Pit Beirer (KTM): «Dann soll Honda daheim bleiben»

Von Günther Wiesinger
Moto3
Pit Beirer in Assen vor der Viñales-Box

Pit Beirer in Assen vor der Viñales-Box

KTM dominiert die Moto3-WM und beschlagnahmte bei allen Rennen 2013 die Podestplätze. Rennchef Pit Beirer ärgert sich über die Aussagen von Nakamoto.

Pit Beirer, Head of KTM Motorsports, besuchte zum zweiten Mal nach Jerez in diesem Jahr einen Moto3-WM-Lauf. Und er schmunzelt über die Bemerkungen von HRC-Vizepräsident Shuhei Nakamoto, der im Exklusiv-Interview mit SPEEDWEEK.com vor drei Wochen ein paar bemerkenswerte Äusserungen tätigte.

Nakamoto sagte, Honda habe null Interesse am Gewinn der Moto3-WM. Ausserdem solle Pit Beirer gefälligst nicht bei den technischen Vorschriften einmischen, er sei nämlich kein Techniker.

Der 194 cm grosse Heinz Kinigadner, 250-ccm-Motocross-Weltmeister 1984 und 1985, begleitete Pit Beirer zum Assen-GP. «Pit traut sich seit diesen Nakamoto-Aussagen nur noch in meiner Begleitung zu den Moto3-Rennen», grinste der hünenhafte Tiroler. «Er braucht einen Bodyguard.» Beirer grinsend: «Den Nakamoto suchen wir nämlich...»

Aber der Japaner liess sich beim Assen-GP nicht blicken.

Pit, Nakamoto hat dich quasi als technisch Ahnungslosen bezeichnet. Wie gehst du damit um?

Bitte richte dem Nakamoto einen schönen Gruss aus von mir. Er soll sich nicht über meine technischen Fähigkeiten den Kopf zerbrechen. Er soll lieber die technischen Fähigkeiten seiner Moto3-Ingenieure hinterfragen.

Nakamoto hat anscheinend auf Englisch Verständigungsprobleme. Dass Motoren mit einer Höchstdrehzahl von 13.500/min billiger zu erhalten sind als mit 14.000/min, das weiss ich auch. Aber mein Argument war ja, wir drehen im Motocross 15.000/min und im Rookies-Cup 13.500/min.

Und ich bin der Meinung, wenn wir vor 100.000 Zuschauern eine Show abliefern sollen mit Prototypen-Rennmaschinen, dann dürfen die in Gottes Namen 14.000/min drehen. Von mir aus sogar 15.000/min.Die Zuschauer kommen, um Spektakel zu sehen und um unterhalten zu werden. Sie kommen nicht, um irgendwelche langweilige Serienmotoren zu erleben.Nakamoto hat irgendwas falsch verstanden.

Wenn er technischen Background sucht, soll er zuerst mal daheim in Japan schauen, ob er die richtigen Ingenieure hat.

Nakamotos Argument: Die Moto3-WM soll eine Nachwuchsklasse sein und den Breitensport fördern, deshalb hat Honda ein Motorrad für 16.000 Euro gebaut. Die Kalex-KTM kostet 110.000 Euro. Dadurch sei die Moto3 teurer als die Moto2, beschwert er sich.

So wie wir den Rennsport verstehen: Die Dorna hat ein sehr strenges Reglement für die Moto3-WM auf den Tisch gelegt. Wir haben lange überlegt, ob wir es schaffen, zu diesen Bedingungen ordentlich einzusteigen. Wir haben bei KTM diese Herausforderung angenommen.

Honda hat die Regeln mitbeeinflusst und wahrscheinlich das Motorrad zwei Jahre vor uns fertig gehabt. Jetzt jammern sie, dass die andern so schnell sind.

Ich bin sehr froh, dass Mahindra einen so guten Job macht. Das beweist ja, dass wir hier ein ganz normales Racing betreiben.

Ich muss das Kompliment an Mahindra noch einmal unterstreichen. Die machen einen Superjob!

Wir fahren hier ganz normal Rennen.

Und die, die normalerweise für Hightech-Technik und Fortschritt pushen, heulen jetzt rum, weil sie auf einmal zu langsam sind.

Yamaha, Suzuki und Ducati haben auch nicht geheult, als Honda 2011 in der MotoGP-WM die «seamless gearbox» gebracht hat, die 0,2 sec bringt und für die die Kundenteams in der Saison 2012 rund 700.000 Euro zahlen sollten... hast du auf SPEEDWEEK.com gelesen, dass Honda null Interesse am Gewinn der Moto3-WM hat?

Der olympische Gedanke steht bei KTM nicht im Vordergrund, wenn wir an einer Weltmeisterschaft teilnehmen.

Und vor drei Jahren hat es bei Honda noch ganz anders getönt, als sie angekündigt haben, dass sie jetzt mit Pauken und Trompeten in die Moto3-WM einfallen werden.

Als Viñales und Fenati 2012 die ersten beiden Moto3-WM-Rennen gewannen, sah es nicht so aus, als hätte Honda null Interesse am Titelgewinn?

So ist es, ja. Und wenn sie kein Interesse haben, sollen sie einfach daheim bleiben und nicht schlecht über die Klasse reden.

Denn die Moto3 liefert nun mal den Nachwuchs für das restliche GP-Fahrerlager. Ich sehe auch eine Verantwortung bei Honda, bei der Nachwuchsförderung mitzuhelfen. Denn irgendwo müssen die MotoGP-Stars der Zukunft herkommen.

Für mich liest sich das jetzt eher so, als wenn du einem Kind im Sandkasten die Schaufel wegnimmst.

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