Pol Espargaró (KTM/11.): «Auch Stürze sind lehrreich»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Die Hoffnungen des Red Bull KTM-Teams ruhen auch beim Silverstone-GP in erster Linie auf Pol Espargaró (26). Ein Sturz im Qualifying vermasselte ihm womöglich einen Top-6-Platz.

Pol Espargaró klemmte sich im Qualifying 2 der MotoGP-Klasse mit seiner Red Bull-KTM RC16 hinter den großartig disponierten Marc Márquez und war unterwegs zu einer kleinen Heldentat, aber er überstand den letzten Sektor nicht heil auf zwei Rädern und musste sich deshalb mit dem neunen Startplatz zufrieden geben.

Was ist bei diesem Sturz passiert?

«Ich war nach dem ersten Run an siebter Stelle, das war schon recht anständig. Also wolle ich im zweiten Run etwas riskieren... Ich wollte das Limit suchen und finden. Als ich aus der Box losfuhr, ich weiß jetzt nicht, ob das gut oder schlecht war für mich, jedenfalls habe ich plötzlich Márquez vor mir erblickt. Ich dachte: Also versuchen wir, ihm nachzufahren. Ich wusste, er kann eine 1:59-min-Runde fahren. Im letzten Sektor hat er mächtig gepusht. Ich war auch am Limit. Ich wusste, es wir nicht einfach an ihm dranzubleiben, weil wir im zweiten Sektor immer etwas Mühe hatten. Ich wollte also wirklich an ihm drankleben. Es war etwas holprig, außerdem hatte der Vorderreifen nicht die optimale Temperatur, denn wir haben nur den Hinterreifen getauscht, der war aufgeheizt, der Vorderreifen etwas abgekühlt. Denn es war die out-lap, die erste Runde nach dem Verlassen der Box. Es war mein Fehler, ich habe es in der out-lap übertrieben, weil ich an Marc dranbleiben wollte. ich hatte dann noch eine Runde, und da wollte ich eine 2:00-min-Runde vorlegen. Meine Ambitionen waren heute zu hoch...»

Welches Q2-Ergebnis wäre machbar gewesen? «Es ist unsinnig, jetzt darüber zu spekulieren. Denn ich könnte behaupten, ich hätte 2:00,6 oder 2:00,7 oder 2:00,9 min geschafft. Aber ich konnte den Beweis nicht erbringen. Es wäre interessant gewesen, die Runde zu Ende zu bringen, nur für mich selbst, um zu verstehen, wo ist unser Limit? Wozu bin ich fähig? Aber es gelang nicht. Ich bin auf 2:01,3 min sitzen geblieben. Das war alles, was ich vorweisen kann.»

«Wir haben nicht viele Teile getauscht, nur Kleinigkeiten, wir haben beim Power-Management leichte Fortschritte gemacht und beim Set-up für die Traction-Control. Auch beim Chassis und der Gabel haben wir Veränderungen gemacht», schilderte Pol. «Wir machen Änderungen, die sehr klein ausschauen, aber wenn wir zurückblicken, sind die Auswirkungen insgesamt beachtlich. Das ist super interessant. Wir haben uns massiv verbessert. Ich habe jetzt mehr Vertrauen zum Bike, viel mehr. Mit jedem Crash lerne ich dazu. Mit jeder Runde am Limit werde ich schlauer. Nicht nur das Bike ist besser geworden, auch ich als Fahrer. Ich habe meinen Fahrstil grob verändert. Du kannst ja das Motorrad nicht allein fahren lassen. Du musst jemanden im Sattel haben, der das Motorrad beherrscht und dirigiert. Heute bin ich gestürzt, aber ich habe über das Motorrad dazugelernt, ich bin näher ans Limit herangekommen. Crashes sind Teil des Jobs.»

Im Katar-Qualifying lagen Pol Espargaró und Bradley Smith im März auf dem letzten und vorletzten Platz. Hat er damals damit gerechnet, bis zum zwölften Saisonrennen dauernd um Top-Ten-Plätze zu fighten und dreimal ins Q2 vorzustoßen?

«Nein, wenn ich ehrlich bin», entgegnet Pol, der Moto2-Weltmeister von 2013. «Nach dem Sturz bin ich heute sehr zerknirscht und wütend im Truck hinter der Box gesessen. Meine Freundin fragte: ‚Warum bist du sauer?’ Ich habe geantwortet: ‚Ich hätte besser abschneiden können als auf Platz 11.’ Sie meinte: ‚Pol, gib dir einen Ruck. Schau' mal sechs Rennen zurück. Damals warst du eine Sekunde vor dem Letzten!’ Und sie hat Recht. Aber wir sind Menschen, wir kriegen nie genug und wir sind nie zufrieden. Sogar Marc war heute mit seiner Bestzeit nicht zufrieden, er beklagte sich über Fehler. Man macht sich immer Gedanken, wie man sich verbessern kann. Anders geht es gar nicht in diesem Sport. Ja, ich stimme zu. Der Unterschied zwischen dem Saisonstart und jetzt ist riesig. Wir sind besser als manche Kundenteams. Ich denke, wir können wieder um die Top-Ten fighten.»

Pol Espargaró wird mit dem harten Hinterreifen im Rennen fahren. «Wir haben alle Reifen probiert. Wir haben eine klare Idee zum Vorderreifen, hinten nehmen wir den harten Compound. Diese Wahl werden de meisten Fahrer nehmen, Mit dem weichen Hinterreifen spüre ich hinten schon nach fünf Runden viel Bewegung, das Bike wird unbeherrschbar. Mit dem harten Hinterreifen kommt der Dop erst nach zehn Runden, das Motorrad wackelt dann heftig, da müssen wir noch besser werden. Aber die Reifenwahl war in diesem Jahr noch nie so leicht wie hier.»

Pol ist der Ansicht, er müsse zu Beginn des Rennens viel riskieren.

«Der Start wird bedeutend sein. Der elfte Startlatz wird nützlich sein. Hoffentlich raschen die Topfahrer nicht gleich davon. In den ersten Runden werden wir ein bisschen mehr riskieren wie die Toppiloten. Ich möchte ihnen auf den Fersen bleiben. Die ersten sechs, sieben Runden werden der Schlüssel zum Rennen sein. Sobald wir die ersten sieben Runden mit dem vollen Tank überstanden habe, wird das Rennen viel einfacher. Die Zeit, die du in den ersten sechs, sieben Runden verlierst, kannst du nie mehr wettmachen. Deshalb werde ich anfangs viel riskieren. Silverstone ist nett. Die Piste ist holprig, aber sie unterhaltsam und abwechslungsreich. Und die Fans kommen bei jedem Wetter.»

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