MotoGP

Marc VDS und Michael Bartholemy gehen getrennte Wege

Von - 06.06.2018 18:10

Wochenlang wurde gestritten, was das Zeug hielt. Heute trennten sich Marc VDS-Teambesitzer und sein langjähriger Teammanager Michael Bartholemy. Ganz einvernehmlich.

Vor rund fünf Wochen ist das tiefe Zerwürfnis zwischen dem belgischen Teambesitzer und Bier-Milliardär Marc van der Straten (70) und seinem langjährigen Teammanager Michael Bartholemy (49) zutage getreten.

Seither wurde um eine Lösung gestritten.

Vor dem Le-Mans-GP wurde die Zusammenarbeit mit Bartholemy fristlos gekündigt. Der Belgier wollte die Kündigung aber nicht widerspruchslos hinnehmen. Er sagte, die Vorwürfe seien haltlos, es gebe keine Beweise für finanzielle Unregelmäßigkeiten, er habe keinen Fehler gemacht.

Die von Bartholemy entlassene Teamkoordinatorin Marina Rossi soll Marc VDS ein belastendes Dossier übergeben haben, war beim Jerez-GP zu hören.

Aber Bartholemy hat zwei der vier Marc VDS-Fahrerverträge (für Mir, Márquez) mit seiner Schweizer Firma MM Performance & Racing AG, Obstmarkt 1, CH-9100 Herisau, gemacht; er hat sich die beiden Moto2-Startplätze gesichert und auch die Leasingverträge mit HRC für die MotoGP-Bikes von Morbidelli und Lüthi abgeschlossen.

Marc VDS war der Ansicht, er seit der rechtmäßige Eigentümer aller Aktivposten. Denn er sei immer für das Budget gerade gestanden. Von 14,5 Millionen Euro Jahresbudget für beide Klassen war die Rede, Marc VDS zahlte 4 Millionen im Jahr, die Dorna fast 6 Millionen.

Ganz makellos scheint aber die Tätigkeit von Bartholemy bei Marc VDS seit 2010 nicht abgelaufen zu sein, sonst hätte Marc VDS beim Gericht in Karlsruhe nicht eine Einstweilige Verfügung erwirken können, die Bartholemy für den GP von Frankreich den Zutritt zu den Boxen untersagte. Ein Zuwiderhandeln hätte eine Geldstrafe bis zu 250.000 Euro zur Folge gehabt.

Bartholemy selbst schrieb dann in einem Statement, es gehe um einen Betrag von 10 bis 15 Millionen Euro.

Marc VDS und Bartholemy lieferten sich in unterschiedlichen Statements einen Schlagabtausch. Hinter den Kulissen suchten die Rechtsanwälte nach einem Kompromiss. Bartholemy soll 3 bis 4 Millionen Euro als Abfindung und für die Abtretung aller Rechte an Marc VDS gefordert haben, war im Paddock zu hören.

Heute ist diese Einigung endlich zustande gekommen. Das Marc VDS-Team kann also die Saison getrost in beiden Klassen weiterführen. Die Zukunft des MotoGP-Teams nach der Saison 2018 steht auf wackligen Beinen.

«Herr Marc van der Straten und Herr Michael Bartholemy haben heute ein einvernehmliches Agreement getroffen. Sie beenden ihre Zusammenarbeit nur aus einem Grund – es gab unterschiedliche strategische Betrachtungsweisen», heißt es in einem Statement von Marc VDS.

Naja, diesen Wortlaut kennen wir von anderen Gelegenheiten. Mit dieser Formulierung kann sich Michael Bartholemy auf gesichtswahrende Art und Weise aus dem Deal zurückziehen.

Ganz einvernehmlich und harmonisch sind die letzten Wochen freilich nicht verlaufen. Ein lange vorher vereinbartes Hearing zwischen den Streitparteien am Montag vor dem Le-Mans-GP in Genf wurde kurzfristig abgesagt.

Stattdessen beschaffte sich Marc VDS die Einstweilige Verfügung.

Bartholemy demonstrierte seine Macht mit der überraschenden Absage des MotoGP-Tests in Barcelona für Dienstag und Mittwoch nach dem Frankreich-GP. Tom Lüthi hörte diese Neuigkeit in Le Mans nach dem Rennen, zwei Tage vor dem Test. «Ich bin schockiert», seufzte er.

Und Marc van der Straten reagierte wütend. Die Tatsache, dass Bartholemy den MotoGP-Test in Barcelona abgesagt hat, zeige den Unwillen des Ex-Teammanagers, die Interessen des Teams zu vertreten, schimpfte van der Straten am Sontagabend in Le Mans. «Herr Bartholemy trifft Entscheidungen, die seiner Ankündigung diametral entgegenstehen.»

Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand einschätzen, ob Marc VDS in Mugello in beiden Klassen antreten könne.

Doch Schritt für Schritt wurden alle Rechte und Verträge von Bartholemys Firma auf Marc VDS übertragen. Dorna, IRTA, die Sponsoren sowie Luca Montiron und Emilio Alzamora versuchten sich in der Vermittlerrolle.

«Die vergangenen Wochen waren schwierig für alle Beteiligten im Marc VDS Racing Team, denn es herrschte eine Ungewissheit über die Zukunft, was uns von unserem Ziel, Rennen zu gewinnen, abgelenkt hat. Mit Hilfe dieser Vereinbarung können wir uns ganz darauf fokussieren, weitere Erfolge zu erringen», stellte Marc van der Straten heute fest.

Marc van der Straten betonte, er werfe Michael Bartholemy nichts vor, Michael Bartholemy sei vollkommen rehabilitiert. 

«In acht Jahren haben Marc und ich zusammen viel erreicht. Wir haben zwei Weltmeistertitel in der Moto2 gewonnen und Marc VDS als eines der stärksten Teams im Fahrerlager etabliert», erklärte Bartholemy salbungsvoll. «Aber keine Partnerschaft dauert ewig. Ab heute gehen wir getrennte Wege. Ich freue mich auf eine neue Herausforderung.»

Marc van der Straten wird jetzt die Führung des Marc VDS Racing Teams selbst übernehmen und alles tun, um mit Alex Márquez oder Joan Mir den dritten Weltmeistertitel in der Moto2 zu gewinnen.

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Katar 2018: Michael Bartholemy und Marc van der Straten © Soland/Blick Sport Katar 2018: Michael Bartholemy und Marc van der Straten
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