Red Bull-KTM: Wer wird Nachfolger von Jack Miller?

Von Günther Wiesinger
Moto3
Jack Miller steigt am Jahresende in die Moto2-WM auf. KTM steht vor einem Dilemma. Denn es drängt sich kein neuer Siegfahrer auf. Fahrer wie Kornfeil, Isaac Viñales, Antonelli oder Oliveira stehen zur Diskussion.

Bei der Dutch-TT in Assen ist für KTM eine Ära zu Ende gegangen. Erstmals in der seit 2012 stattfindenden Moto3-Weltmeisterschaft kam keine KTM unter die ersten drei.

Und obwohl in der WM die KTM-Fahrer Jack Miller und Romano Fenati in Führung liegen, haben die Honda-Asse stark aufgeholt: Alex Márquez gewann die letzten zwei Rennen in Catalunya und Assen; in den Niederlanden sorgte Alex Rins sogar für den Doppelsieg der Honda NSF250R.

KTM wurde nach den Titelgewinnen von Sandro Cortese (2012) und Maverick Viñales (2013) in die Rolle des Massenherstellers gedrängt.
Sieben Kalex-Bikes treten in der WM 2014 an, dazu zwei Husqvarna und neun Werks-KTM. Insgesamt wurden 2014 nicht weniger als 150 Moto3-250-ccm-Einzylinder-Viertaktmotoren gebaut.

In der WM sind also total 18 Moto3-Motorräder mit Motoren aus Munderfing vertreten.

«Die Dorna hat für ihre Zwecke mit dem neuen Reglement ganze Arbeit geleistet», sagt Pit Beirer, Head of Motorsport bei KTM. «Es gibt spannende Rennen und knappe Zeitabstände. Die Dorna hat alles richtig gemacht. Aber für uns als Massenhersteller wird es zunehmend schwieriger, als Meisterschaftsführender irgendwelche Vorteile rauszuschlagen.»

Moto3-WM: Wer kann 2015 Sieganwärter sien?

Das nächste Problem: Nach jedem Jahr muss KTM ein neuen Titelanwärter für das Red Bull-Werksteam von Aki Ajo suchen. Denn die Champions steigen in die Moto2 auf, Luis Salom ist als Vizeweltmeister aufgestiegen, Jack Miller wird ebenfalls die Klasse wechseln, selbst wenn der den Titel verpasst.

«Die Fahrerwahl für 2015 wird wieder ein schwieriges Thema, denn die anderen guten Fahrer sind zum Teil in guten KTM-Teams verteilt», weiss Beirer. «Es bringt uns wenig, diese dort aus ihrem gewohnten Umfeld rauszureissen. Und was die ganz jungen Fahrer für die WM betrifft, da wollen wir uns noch etwas Zeit nehmen.»

Bei den guten Fahrern denkt Beirer wohl an Kornfeil, Isaac Viñales und Antonelli, bei den ganz jungen vielleicht an Enea Bastianini, der mit 16 Jahren in Barcelona schon auf Platz 2 landete. Auch Fahrer aus der Spanischen Meisterschaft rücken ins Blickfeld, Jorge Navarro oder Gabriel Rodrigo zum Beispiel. Den französischen Überflieger Fabio Quartararo (15) hat sich längst Honda unter den Nagel gerissen.

Beirer: «Den hat sich Emilio Alzamora sehr früh gesichert. Da waren wir zu langsam...»

Bei Red Bull-KTM muss auf jeden Fall ein Ersatz für Miller gesucht werden. «Aber wir vertrauen da voll auf Teamchef Aki Ajo. Er hat bisher immer das richtige Händchen gehabt und immer wieder geeignete Titelanwärter engagiert», meint Beirer.

