Domenicali (Ducati): Sein 50/50-Plan für den WM-Titel

Von Nora Lantschner
MotoGP
Claudio Domenicali

Claudio Domenicali

Marc Márquez (Honda) steht schon vier Rennen vor Schluss als MotoGP-Weltmeister fest. Ducati-CEO Claudio Domenicali will das 2020 ändern: «Eine Hälfte liegt in Borgo Panigale, die andere bei unseren Fahrern.»

«Vier Rennen vor Schluss ist es ein bisschen früh, um eine endgültige Bilanz zu ziehen, aber viele Dinge haben wir sicher schon gesehen», begann Claudio Domenicali, CEO der Ducati Motor Holding, seine Analyse der MotoGP-Saison 2019. «Wir sind ein Unternehmen, das im Wettkampf steht. Als solches ist unser Hauptziel, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Dieses Jahr steht aber schon fest, dass wir nicht gewinnen werden», verwies er auf die 110 Punkte Vorsprung von Marc Márquez (Repsol Honda) auf Ducati-Hoffnungsträger Andrea Dovizioso. Der Neuzugang im Werksteam aus Borgo Panigale, Danilo Petrucci, liegt nach 15 von 19 Rennen mit 163 Punkten Rückstand auf WM-Rang 5. Damit führt das Ducati-Werksteam die Teamwertung 19 Zähler vor Repsol Honda an.

«Die Bilanz ist positiv, wenn wir nach vorne und nach hinten schauen: In der Weltmeisterschaft gibt es 22 Fahrer. Wir müssen also einmal schauen, was Honda und Márquez machen, und dann auch, was die anderen leisten», betonte Domenicali, der gleichzeitig an die Siege von «Dovi» (Doha und Spielberg) und «Petrux» (Mugello) erinnerte: «Wir haben zwei Fahrer in einem Team, die in dieser Saison ein MotoGP-Rennen gewonnen haben. Nicht einmal die Honda von Marc hat zwei Fahrer, die ein Rennen gewonnen haben. Das bedeutet, dass wir uns gut geschlagen haben. War es gut genug? Nein, weil wir sonst besser abgeschnitten hätten, auch was den Rückstand in der WM-Wertung angeht.»

Damit der ersehnte zweite WM-Titel (nach Casey Stoner 2007) für Ducati näher rückt, sieht Domenicali an zwei Fronten Handlungsbedarf: «Ich teile diese Dinge, die wir tun müssen – wohlüberlegt, damit sich keiner aufregt – zur Hälfte dem Motorrad und zur Hälfte den Fahrern zu.»

«Unser Motorrad hat eine spezielle Eigenschaft, es wurde nämlich rund um die starke Performance und Power des Motors entwickelt», hielt der Ducati-CEO fest. «Die Ducati wurde so geboren, wenn man an das Bike von Loris [Capirossi] 2003 zurückdenkt. In Barcelona, bei der letzten Test-Session vor dem Saisonauftakt, haben die Leute damals nicht wirklich verstanden, was vor sich ging. Sie haben uns ausgelacht, weil wir von der Superbike-WM kamen. Loris hat dann aber einen Qualifying-Reifen aufgezogen und ist die Bestzeit gefahren. Und im Fahrerlager wurde es still», blickte er zurück. «Die Japaner haben Motorräder gebaut und großen Wert auf die Fahrbarkeit gelegt – wir hatten 20 PS mehr als die anderen.»

«Wir haben im ersten Rennen den ersten Podestplatz geschafft, die Pole im dritten Anlauf in Jerez und das sechste Rennen haben wir gewonnen. So ein Debüt hat kein anderes Werk wiederholt. Eben weil wir von Anfang an sehr stark auf die Motorleistung gesetzt haben. Auch heute noch ist es ein bisschen die Charakteristik unseres Bikes, wir haben es auf der Geraden von Aragón gesehen», unterstrich Domenicali. «Das hat aber auch negative Seiten. Das Motorrad hat eine großartige Beschleunigung und ist großartig in der Bremsphase, es hat große Stärken – aber eben auch Schwächen. Auf dieser Balance aus Stärken und Schwächen beruht die Konkurrenzfähigkeit.»

Vor allem im Vergleich mit der Konkurrenz – und diese habe 2019 bedeutende Fortschritte gemacht: «Honda hat sich in Sachen Motorleistung in diesem Jahr sehr stark verbessert. Wir haben aber gesehen, dass nur Marc das Motorrad fahren kann.»

Was muss Ducati an der GP20 besser machen? «Wir müssen in unseren 50 Prozent die Fähigkeit finden, dem Motorrad den Speed in der Kurvenmitte und eine Dynamik in den Richtungswechseln zu geben, die uns heute fehlen. Wir verlieren in diesen Bereichen der Strecke so viel, dass es nicht tolerierbar ist.»

«Da hat der Fahrer nichts damit zu tun. Das ist eine Problematik, für die Borgo Panigale zuständig ist», weiß Domenicali, der aber auch seine Werksfahrer Andrea Dovizioso und Danilo Petrucci in die Pflicht nahm: «50 Prozent muss von ihnen kommen, weil sie sich mit Marc messen müssen. Denn wir müssen Marc schlagen. Wenn es Marc nicht geben würde, dann hätten wir schon zweieinhalb Weltmeisterschaften gewonnen. Das ist eine historische Tatsache, keine Hypothese von mir.»

«Marc hat aus meiner Sicht ein großes Talent – aber es ist nicht nur Talent. Er ist ein Fahrer, der studiert und analysiert hat, wie man sich verhalten muss. Ein Fahrer, der meiner Meinung nach eine neu Art und Weise erfunden hat, auf einem Motorrad zu sitzen: Seine Fahrweise, wie er sich mit dem Ellbogen abstützt und dadurch das Rutschen des Vorderrads kontrolliert», schilderte der Ducati-CEO.

Domenicali weiter: «Er hat sicher Mut, aber mit Mut allein kommst du nicht weit, denn dann stürzt du 20 Mal und verletzt dich. Wahrscheinlich ist es auch sein körperliches Training, das ihm diese Elastizität gibt, auch die Muskulatur. Er ist sehr oft gestürzt, aber er hat es immer geschafft, 'gut' zu stürzen. Das ist kein Zufall, dahinter stecken Training, Vorbereitung und das Studieren eines Fahrstils.»

«Meiner Meinung nach geht er viel überlegter und methodischer zu Werk, als es scheinen mag. Sicherlich ist er ein großes Talent, denn ohne Talent kommst du nicht so weit. Es muss aber eine Vorbereitung dahinter stecken – so wie er das Motorrad fährt, das macht man nicht zufällig. Das ist etwas, wo man analysiert, sich vorbereitet, versteht, wie man es macht, und trainiert – es wieder und wieder versucht.»

«Er verbessert sich konstant, immer noch ein kleines Bisschen mehr. Das ist nicht nur reines Talent», ist sich der 53-jährige Italiener sicher. «Er gibt einen Weg vor. Talente gibt es viele, aber ich glaube sehr stark an die Methode: Zu Analysieren und die anderen zu studieren. Früher haben alle Valentino [Rossi] studiert. Ich glaube, dass der, der Márquez schlagen wird, der sein wird, der ihn am Besten studiert», erklärte Domenicali.

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