Brad Binder: «Ich wusste, dass ich siegen kann»

Von Sharleena Wirsing
Moto3
In Jerez demoralisierte Brad Binder die Konkurrenz mit einer überragenden Aufholjagd vom letzten Startplatz bis an die Spitze. Nun verriet er, warum er schon vor dem Rennen an seinen Sieg glaubte.

Brad Binder aus dem Team Red Bull KTM Ajo zeigte beim Grand Prix von Jerez eine außergewöhnliche Leistung. Obwohl er wegen eines nicht homologierten Mappings auf den 35. und letzten Startplatz strafversetzt wurde, feierte er in Jerez seinen ersten GP-Sieg. Der Südafrikaner pflügte unaufhaltsam durch das Feld und übernahm in Runde 18 erstmals die Führung. Nach einer spektakulären Aufholjagd überquerte der 20-Jährige aus Potchefstroom die Ziellinie mit 3,3 sec Vorsprung auf Nicolò Bulega.

Hättest du dir je vorstellen können, dass du deinen ersten GP-Sieg vom letzten Startplatz aus einfahren wirst?

Ich hatte mir vorgestellt, dass mein erster Sieg schwer zu erreichen sein wird, aber ich dachte nicht, dass ich dabei vom letzten Platz losfahren werde. Ich wusste, dass ich die Chance hatte, denn ich war das gesamte Wochenende schon sehr stark, aber es auch wirklich zu schaffen, war unglaublich.

Was ging dir durch den Kopf, als du die Ziellinie überquert hast?

Erst war es schwer zu glauben. Nicht nur, weil es mein erster Sieg war, sondern auch wegen der Art und Weise, wie ich ihn erreicht habe. Als ich zum Parc Fermé kam, dachte ich daran, mit meiner Familie zu feiern. Ich muss meiner Familie und auch Red Bull KTM Ajo und Aki Ajo danken. Es war wirklich sehr schön, dass in Jerez auch meine Eltern bei mir sein konnten. Ich kann es nicht in Worte fassen, wie dankbar ich ihnen für ihren Einsatz bin. Sie haben mir das ermöglicht. Das ist unglaublich.

Welche Position hast du vor Rennbeginn vom letzten Startplatz aus für möglich gehalten?

Obwohl die Leute vielleicht nicht an unsere Chance geglaubt haben, muss ich sagen, dass ich mir selbst sehr sicher war und wusste, dass ich das Rennen gewinnen kann. Das gesamte Wochenende über hatten wir einen großartigen Job gemacht udn waren in jeder Session außer dem FP1 und dem Qualifying Schnellster. Wir hatten eine großartige Pace. In der Nacht vor dem Rennen konnte ich nur drei Stunden schlafen, weil ich so nervös war, weil ich vielleicht um meinen ersten Sieg kämpfen kann. Nach dem Warm-up und der Strafe wurde alles komplizierter, aber wir wussten, dass wir es schaffen können. Wir waren vorbereitet.

Was bedeutet es dir, der erste südafrikanische GP-Sieger nach 35 Jahren zu sein?

Es war ein großartiger Tag für mich, darüber bin ich sehr glücklich. Nicht nur für mich, sondern auch für mein Team, aber ich hoffe, dass es auch ein großartiger Tag für mein Land war. Ich erhalte viel Unterstützung von dort, obwohl es lang dauerte, den ersten Sieg zu holen, war er spektakulär.

Wie verlief die schwierige Anfangsphase des Rennens?

Ich bereitete mich schon in der Aufwärmrunde vor, wo ich mir ansah, wie ich die erste Runde fahren würde. Das war sehr wichtig. Am Ende hatte ich aber keinen großartigen Start, doch ich pushte so hart ich konnte. Die ersten drei Runden waren sehr schwierig, aber ich hatte viel Spaß. Die Pace war langsam, alle 25 Fahrer schienen unterschiedliche Linien zu fahren. Mein Bruder hätte mich beinahe zu Sturz gebracht. [Lacht] Ich hatte Glück, dass das Bremsen eine der Stärken der KTM ist. Das half mir sehr, damit ich schnell zur Verfolgergruppe aufschließen konnte.

Hast du dir zu irgendeinem Zeitpunkt darüber Gedanken gemacht, dass ein Platz in der zweiten Gruppe für diese Umstände ein gutes Ergebnis wäre?

Mir fiel es schwer, dieser Gruppe zu entkommen, doch meine Pace war schneller und konstanter. Zudem sah ich, dass die drei Fahrer an der Spitze wegzogen. Also dachte ich nicht weiter nach und pushte. Ich verkleinerte den Rückstand nach und nach. So holte ich sie ein.

Wann war dir klar, dass du den Sieg holen kannst?

Als ich in der Führungsgruppe war, brauchte ich ein paar Runden, um meine drei Gegner zu analysieren. Als ich aber meine Teammitglieder aufgeregt an der Boxenmauer sah und meine Rundenzeiten, wusste ich, dass ich eine halbe Sekunde schneller sein konnte. Fünf Runden vor Schluss entschied ich mich zur Flucht nach vorne.

Hattest du keine Angst, zu patzen und die exzellente Arbeit zunichtezumachen?

Als ich die Führungsgruppe einholte, war es Zeit sicherzustellen, dass ich keine dummen Sachen mache und das Limit überschreite. Das war klar. Doch ich wusste, dass ich nur 80 Prozent gebe und noch mehr in der Hinterhand habe. Es ging nicht darum, ein Risiko auf mich zu nehmen. Es ging darum, hundert Prozent zu geben.

Das Rennen war langsamer als in den letzten Jahren. Warum war das der Fall?

Es lag wahrscheinlich daran, dass die Reifen schneller abbauten. Nach den ersten vier Runden war mein Hinterreifen bereits verschlissen, aber er hielt diesen Zustand im weiteren Verlauf aufrecht. Ich hätte nach dem Rennen noch zehn weitere Runden mit ihm drehen können.

Du hast nun einen Sieg erzielt und bist WM-Leader. Wie sieht dein Plan für den Rest der Saison aus?

Das gesamte Team Red Bull KTM Ajo macht einen großartigen Job. Das Team stattet mich mit einem Bike aus, das sehr gut funktioniert. Der erste Sieg hat eine Last von meinen Schultern genommen, denn er war schwer zu erreichen. Nun hoffe ich, dass bald noch weitere folgen. In dieser Saison liegt noch viel vor uns, deshalb müssen wir so weitermachen.

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