Unfassbar: Jonas Folger fährt 2018 kein Rennen

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Jonas Folger musste wegen einer mysteriösen bakteriellen Infektion 2017 auf die letzten vier Rennen verzichten. Jetzt steht fest: Er kann auch 2018 kein Rennen fahren.

Eine Woche vor dem ersten Sepang-MotoGP-Test ereilte das Tech3-Yamaha-Team von Hervé Poncharal eine Hiobsbotschaft.

Jonas Folger (24) hat sich entschieden, in der Saison 2018 nicht an der MotoGP-Weltmeisterschaft teilzunehmen. Beim Bayer war im November das Gilbert-Syndrom diagnostiziert worden.

Beim Japan-GP war zuerst von Folger kommuniziert worden, er leide am Pfeifferschen Drüsenfieber und am Epstein-Barr-Virus.

Folger war schon im Alter von zehn Jahren in der Minibike-Zeit erstmals wegen einer rätselhaften Krankheit zusammengebrochen, dann auch 2011 vor dem 125-ccm-GP in Brünn. Auch später kam es immer wieder zu Schwächeanfällen und rätselhaften Formschwankungen. Doch die Krankheit wurde jahrelang vertuscht.

Aber in der anspruchsvollen MotoGP-Klasse trat die Krankheit bereits beim Spielberg-GP im August sehr deutlich zutage, dann in England und in Aragón, ehe Folger in Japan zwei Tage lang nicht einmal aus dem Bett kam. «Jonas sah aus wie ein Geist», sagte Teamchef Poncharal vor dem Trainingsstart in Japan.

Danach wurde wochenlang absolute Ruhe und Schonung verordnet.

Folger hatte zuletzt alle Interview-Wünsche abgelehnt und versichert, er stehe seit Weihnachten wieder voll im Training.

Jetzt teilte der WM-Zehnte von 2017 mit, dass er sich im Moment noch nicht völlig gesund fühle, körperlich und mental.

Und da er gegenüber sich selbst und dem Team ehrlich sein wollte, traf er die schwierige Entscheidung, die Genesungszeit fortzusetzen und sich ohne Druck um das Gesundwerden zu kümmern.

«Ich bin unglaublich traurig, weil ich das jetzt sagen muss», erklärte Folger. «Aber ich werde 2018 keine MotoGP-Rennen bestreiten. Es ist mir nicht gelungen, jene Fortschritte zu machen, auf die ich gehofft habe. Momentan fühle ich mich noch nicht in der Lage, mit einer MotoGPMaschine mit 100-prozentigem Einsatz zu fahren.»

Folger bedankte sich bei seinen Sponsoren von Yamaha bis HJC, von IXON bis zu Rudy Project für das Verständnis. «Ich hoffe, dass ich eines Tages zurückkommen kann», kündigte der fünffache GP-Sieger an.

«Gestern am Dienstagabend habe ich einen Anruf von Jonas' Manager Bob Moore erhalten», schildert Hervé Poncharal in einem offiziellen Tech3-Yamaha-Press Release. «Ich konnte nicht glauben, was mir Bob geschildert hat. Er sagte mir, dass Jonas 2018 kein Rennen bestreiten kann, weil er sich körperlich und geistig noch nicht 100 Prozent auf der Höhe fühlt. Ich kann das immer noch nicht wahrhaben... Besonders deshalb, weil Jonas jemand ist, in den ich so viele Vertrauen hatte. Ich war überzeugt, dass er 2018 wieder sein Topniveau erreichen würde. Aber ich akzeptiere seine Entscheidung vollständig, auch wenn sie schwer zu verdauen und zu schlucken ist.»

Bei Tech3-Yamaha war Folger bei den letzten vier Grand Prix durch Kouta Nozane, Broc Parkes und Michael van der Mark ersetzt worden, keiner holte einen WM-Punkt.

Deshalb macht sich bei Hervé Poncharal jetzt Niedergeschlagenheit breit. «Wir müssen jetzt eine Ersatzfahrer-Lösung finden», sagt der Franzose. «Das ist eine sehr mühsame Aufgabe, denn alle schnellen Piloten sind unter Vertrag. Aber wie immer im Rennsport dürfen wir den Kopf nicht hängen lassen, wir müssen das Beste aus der Situation machen und erfindungsreich sein. Hoffentlich gelingt es uns, jetzt einen Fahrer sehr glücklich zu machen. Wir werden alle Fans über die Entwicklung der nächsten Tage auf dem Laufenden halten.»

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