Ducati überzeugt: Das Chassis nicht vernachlässigt

Von Ivo Schützbach
Die Ducati Desmosedici ist nicht frei von Kritik

Die Ducati Desmosedici ist nicht frei von Kritik

Die Dominanz von MotoGP-Weltmeister Marc Marquez (Honda) bereitet Ducati-Werksfahrer Andrea Dovizioso Kopfzerbrechen. Der Vizeweltmeister fordert eine Konzeptänderung – und stößt auf taube Ohren.

Ducati hat seit dem MotoGP-Einstieg 2003 zahlreiche Innovationen in die MotoGP-WM gebracht, aber erst einmal den Titel gewonnen: 2007 mit Casey Stoner. 2017 und 2018 wurde Andrea Dovizioso Vizeweltmeister und auch dieses Jahr liegt der Ducati-Star hinter dem überragenden Marc Marquez (Honda) auf Platz 2.

Seit 2016 mauserte sich Dovizioso zum Siegfahrer und großen Herausforderer von Marquez, er besiegte den Spanier in etlichen Rad-an-Rad-Kämpfen. Aber beim Sachsenring-GP 2019 platzte Dovi der Kragen, er übte nach seinem enttäuschenden fünften Platz Kritik an der Desmosedici, die auch heute noch auf manchen GP-Strecken deutliche Mängel offenbart.

«Wir wollen nicht um jeden Preis innovativ oder Pioniere sein, das ist lediglich das Ergebnis unserer Entwicklungsansätze», erzählte Ducatis Technischer Direktor Davide Barana. «Wir sagen nie, dass etwas unmöglich ist oder nie zuvor gemacht wurde, deshalb sieht man an unserem Motorrad auch ungewöhnliche Lösungen. Es gibt auch viele versteckte Detaillösungen, die für sich genommen nicht viel bewirken, aber zusammen gut funktionieren.»

Davide, Andrea Dovizioso hat geäußert, man müsse die DNA des Motorrads ändern, damit das Gefühl fürs Vorderrad besser wird. Ist das nötig und auch möglich?

Wir wissen, dass wir in den Kurven mehr herausholen können. Wichtig ist aber auch, dass wir uns in jenen Bereichen verbessern, die unsere Stärken sind. Wenn du dich nur auf einen Bereich konzentrierst, dann riskierst du, in anderen zu verlieren.

In den Kurven besser zu werden, ist ein langer Prozess. Unglücklicherweise hat das viel mit probieren zu tun. Du testest etwas, musst diesen Test bestätigen und beweisen, dass es wirklich eine Verbesserung gibt. Erst dann kannst du den nächsten Schritt machen – das beansprucht viel Zeit.

Der Motor der Ducati war schon immer sehr stark und auch die Elektronik arbeitet gut. Wurde die Chassis-Entwicklung vernachlässigt?

Das glaube ich nicht.

Als wir in der MotoGP-Klasse begannen, schlugen wir andere Wege als die Konkurrenz ein, deshalb ließ sich vieles nicht vergleichen.

Seit 2013 haben wir ein ähnliches Chassis-Konzept. Seither haben wir das Chassis gemeinsam mit dem Motor entwickelt. Sicher, mit der Entwicklung von Motoren hat Ducati mehr Erfahrung als mit Chassis’. Einen Motor zu entwickeln ist einfacher für uns, als ein Chassis. Wir wissen, dass wir in diesem Bereich aufholen müssen und werden deshalb zukünftig noch mehr Gewicht darauf legen.

Wie sähe euer Job aus, würde es Marc Marquez nicht geben?

Schwer zu sagen. Es ist nicht so, dass wir ohne Marquez automatisch Erster wären. Wahrscheinlich hätten wir es einfacher, wir wurden oft Zweiter. Vielleicht hätten wir auch die Weltmeisterschaft gewonnen, das weiß keiner.

Das ist alles hypothetisch. Marquez ist da, wir müssen uns mit ihm und Honda messen und versuchen zu gewinnen.

Eine der Stärken von Ducati war immer die Bremsstabilität, inzwischen sagt Dovizioso aber, dass Marquez auf der Bremse stärker sei als er. Hat Honda euren Vorteil neutralisiert?

Als Erstes wurden sie in der Beschleunigung deutlich besser. Wieviel sie auf der Bremse besser wurden, lässt sich schwer sagen, weil da viele Faktoren hineinspielen. Es ist auch nicht so, dass man auf jeder Strecke 100 Prozent abrufen kann. Ich halte die Bremsphase nach wie vor für eine unserer Stärken.

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