Danilo Petrucci: Einen Monat lang keine Beschwerden

Von Günther Wiesinger
MotoGP
Andrea Dovizioso und Danilo Petrucci enthüllen den Ducati-Look 2019

Andrea Dovizioso und Danilo Petrucci enthüllen den Ducati-Look 2019

Der neue Ducati-Werksfahrer Danilo Petrucci ist begeistert von der Zusammenarbeit mit seinem neuen Sportpsychologen Eugenio Lizama. «Sein erster Auftrag: Ich darf mich einen Monat lang über nichts beschweren.»

Danilo Petrucci erzählte bei der Ducati-Teampräsentation bei Philip Morris am Freitag im «Cube» in Neuchatel am Ufer des Neuenburger Sees, er habe von Andrea Dovizioso das Angebot bekommen, mit ihm in Forli zu trainieren und mit seiner Betreuer-Mannschaft zusammenzuarbeiten, mit seinem Arzt, seinem Sportpsychologen und so weiter. Deshalb wird er seinen Wohnsitz von Terni bei Rom in die Nähe von Forli verlagern.

Wir erinnern uns: Dovizioso musste sich bei Ducati zuerst gegen den jungen Eindringling Andrea Iannone durchsetzen, dann gegen Jorge Lorenzo, den dreifachen MotoGP-Weltmeister, der in zwei Jahren 25 Millionen Euro abkassierte.

«Diese Situation hat eine Reaktion erfordert. Andrea ist nicht der Typ, der eine Szene macht. Darum hat er an den Details geschliffen», schilderte damals Dovis Manager Simone Battistella.

Die körperliche Fitness wurde in Zusammenarbeit mit den beiden Francescos verbessert: Chionne, dem Physiotherapeuten, und Cuzzolin, dem Sporttrainer.

In der Vergangenheit hatte sich Dovi vorrangig um seinen Körper gekümmert, zu wenig um den mentalen Bereich, um seinen Geist und seine Seele. Eugenio Lizama ist ein 39-jähriger Sportpsychologe aus Chile, der neun Jahre an der Universität in Chile unterrichtet und mit vielen Stars im Motorsport zusammengearbeitet hat. Auch Amadeo Maffei und Bruno Demichelis sind zwei Psychologen, die sich in den letzten Jahren oft in Andreas Nähe befanden.

Für einen Rennfahrer ist es wichtig, das Gehirn zu trainieren, um die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Aber es geht auch darum, sich mental auf Schwierigkeiten vorzubereiten, die einen Fahrer auf die Probe stellen. «Ich habe verstanden, dass man keine Ausreden für die eigenen Fehler suchen muss, sondern dass man sie aufspüren und beseitigen muss», erklärte Dovi, als er 2017 zum großen Herausforderer von Weltmeister Marc Márquez wurde.

Er wollte endlich nicht mehr die Komparsen-, sondern die Hauptrolle spielen. Sie liegt ihm inzwischen im Blut. Der Weg nach ganz oben hat begonnen, als er sich bewusst wurde, dass es in seiner motorsportlichen Karriere noch Spielraum für Wachstum gibt. «Ich bin gefährlich, aber ich kann mich noch weiterentwickeln», erkannte Dovi, als Lorenzo zu Ducati kam. Und er hat diese neue Herausforderung hervorragend gemeistert.

Jetzt bietet er seinem neuen Teamkollegen Danilo Petrucci seine eigene meisterhafte Plattform an, sie soll ihm als Sprungbrett dienen und ihn zum Siegfahrer in der MotoGP-Klasse befördern.

Petrucci ist von seinem neuen Sportpsychologen Eugenio Lizama begeistert und beeindruckt. «Er kommt aus Chile. Ich war schon sehr, sehr gut vorbereitet, als ich ihn zum ersten Mal getroffen habe», schildert Petrux. «Ich habe mich um das mentale Training immer gekümmert, um die Reaktion, um den Reflex, um Konzentration, da haben mir die Leute von Formula Medicine viel geholfen. Eugenio hat beim ersten Test gesagt: ‚Du bist eindrucksvoll, wenn man bedenkt, dass du erstmals so einen Test machst‘. Ich habe entgegnet: ‚Es ist nicht das erste Mal, ich kenne diesen Test seit drei Jahren.‘»

«Ich habe ihm gesagt, ich brauche einen richtigen Sportpsychologen, der mir einen Schlüssel gibt, wenn ich alles schwarz sehe. Ich brauche eine Methode, die dann die Zukunft heller strahlen und die Dinge anders aussehen lässt. Er hat mir also eine Aufgabe für den Monat Januar gegeben. Er hat mir befohlen: ‚Beschwer dich einen Monat lang über gar nichts!‘ Das ist nicht einfach. Denn manchmal denkst du: ‚Verdammt, es regnet.‘ Jetzt muss ich anders denken: Ich habe jetzt Zeit, um daheim einiges in Ordnung zu bringen, ein Buch zu lesen, auszuruhen, ich muss alles aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Ich denke mir also: ‚Ich habe jetzt mehr Zeit für mich selbst.‘ So sieht diese Übung aus. Sie ist gewöhnungsbedürftig. Glaubt mir. Und alle Menschen in meinem Umfeld haben denselben Auftrag bekommen, denn das Gehirn lässt sich trainieren. Wenn du dich immer über alles beschwerst, schaust du dauernd auf das 1 Prozent, das nicht passt. Und nicht auf die 99 Prozent, die in Ordnung sind. Man belastet sich viel zu viel mit negativen Gedanken. Man muss umdenken. Man muss sich anschauen, was man hat und das Beste daraus machen. Wie gesagt: Das fällt schwer. Aber ich fühle mich inzwischen glücklicher und zufriedener. Ich gehe bewusster durchs Leben. Aber man darf nicht vergessen: Das Reden ist einfach. Gute Vorsätze auch. Die Resultate zu bringen, ist eine andere Sache. Aber ich bin gespannt auf den nächsten Test. Ich will auf das Motorrad springen und herausfinden, ob alle Puzzlesteinchen richtig zusammengefügt worden sind.»

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