Die erste FTR-KTM fährt! Bald auch in der WM?

Von Jordi Gutiérrez
Moto3
In der Spanischen Meisterschaft ist erstmals ein KTM-Motor in einem FTR-Chassis aufgetaucht. Mark Keen baute bisher eigene KRP-Fahrwerke und erklärt, warum er ein womöglich zukunftsträchtiges Novum schuf.

Nächstes Jahr treten in der Moto3-WM 20 Piloten mit einem KTM-Motor an, entweder auf dem Kalex-Chassis oder dem KTM-eigenen Produkt. Nun ist aber in der Spanischen Meisterschaft (CEV) ein neues Motorrad aufgetaucht, das in Zukunft KTM-Motoren noch begehrter machen könnte. Beim CEV-Rennen in Valencia traten Wayne Ryan und Kyle Ryde auf FTR-KTM an!

Die beiden jungen Briten gehören wie Racing-Team-Germany-Fahrer John McPhee dem privaten Förderprogramm Racing Steps Foundation (RSF) an, in Spanien und bei den WM-Wildcardeinsätzen wurden bisher stets KRP-Honda eingesetzt. KRP steht für «Keen Race Preparation» von Mark Keen, der für die RSF die Technik verantwortet. Wir haben uns mit Keen unterhalten, wie ein KTM-Motor im britischen Chassis von FTR landen konnte.

Mark, ihr seit in der Spanischen Meisterschaft für die beiden letzten Rennen in Valencia und Jerez von KRP-Honda auf FTR-KTM umgestiegen. Wie kam es dazu?

Wir haben ja bisher unser eigenes KRP-Chassis mit einem Honda-Motor eingesetzt. Das Chassis hat ziemlich gut funktioniert, aber der Honda-Motor spielt nicht in derselben Liga wie KTM. Im Laufe des Jahres haben wir uns einen KTM-Motor genau angesehen um zu verstehen, was sie besser machen und wie wir den Honda-Motor besser machen könnten. Wir haben aber sofort gesehen, dass sich diese Motoren nicht auf dem gleichen Level bewegen. Danach war es klar, dass wir einen KTM-Motor einsetzen müssen. Aber wir hatten nicht mehr viel Zeit um zu reagieren, es war nur noch etwa einen Monat bis zum Saisonende.

Warum habt ihr den KTM-Motor nicht in eurer eigenes KRP-Chassis verpflanzt?

Es spielte auch eine Rolle, dass unsere Fahrer ein bisschen verloren waren im Feld, weil wir die einzigen mit diesem Chassis waren. Es gab keine Referenzpunkte. Es war deutlich zu sehen, dass das FTR-Chassis sehr gut funktioniert. Dann habe ich Mark Taylor von FTR kontaktiert, er wohnt nur 25 Minuten von mir entfernt. Ich habe ihm gesagt, ‹schau, ich habe ein Motor von KTM, ich bin interessiert, ihn in ein FTR-Chassis zu bauen›.
Er war sehr interessiert, obwohl er sehr mit dem M1-Yamaha-Projekt von Forward Racing beschäftigt war. Es war nicht viel Zeit vorhanden. Wir haben deshalb das Ganze sehr schnell durchgezogen. Wir haben das Motorrad an der Rennstrecke in Valencia fertig aufgebaut. Wir haben viele Teile von den Grand-Prix-Teams erhalten und haben dann von Montag bis Freitag alles zusammengeschraubt. Das Chassis selber haben wir am späten Sonntagabend nach dem GP bekommen. Dann mussten wir viele kleine Halterungen produzieren, damit auch alles zusammenpasste. Es gab viel zu erledigen, um am Freitagmorgen erstmals das Training fahren zu können. Für eine Testfahrt war logischerweise keine Zeit.

Das FTR-Fahrwerk gilt als einwandfrei, der KTM-Motor ist fast konkurrenzlos. Habt ihr den Stein des Weisen gefunden?

