Carsten Freudenberg: «Das war ein Urknall für uns»

Von Esther Babel
Moto3

Seit vielen Jahren macht sich das Team von Michael und Carsten Freudenberg in der deutschen Nachwuchsarbeit besonders verdient. Sie erklären, weshalb Wildcard-Einsätze in der Weltmeisterschaft so wichtig sind.

2018 lag das internationale Hauptaugenmerk des Freudenberg-Teams auf der Supersport-300-WM, in der sie mit Luca Grünwald, Jan-Ole Jähnig und Max Kappler gleich drei Fahrer auf einer KTM RC390R in die Rennen schickten. Grünwald kämpfte bis zum letzten Lauf in Magny-Cours am vergangenen Wochenende um den WM-Titel und wurde schließlich mit zwei Punkten Rückstand auf Scott Deroue Gesamt-Vierter. Bei seinem Wildcard-Einsatz in der Moto3-WM auf dem Sachsenring wurde der Bayer 20.

In der IDM Supersport eroberte das Team mit Max Enderlein und Yamaha den Titel.

SPEEDWEEK.com sprach mit Carsten Freudenberg über die vielen Wildcard-Einsätze seines Teams im Rahmen der MotoGP-Weltmeisterschaft.

Carsten, ihr habt mit eurem Team Freudenberg schon zahlreiche Wildcard-Einsätze bewältigt. Früher in der 125er-Klasse, heute in der Moto3-WM. Was war euer größter Erfolg?

Wir haben schon einige Wildcard-Einsätze durchgeführt. Dieses Jahr müsste es Nummer 22 oder 23 am Sachsenring gewesen sein. Dazu kommen noch zahlreiche Einsätze in Brünn, Valencia, Assen. Überall waren wir mit einer Wildcard dabei und haben wirklich sehr sehr viel erlebt.

Zu den Highlights zählt unbestritten der achte Platz von Luca Grünwald vom Sachsenring, das müsste so 2012, 2013 gewesen sein. Das war der Wahnsinn. Auf den dritten Platz haben uns damals nur an die sechs Sekunden gefehlt. Dort war damals alles möglich und eine Riesensache. Auch mit der KTM 125 haben wir schon Punkte eingefahren. Mit Toni Finsterbusch waren wir mal Zwölfter, mit Daniel Kartheininger mal Zehnter.

Punkte einzufahren mit einer Wildcard waren immer wieder Highlights, so als Gaststarter und mit den begrenzten Mitteln, die einem da zur Verfügung stehen. Wir als sächsisches Team und dann am Sachsenring, davon haben wir immer auch profitiert.

Mit Tim Georgi habt ihr 2017 in Brünn im verregneten freien Training die Bestzeit geholt. Hat euch die damit einhergehende Aufmerksamkeit irgendwas gebracht?

Das hätte in dieser Form keiner erwartet, was Tim da abgeliefert hat. Wir sind da selber ziemlich überrascht worden. Auf dem Sachsenring hatten wir 2017 ja vorher auch noch eine Wildcard mit Tim. Da war es nicht so berauschend, da er da noch die Fußverletzung vom Training hatte. In Brünn dann das freie Training. Er war ja nicht nur Erster, er war richtig dominant. In der ersten Session hatte er teilweise zwei Sekunden Vorsprung vor dem Zweiten. Das war schon mega.

Uns hat das einen großen Social-Media-Erfolg gebracht. Das war wie ein Urknall. An dem Wochenende hatten wir auf unserer Seite 500 oder 600.000 Leute, die unsere Beiträge geteilt und das Geschehen verfolgt haben. Bei Facebook haben wir das am meisten gemerkt. Das Medien-Interesse war schon Wahnsinn. Die Leistung wurde zur Kenntnis genommen. Das kann man schon fast gleichsetzen mit dem achten Platz von Luca.

So eine Trainingssession als Wildcard-Fahrer mal auf Platz 1 abzuschließen, das hätten wir selber nicht für möglich gehalten und es war einfach eine Mega-Geschichte. Auch im zweiten Training hat er teilweise geführt. Dann hat er zwar einen Sturz hingelegt, aber im Regen war er sensationell unterwegs. Das Ganze hat uns natürlich geholfen. Für das Team und auch für unsere Sponsoren.

Was bringen Wildcard-Einsätze, außer dass sie viel Geld kosten und die Fahrer regelmäßig am Rande des Nervenzusammenbruchs unterwegs sind?

Ein Wildcard-Einsatz ist für einen Fahrer ein notwendiger Schritt. Wenn er zum Beispiel in der IDM alles gewinnt, dann braucht er eine neue Herausforderung und auch die Möglichkeit, mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen. Eine Wildcard setzt Maßstäbe für den Fahrer und er kann sein eigenes Limit besser einschätzen. Und sehen, was die Weltspitze besser macht. Er kann so sehen, wo er sich hinbewegen müsste und wo es noch fehlt. So ist es in jeder Sportart. Wenn man weiterkommen will, muss man sich an das nächste Level herantasten.

Natürlich sind Wildcard-Einsätze kostspielig. Doch man bekommt dafür auch einen sehr guten Gegenwert. Zum Beispiel in Form von Fahrerlager-Tickets, die man dann an Sponsoren weitergeben kann, um sie am Sachsenring mal zu einem Grand Prix einzuladen. So sind die Kosten über Sponsoren besser zu finanzieren, wenn sie für ihren Einsatz auch eine Karte bekommen können.

Die Medienwirksamkeit ist auch enorm, egal ob man im Mittelfeld und sogar wenn man ganz weit hinten rumfährt. Es ist immer so, dass die Wildcard-Fahrer eine hohe Medienaufmerksamkeit bekommen. Es ist ja oft so, dass in jeder Klasse zwei, drei und manchmal sogar nur ein Wildcard-Fahrer dabei ist.

Wie mit Luca Grünwald dieses Jahr. Dann sind Medien wie Eurosport oder SPEEDWEEK dabei und berichten ständig, sodass die Fahrer präsent sind. Das hilft immer.

Klar ist es brutal von der Leistungsdichte. Wenn du zwei Sekunden hinter der Weltspitze unterwegs bist. Das ist nicht viel, aber teilweise ist man damit auf dem letzten oder vorletzten Platz. Das ist echt frustrierend. Aber für einen Sportler ist es unheimlich wichtig und auch für das Team, das Limit zu sehen und sich daran zu orientieren. Was sind zwei Sekunden auf fünf Kilometer. Das sind in jeder Kurve ein paar Zehntel. Kein Fahrer ist um Welten weg, aber über die komplette Runde ist es dann eben so.

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