015-Modell fährt.

Bei Zarco argwöhnten manche Gegner bei den Wintertests noch, er sei nur so schnell, weil er einen extrem hoch frisierten Testmotor verwende. Manche Gegner meinten, sobald die Einheitsmotoren zum Einsatz kommen, würde die Überlegenheit von Zarco im Sande verlaufen.

Es ist keiner mehr so blöd wie in den ersten Jahren, sich bei den Wintertests mit irgendwelchen Wundermotoren selbst zu betrügen. Zarco hat den Umstieg auf die Kalex reibungslos hingekriegt.

Schlägt dein Herz ein bisschen höher, wenn Jonas Folger gewinnt oder Sandro Cortese vorne dabei ist anstelle eines Spaniers? Geniesst man als deutscher Moto2-Fahrer bei Kalex einen Extra-Support? Oder könnt ihr ganz neutral sein?

Es ist schon immer mein Thema, neutral zu bleiben. Daran halten wir auch fest. Ich muss schauen, dass sich die Kunden gut betreut fühlen. Wer da gerade auf Kalex vorne fährt, ist mir völlig egal.

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