Teamchef Stefan Kiefer am Tiefpunkt: Woran liegt es?

Von Günther Wiesinger
Moto3
Voe zwei Jahren wird Kiefer Racing mit Stefan Bradl Weltmeister. 2013 sind Alt und Finsterbusch noch punktelos. Es macht sich Enttäuschung und Ratlosigkeit breit.

Vor zwei Jahren reiste Kiefer Racing mit Stefan Bradl als Moto2-WM-Leader zum Sachsenring-GP. Bradl lag gegenüber Marc Márquez in der Tabelle mit 147 zu 95 Punkten in Führung. Seiher macht der deutsche Rennstall schwere Zeiten durch.

Im Vorjahr hatte Max Neukirchner als Bradl-Nachfolger in den sieben Rennen bis zum Heimrennen nur acht Rennen eingesammelt, er erschien als WM-21.

2013 kam es noch dicker. Kiefer Racing hat mit den Nachwuchsfahrern Florian «Flo» Alt (17) und Toni Finsterbusch (19) in sieben WM-Läufen noch keinen WM-Punkte eingeheimst.

Dabei hatte man dem hochtalentierten Florian Alt nach dem Gewinn der IDM 125 und des Red Bull Rookies-Cups mehr zugetraut als so manchem anderen deutschen Rookie in den letzten Jahren.

Wir haben Teambesitter Stefan Kiefer nach seiner Einschätzung der Lage gefragt.

Stefan, das hast dir im Winter sicher nicht ausgemalt – null Punkte vor dem Heimrennen?

Nein, das hätten wir nicht gedacht. Aber wir haben vor der Saison ganz klar kommuniziert, dass wir anfangs um Platz 20 fahren und ab Saisonmitte Richtung Punkteränge vordringen wollen.

Aber das haben wir bisher bei weitem nicht erreicht. Das ist enttäuschend.

Ich hätte im Winter nicht ausgeschlossen, dass wir bis zur Sommerpause keine Punkte haben. Klar, ich hätte es im Winter nicht gut gefunden.

Aber wir sind tendenziell, was die Platzierungen und die Rückstände angeht, viel zu weit hinten.

Woran liegt es? Bei Florian Alt wusste man im Herbst, dass er null Viertakterfahrung hat. Konkurrent Livio Loi durfte im November in Valencia fahren, in Aragón, in Albacate und in Almeria. Sein MarcVDS-Team hat einfach bei RW Racing eine Kalex-KTM gemietet. Alt sass daheim; solche Tests hätten ihm vor der Winterpause sicher gut getan.

Auf jeden Fall.

Bei Florian ist es mit Sicherheit so, dass er nicht genug Viertakt-Erfahrung hatte. Philipp Öttl ist 2012 schon eine ganze Saison in Spanien mit der Moto3 gefahren.

Florian hatte jetzt im Frühjahr wenig Testfahrten, er ist bei zwei Tests noch krank geworden. Das sind alles Punkte, die nicht für ihn sprechen. Auf der anderen Seite war er beim Jerez-GP im Rennen in seiner schnellsten Rennrunde nur noch 1,6 Sekunden hinter Salom, dem Schnellsten. Daran siehst du, dass er tendenziell das Zeug hat, mit diesem Fahrzeug ganz weit nach vorne zu fahren.Warum wir plötzlich wieder 4 Sekunden hinten dran sind, das weiss ich nicht. Ob es am Sturz von Le Mans und an der gebrochenen Hand liegt?

Wir arbeiten viel mit ihm. Ich denke, es ist eher eine Kopfsache. Über kurz oder lang wird er wieder rankommen. Da bin ich mir sicher.

Nach der letzten Saison wurde Als stärker eingeschätzt als Öttl, der in Spanien und im Rookies-Cup Gesamtvierter war. Aber in der WM ist Philipp bisher deutlich stärker. Er hat schon Punkte.

Zeitentechnisch waren Philipp Öttl und Florian Alt im Rookies-Cup nahezu identisch, auch wenn Phillip in der Gesamtwertung Vierter war. «Flo» hat insgesamt bessere Rennläufe gefahren, aber da war kein grosser Unterschied.

Wir arbeiten dran, dass Flo wieder näher an die Spitze kommt.

Dass wir so weit hinten rumfahren, das hätten wir nicht gedacht. Und das ist auch keine schöne Situation.

Alt und Finsterbusch sind inzwischen für die Moto3-Klasse ziemlich gross gewachsen.

Der Toni ist 179 Zentimeter gross, der Florian ist inzwischen grösser geworden als er. Insgesamt muss man sagen, dass die Rundenzeiten 2013 viel schneller geworden sind. Das sagte ja auch Aki Ajo über Sissis und Khairuddin.

Die Motorräder sind stärker und ausgeglichener geworden.

Der Toni geht diese Zeiten auch mit. Er ist in fast jedem Training und Rennen schneller als im letzten Jahr. Das Problem ist nur: Die Klasse ist dichter und stärker geworden.

Insgesamt ist Finsterbusch in seiner zweiten Saison eine Enttäuschung. Er bezeichnete seine Assen Darbietung selbst als «Katastrophe».

Toni hat gute Ansätze gezeigt, sprich in Barcelona, dort ist er dummerweise abgeschossen worden.

Er wird über kurz oder lang in die Punkte fahren können.

Aber seine Leistungen schwanken von Strecke zu Strecke? Er ist einmal Neunter, dann 31.?
(Er seufzt). Ja, keine Konstanz drin, das muss man schon sagen.

Bei dem Test in Jerez war er richtig gut, auf manchen Strecken ist er richtig schnell, dann auf anderen Strecken langsamer. Schwer zu sagen.

Florian Alt beklagt sich seit Monaten, dass er seine Kalex-KTM nicht auf der Linie halten kann.

Das ist richtig. Das sagt er. Das liegt weniger an dem Motorrad als am Fahrer, dass er halt mehr auf dem Motorrad arbeiten muss. Er muss wirklich gucken, dass er das Motorrad dazu bringt, dass es die Linie hält.

Der Toni kommt ja vergleichsweise besser zurecht. Oder ein Jonas Folger. Der zeigt ja auch, dass man mit diesem Motorrad unter die ersten fünf, sechs fahren kann.

Ich denke, dass im Package alle Motorräder relativ gleich sind. Man muss halt das Beste draus machen.

Es mag sein, dass unser Motorrad vom Handling her schwieriger zu fahren ist als so eine Honda. Dafür haben wir mehr Motorleistung. Darüber beklagt sich dann im Endeffekt auch keiner.

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