Kann Karel Hanika 2015 schon ein Titelanwärter werden? «Nein, das dürfen wir im zweiten WM-Jahr von ihm nicht erwarten», meint Beirer. «Unser Wunsch ist es, dass so ein Rookie wie Karel, bei dem das ganze Umfeld stimmt, spätestens in der zweiten oder dritten WM-Saison wirklich vorne dabei ist. Es wäre zu viel verlangt, wenn wir vom Rookies-Cup-Sieger im Jahr darauf in der WM Plätze unter den ersten drei erwarten. Das ist nicht machbar. Wir müssen die Talente in Ruhe entwickeln. Wir sind dank unserer vielen KTM-Teams schon an der Quelle; deshalb haben wir so viele gute KTM-Fahrer im Haus.»

Beirer weiter: «Ende 2013 war klar, dass Rins und Márquez 2014 in der Moto3 die stärksten Fahrer sein werden. Um Miller nach seinem siebten WM-Rang auf diesem Level zu sehen, so dass er diese Asse richtig herausfordert, dazu hast du schon viel Phantasie gebraucht. Für 2015 werden wir uns jetzt noch ein bisschen Zeit lassen bei der Suche nach dem Miller-Nachfolger. Wir wollen die Entscheidung nicht zu früh treffen.»

«Was die Talente für die Zukunft betrifft, können wir eigentlich nur in den Rookies-Cup und in die Spanische Meisterschaft schauen. Aber es wird kein Fahrer 2015 um den WM-Titel fahren, der nicht jetzt schon Top-Ten-Platzierungen rausholt. Es taucht zwar alle 20 Jahre ein Jahrhunderttalent auf, das einen Durchmarsch macht. Im Motocross hatten wir eines mit Ken Roczen, dem mit 15 Jahren so ein Durchmarch gelungen ist. In den 15 Jahren davon haben wir kein solches Talent gesehen. Genau so ist es hier in der Moto3. Also werden nächstes Jahr jene Fahrer die Matchwinner sein, die jetzt hinter den Top-3 in den Top-5 mitfahren. Die ersten drei werden ja in die Moto2-WM aufsteigen, schätze ich. Es gibt keinen nathlosen Üergang von den nationalen Meisterschaften an die WM-Spitze, das haben wir vor zehn Jahren schon bei Bradl und Ranseder gesehen. Man muss zwei Schienen fahren. Du musst einen Matchwinner suchen und gleichzeitig mit sehr jungen Fahrern arbeiten, ihnen musst zu dann Zeit geben.»

Beim KTM-Team von Jorge Martinez ist zum Beispiel Miguel Oliveira ein Thema, der in Assen auf der Mahindra Dritter war. Beirer: «Ja, Oliveira wird schon seit drei Jahren als Talent gehandelt. Er hat bei uns schon im November 2011 einen unterschriebenen Vorvertrag missachtet... Und die Art des Managements in seiner Familie hat sich immer noch nicht geändert. denn im letzten Herbst haben sie einen unterschriebenen Mahindra-Vertrag gehabt und wollten dann zu uns. Wir hätten ihn aus sportlichen Gründen auch gern haben wollen, haben aber dann aus Respekt zu Mahindra gesagt: Nein, das machen wir nicht. Wir wollten uns nicht an diesem Sumpf beteiligen und Fahrer, die einen unterschriebenen Vertrag haben, zu uns rüber zu reissen.»

Wie stark sich Husqvarna nächstes Jahr in der Moto3-WM aufstellen wird, ist noch ungewiss. Vier statt zwei Fahrer sind vorstellbar.
«Im Ajo-Team würde es Sinn machen, mit Niklas Ajo weiter zu fahren. Er hat sich gesteigert und passt durch seine skandinavische Herkunft ausgezeichnet zur Marke», meint Beirer. Und bei Danny Kent? «bei ihm hätten wir gern bei den ersten acht rennen bessere Resultate gesehen», sagt der KTM-Motorsportchef. «Dass er es kann, steht ausser Frage. Aber momentan gelingt es uns nicht, sein Potenzial aus ihm rauszukitzeln.»

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