Wir haben damit quasi einen Traum verwirklicht, etwas, was sich viele Leute wünschten. Aber es war nicht der Volltreffer auf Anhieb, wie wir uns das gedacht haben. Die Gewichtsverteilung zwischen den beiden Motoren ist ziemlich verschieden. Honda hat mehr Gewicht gegen das Heck, KTM mehr an der Front. Nun müssen wir die Dynamik auf der Strecke verstehen und wie das Chassis arbeitet. Ein Rennwochenende ist nicht ideal dafür. Denn wir sind in den Trainings zeitlich sehr limitiert, und man will auch nicht grosse Experimente machen, die bei einem Test völlig normal wären. Radikale Dinge wie zum Beispiel Steuerkopfwinkeländerungen, womit man die richtige Richtung herausfinden könnte, sind nicht möglich. In Valencia war die Balance nicht so schlecht. Aber wir sind weit weg von einer perfekten Einstellung, es gibt sehr, sehr, sehr viel Potential in diesem Motorrad.

Dieses Wochenende findet in Jerez das CEV-Finale statt. Was ist da noch möglich?

Hoffentlich können wir hier in Jerez die Balance ein bisschen besser verstehen und ein bisschen an der Abstimmung arbeiten. Der Renntag in Valencia war ein grosses Desaster für uns (Anm.: nur eine Zielankunft in zwei Läufen mit zwei Fahrern). Wir haben dreieinhalb Wochen vor dem Rennen einen Service-Kit für unsere drei Motoren bestellt. Aber sie wurden nicht rechtzeitig vor dem ersten Renntag geliefert. Danach war es unmöglich, die Motoren an der Strecke zu warten.
Wir wussten, dass wir damit ein Risiko eingehen. Aber viele Leute haben gesagt, dass es gehen sollte, dass die Motoren 2000 km laufen sollten ohne Service. aber leider traten bei 1700 km Probleme auf, der Renntag war weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber ich hoffe, dass wir in Jerez einen weiteren Schritt vorwärts machen, denn in Valencia waren wir vom Tempo her nicht so weit weg (Anm.: Startplätze 17 und 20 bei 55 Fahrern in der Qualifikation).
In Jerez sind unsere drei Motoren frisch gewartet, alle entsprechenden Teile wurden ersetzt. Dazu kommt auch, dass unsere Fahrer noch nie ein FTR-Chassis gefahren sind. Das müssen sie auch lernen. Es ist ein anderes Fahrgefühl als das, was sie bisher gekannt haben.

Unterscheidet sich die FTR-KTM ausser beim Motor sonst noch in einem Bereich von den FTR-Honda?

Alles ist identisch mit dem FTR-Chassis für Honda, selbe Schwinge, selber Tank, selbe Verkleidung. Das Chassis wurde nur modifiziert, um den Motor einbauen zu können. Vielleicht werden wir im Winter einige Verbesserungen machen, jetzt ist es nur ein Prototyp. Dann haben wir mehr Zeit. Vor Valencia haben wir für das Projekt weniger als vier Wochen Zeit gehabt. Es war wirklich sehr knapp.

Es steht also bereits fest, dass ihr 2014 in der Spanischen Meisterschaft und bei Wildcard-Rennen wie beim Silverstone-GP mit FTR-KTM auftreten werdet?

Unsere Absicht ist es auf jeden Fall, nächstes Jahr mit FTR-KTM weiter zu machen. Wir wollen die Partnerschaft mit FTR beibehalten. Die Spanische Meisterschaft ist auf hohem Niveau, es gibt viel gutes Material im Feld. Wir denken, dass diese Kombination eine der besten überhaupt werden kann. Ich weiss es zwar nicht, aber ich wäre sehr überrascht, wenn Mark Taylor nicht schon diverse Anfragen bekommen hätte.
Denn viele Teams fahren mit FTR-Honda. Sie sind mit dem Chassis sehr zufrieden, aber über die mangelnde Leistung von Honda frustriert. Die neue Kombination könnte für sie eine Lösung sein. Klar, Honda wird sich für 2014 verbessern, aber nur für die fünf Werksfahrer in der WM. Das hilft in der CEV niemandem. Man kann versuchen, den Honda-Motor selber zu verbessern, aber ich denke, es ist schwierig, das Niveau von KTM ohne eine Revolution zu erreichen, also ohne neue Teile wie einen Zylinderkopf und vielen anderen neuen Teilen. Ich bin sicher, dass Mark einige Anfragen bekommen wird.

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