KTM-Teamchef Aki Ajo: «Habe Luis Salom unterschätzt»

Von Günther Wiesinger
Moto3
Luis Salom sei im November noch ein schwerer Fall gewesen, sagt Teamchef Ajo. «Aber jetzt ist er ruhig, clever, aggressiv und fair.»

Der finnische Moto-3-Teambesitzer Aki Ajo, Red Bull und KTM hätten Sandro Cortese letzten Sommer gerne eine weitere Saison in der kleinsten GP-Klasse schmackhaft gemacht.

Denn damals zeichnete sich kein Fahrer ab, der dem spanischen Ausnahmekönner Maverick Viñales im Falle eines Umstiegs auf eine Werks-KTM den Titel streitig machen könnte.

Doch Cortese informierte das Red-Bull-Ajo-KTM-Team im August 2012 beim Brünn-GP, dass er 2013 ins neue Intact-Moto2-Team wechseln werde.

Red Bull, KTM und Ajo einigten sich auf die Verpflichtung von Vizeweltmeister Luis Salom, der bei den Wintertests manchmal noch einen schweren Stand hatte gegen Maverick Viñales. Salom hatte den Ruf eines Notnagels.

Aber schliesslich siegte Salom gleich beim Auftakt in Doha, zuletzt siegte er in Mugello, Barcelona und Assen dreimal hintereinander. Er liegt jetzt in der WM mit 152 zu 142 Punkten vor Maverick Viñales.

Aki Ajo: «Wir lernen von den Fahrern»

«Ich habe festgestellt, dass sich Luis bei seiner Denkweise soo stark verbessert hat», weiss Ajo. «Seine Einstellung, seine Ruhe, da ist er gegenüber November kaum wiederzuerkennen. Vielleicht haben wir als Team auch etwas dazu beigetragen. Aber wir werfen uns da nicht in die Brust. Ich gebe lieber zu, dass wir auch von Luis etwas gelernt haben. Wir lernen von allen Fahrern. Wichtig ist dann man offen ist und ruhig. Man kann auch von jungen Piloten lernen. Auch wenn ich recht alt aussehe, so bin ich innerlich ziemlich jung...»

Ajo gewann die kleinste Klasse 2008 mit Mike di Meglio, 2010 mit Marc Márquez, 2012 mit Sandro Cortese.

Zählt Salom zu den aussergewöhnlichsten Piloten, die er je unter Vertrag hatte? «Die Fahrer lassen sich so schwierig vergleichen», hält der Finne fest. «Ich bin immer ehrlich. Und ich habe immer betont: Marc Márquez war etwas Besonders. Das wissen ja inzwischen alle. Ich hatte so viele gute Fahrer. Mike, Marc, Sandro, auch Johann Zarco, obwohl er den Titel 2011 verpasst hat. Jonas Folger ist 2011 auch ein guter Fahrer gewesen, obwohl er nicht solche Leistungen gebracht hat wie die andern drei oder vier.»

Teamchef Aki Ajo hatte vor Beginn der Zusammenarbeit mit Luis Salom gewisse Zweifel. «Ich dachte anfangs, uff, das wird verdammt harte Arbeit mit Luis. Wir soll ich diesen nervösen jungen Mann zur Ruhe bringen? Wie soll ich seine Einstellung ändern und ihm erklären, dass er den Leuten im Team Respekt entgegenbringt, dass er sich auf das Wichtigste konzentriert und keinen Unsinn quatscht? Aber er hat unglaubliche Arbeit geleistet. Klar, wir haben ihn unterstützt. Aber er hat einen unbändigen Ehrgeiz, er kann zu hören, er zeigt Respekt. Er ist ruhig geworden, und er ist wirklich clever.»

«Vor einem Jahr war ich noch gar nicht bereit, um den Titel zu fighten», räumt WM-Leader Luis Salom inzwischen offen ein.

Ajo: «Andere haben sogar Teamkollegen gerempelt»

Aki Ajo zeigte auch nach Saloms starker letzter Runde in Assen Anerkennung. Salom hatte eine halbe Sekunde auf Maverick Viñales aufgeholt und ihn in der Schikane innen überholt. «Da Luis jetzt ruhig bleibt, wusste er, dass diese halbe Sekunde Rückstand auf der Gegengeraden nicht zuviel ist. Er war sich bewusst, im Windschatten kann er sich ansaugen. Bei Luis geht es um eines – Ruhe, Ruhe, Ruhe. Dieser Kerl hat sehr viel Talent. Er ist sehr gut beim Attackieren in den Rennen, weil sein Können beim Bremsen aussergewöhnlich ist. Auch seine Fahrzeugkontrolle. Ich hatte auch in der Vergangenheit Fahrer, Márquez zum Beispiel, auch andere, die aggressiv waren. Erinnere dich, sie haben sogar Teamkollegen gerempelt... Luis fährt hingegen sehr sauber, sehr korrekt.»

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