Hervé Poncharal (KTM): «Keine unsinnigen Forderungen»

Von Günther Wiesinger
MotoGP

Red Bull Tech3-KTM-Teambesitzer Hervé Poncharal blieb mit seinem MotoGP-Team 2019 bisher hinter den Erwartungen. Aber er versteht, dass KTM das Werksteam vorrangig beliefern muss.

Mit Johann Zarco und Jonas Folger hat das Tech3-Yamaha-Team von Hervé Poncharal 2017 und 2018 insgesamt sieben Top-3-Ergebnisse eingefahren. Nach dem Wechsel zu Red Bull und KTM hat sich der Rennstall von Poncharal auf ungewohntem Terrain bewegt – nicht selten waren Miguel Oliveira und Hafizh Syahrin auf den letzten Plätze zu sehen.

Aber es fanden sich auch Lichtblicke. So kämpfte der Portugiese Oliveira bereits beim zweiten Grand Prix in Las Termas um Platz 9, er fuhr am Hinterrad von Aleix und Pol Espargaró als Elfter über den Zielstrich. Inzwischen hat der MotoGP-Neuling 15 Punkte eingeheimst, nur einen weniger als der viel höher eingeschätzte Johann Zarco. Aber mit Hafizh Syharin kann niemand zufrieden sein – er hat erst drei Punkte auf dem Konto, zwei sammelte er in Le Mans ein, einen in Assen.

Inzwischen wurden die Konsequenzen gezogen. Der Vertrag mit Oliveira wurde verlängert, Syahrin wird 2020 durch Brad Binder ersetzt.

«Hafizh Syahrin hat das Potenzial, ein ordentlicher MotoGP-Fahrer zu sein», ist Poncharal überzeugt. «Er ist sicher kein Márc Márquez oder Fabio Quartararo. Aber er hat Talent und er kann in der MotoGP konkurrenzfähig sein. Aber der Wechsel von Yamaha zur KTM war schwierig für ihn, das Gleiche gilt für Johann Zarco. Die beiden haben die Anpassung bisher nicht geschafft. Aber ich habe das schon in Zusammenhang mit unserem Moto2-Team gesagt: Fahrer wie Jorge Martin und Brad Binder pushen in jeder einzelnen Runde, in der sie auf der Strecke sind. Marc Márquez macht es genauso. Aber manche Fahrer drehen Runden, in denen sie 3, 4 oder 5 Sekunden zu langsam sind. Aber wenn du das machst, ist es sinnvoller, an die Box zu fahren und mit den Technikern zu reden. Es ist sinnlos, einfach langsame Runden zu drehen, die keinen Zweck erfüllen. Hafizh hat eine andere Mentalität als die meisten anderen MotoGP-Fahrer. Aber er ist inzwischen besser fokussiert. Er fühlt sich auf der KTM allmählich besser. In Assen hat Hafizh die beste Rennrunde aller vier KTM-Fahrer gedreht. Er hat die 13. beste Rennrunde vorgelegt, schneller als Pol, Johann und Miguel. Er leistet inzwischen anständige Arbeit. Und seine Kommentare sind für KTM recht interessant.»

Miguel Oliveira fiel nach dem Argentinien-GP in ein Loch. Manchmal lag er in den Trainings sogar noch hinter Syahrin. Poncharal: «Aber manche Pisten sind für unser Motorrad schwieriger als andere», ist sich Poncharal bewusst. «Katar war gut, Las Termas war wirklich gut für die KTM. In Austin sah es mühsamer aus, in Jerez und Mugello hatten wir die größten Schwierigkeiten. In Catalunya ging es etwas besser.»

Oliveira litt auch, weil Pol Espargaró für Le Mans im Mai eine neue Karbonschwinge bekam und dazu ein Motor-Update. Miguel erhielt die neue Schwinge erst beim niederländischen WM-Lauf, weil die Belieferung des Factory-Teams mit Espargaró und Zarco Vorrang hatte.

«KTM betreibt momentan ein unglaublich intensives Entwicklungsprogramm, sowohl für die Moto2 als auch für die MotoGP-Klasse», weiß Poncharal. «KTM will den vier MotoGP-Fahrern am liebsten immer identisches Material liefern. Aber wenn von einer neuen Komponente nur ein Exemplar existiert, bekommt es sicher Pol. Aber selbst er hatte anfangs nur ein Bike mit Karbonschwinge… Danach kommt Johann an die Reihe, nachher wir. Diese Lieferkette hat Miguel nicht geholfen. Das hat ihn mental etwas zurückgeworfen und belastet. Er hat dann in Assen am Samstag eine Karbonschwinge bekommen. Pit Beirer war nachher wirklich happy. Denn Miguel war damit im ersten Run des Q1 an zweiter Stelle! So KTM hat gesehen: Miguel kriegt ein neues Teil – und er liefert bessere Resultate. Miguel fasste dadurch frischen Mut. Deshalb möchte ich mich nicht beschweren. Ich bin eng mit der KTM-Organisation vertraut, wir machen gemeinsam Druck. Ich verstehe ihre Probleme, ich teile ihre Standpunkte. Pol Espargaró muss als erster Fahrer bedient werden! Deshalb werden wir niemals irgendwelche unsinnigen Forderungen stellen. Sobald die Mannschaft von Pit neue Teile liefern kann, bekommen wir sie. In Sachsen hat auch Syahrin eine neue Karbonschwinge erhalten. Jeder unserer Fahrer hatte beim deutschen ein Bike mit Karbon- und eines mit Alu-Schwinge. Ich habe David Tasch, der für KTM Technologies diese Schwingen baut, auf dem Startplatz in Barcelona kennengelernt. Pit hat ihn mir vorgestellt. Er hat mir versichert, dass sie die Produktions-Kapazität verdoppelt haben und sie fast 24 Stunden am Tag arbeiten, um die Teams rasch beliefern zu können. Pit Beirer hat auch angekündigt, dass wir die neuen Motor-Spezifikationen bald bekommen.»

Poncharal ist überzeugt, dass Miguel Oliveira ein kostbarer Pilot für KTM ist. «Denn sein Feedback ist unglaubliche präzise und gut. Er wird von den Technikern sehr geschätzt. Miguel ist ein Typ, der niemals so richtig pushen wird, wenn er meint, er habe nicht das bestmögliche Material. Aber sobald er neue Teile hat, liefert er anständige Ergebnisse ab», meint der Teamchef.

MotoGP Ergebnis, Sachsenring:

1. Marc Márquez. 2. Viñales. 3. Crutchlow. 4. Petrucci. 5. Dovizioso. 6. Miller. 7. Mir. 8. Rossi. 9. Morbidelli. 10. Bradl. 11. Rabat. 12. Pol Espargaró. 13. Iannone. 14. Nakagami. 15. Abraham. 16. Syahrin. 17. Bagnaia. 18. Oliveira.

WM-Stand nach 9 von 19 Rennen:

1. Márquez 185. 2. Dovizioso 127. 3. Petrucci 121. 4. Rins 101. 5. Viñales 85. 6. Rossi 80. 7. Miller 70. 8. Quartararo 67. 9. Crutchlow 67. 10. Pol Espargaró 56.

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