Bradley Smith: «Jedes Werk sucht den neuen Márquez»

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Bradley Smith

Bradley Smith

Red Bull-KTM-Werkspilot Bradley Smith findet mit 27 Jahren 2019 keinen Platz mehr in der MotoGP. Ist nur der Jugendwahn schuld? Fehlt es an Loyalität? Der Brite schildert seine Sicht der Dinge.

Bradley Smith hat im November in Valencia mit Platz 11 den fünften Rang in der Konstrukteurs-WM für KTM (vor Aprilia) geretttet, er war vor zwei Wochen beim GP von Deutschland Zehnter vor Andrea Iannone, er hat zwei Podestplätze (mit Tech3-Yamaha) in der MotoGP-WM erreicht, er war vor drei Jahren in dieser Kategorie WM-Sechster.

Er ist erst 27 Jahre alt. Aber der Jugendwahn vertreibt ihn aus der MotoGP-WM.

Der Engländer wird nach dieser Saison keinen Stammplatz mehr haben.

Bradley muss bei Red Bull KTM nach zwei Jahren für Johann Zarco Platz machen, der ist zwar viereinhalb Monate älter, war aber 2015 und 2016 Moto2-Weltmeister mit 15 Siegen, er hat 2017 in seiner MotoGP-Rookie-Saison einen dritten Rang und zwei zweite Plätze errungen, Zarco war im Vorjahr WM-Sechster. 2018 hat er bei den Wintertests in Buriram und Doha die Plätze 2 und 1 belegt und aus Las Termas und Jerez zwei weitere zweite GP-Plätze heimgebracht, er lag nach dem Jerez-GP in der WM an zweiter Stelle.

Zarco galt im Frühjahr als Mann der Stunde. Er brachte die Yamaha-Stars Rossi und Viñales wochenlang ins Grübeln.

Repsol-Honda machte ihm ein Angebot, Suzuki ebenfalls. Sogar Aprilia wurde hellhörig.

Aber der Franzose war längst mit KTM einig.

Bradley Smith muss sich deswegen um einen neuen Job umschauen. Die Tür bei SIC Petronas-Yamaha ist zugefallen, die Superbike-WM interessiert ihn nicht, eher die Moto2. Aber er kann sich auch einen Testfahrer-Vertrag für die MotoGP bei KTM oder Yamaha vorstellen. Die Verhandlungen laufen.

Es ist eine seltsame Situation. Der 19-jährige Quartararo hat einen MotoGP-Vertrag, der 20-jährige Mir auch. Aber du stehst mit 27 Jahren ohne Vertrag da, Scott Redding mit 15, Stefan Bradl ist mit 28 Jahren Testfahrer geworden. Jonas Folger ist außer Gefecht. Vier Fahrer aus der ehemaligen MotoGP Academy sind weg. Danny Webb fährt schon längst nur mehr gefährliche Road Races.

Bradley, was ist da los? Fabio Quartararo bekam nach dem ersten Podium in der Moto2-WM einen MotoGP-Vertrag. Aber deine Generation ist nicht mehr gefragt. Der Jugendwahn hat überhandgenommen.


Ja. Richtig, genau das ist es, was sich abspielt. Aber die Welt dreht sich weiter. Und wenn sich die Erde wieder einmal um die eigene Achse gedreht hat, werden wieder andere Situationen erleben. 
Am Ende des Tages sieht es so aus: Alle Hersteller haben Angst, den nächsten Marc Márquez zu verpassen.

So einfach ist das.

Die Wahrheit ist: Wenn du mich fragst, gibt es einen neuen Márquez, dann antworte ich: NEIN.

Aber jeder Teammanager hat Angst, so eine Gelegenheit zu verpassen.

Wenn du ein Hersteller bist und nicht so ein Risiko eingehst, wenn dann ein anderes Werk bei diesem Talent zugreifst und es funktioniert, dann schaust du blöd aus. Dann hast du eine Chance verpasst.

Deshalb lässt sich kein Werk solche Gelegenheiten entgegen. 
Honda hat sich vor vier Jahren Miller geschnappt, Ducati hat Iannone und Petrucci aufgebaut, jetzt kommt Bagnaia zu ihnen. Anderseits hat sich Pedrosa 13 Jahre bei Repsol-Honda halten können. Und Zarco kam erst mit 26 Jahren in die MotoGP, Lüthi mit 31.

Ja, mir gefallen ja Kollegen wie Danilo Petrucci, der auf unkonventionelle Art Ducati-Werksfahrer wurde. Er hat jahrelang die Loyalität von Ducati genossen. Er hat Zeit bekommen, sich zu entwickeln. Auch Dovizioso ist bei Ducati nicht über Nacht zum Siegfahrer geworden. Er hat erst in seiner fünften Saison Rennen gewonnen.

Er hat viele Jahre lang unermüdlich geschuftet und das Motorrad entwickelt, bis alle Rädchen zueinander gepasst haben. 
Diese Ausdauer und Geduld scheint bei manchen Teams und Werken momentan zu fehlen, in der ganzen Welt generell, nicht nur in der MotoGP. In allen Branchen wollten die Leute sofort Ergebnisse sehen.
Alle meinen, man könne in sechs Monaten einen Wunderknaben hervorzaubern. 


Der GP-Sport wird immer teurer, die Budgets steigen. Die Werke suchen Abkürzungen zum Erfolg. Ducati hat es mit Lorenzo auch auf diesem Weg versucht.

Ja, klar, ich verstehe das. Es wird eine Menge Geld investiert. 
Aber so präsentiert sich die Welt heute. Du investierst in der Börse, und wenn sich nicht gleich Erfolg einstellst, steigst du sofort wieder aus.

Ähnlich bei den Freundinnen: Wenn es nicht funktioniert, wenn du spürst, das ist nicht die ideale Partnerin, dann machst du mit dem Smartphone Schluss und gehst die nächste Partnerschaft ein. Und danach die nächste.

Die Welt geht momentan in diese Richtung.

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