MotoGP-WM: Ducati gegen Yamaha – wer greift noch ein?

Von Günther Wiesinger
Editorial
Momentan wird die MotoGP-WM vom Zwist Ducati gegen Yamaha geprägt. Die Italiener haben die Fahrer-WM seit 2007 nicht gewonnen. Aber die Stärkeverhältnisse können sich rasch ändern.

Die MotoGP-Weltmeisterschaft 2021 hat bei den ersten fünf Grand Prix für einige unerwartete Ergebnisse und spektakuläre Ergebnisse gesorgt. Zuerst wurde im März noch beratschlagt, ob Marc Márquez bereits beim Saisonstart bereit sein würde und ob er auf Anhieb aufs Podest fahren könne. Er kehrte beim dritten Grand Prix in Portugal zurück, kam bisher über Rang 7 nicht hinaus und stürzte allein beim Le-Mans-GP viermal, zweimal im Rennen.

Der Repsol-Honda-Werkspilot präsentiert sich also mit der gleichen Einsatzfreudigkeit wie vor seinem komplizierten Oberarmbruch (drei Operationen, zwei Knochen-Transplantationen), doch seiner überirdische Rennperformance ist noch nicht wiedergekehrt. Honda wird also auch 2021 bei der Titelvergabe keine Rolle spielen.

Suzuki präsentiert sich schwächer als im Vorjahr. Joan Mir ist WM-Sechster, Alex Rins WM-Zwölfter. 2020 haben sie die WM auf den Rängen 1 und 3 beendet.

Deshalb werden Ducati und Yamaha die Weltmeisterschaft unter sich ausmachen.

Ducati hat den Vorteil, mit Bagnaia, Zarco und Miller drei Fahrer in der Fahrer-WM unter den Top-4 platziert zu haben.

Yamaha muss vorläufig allein auf Fabio Quartararo setzen, denn Viñales ist zu unbeständig.

Ducati hat in diesem Jahr bisher auf allen GP-Strecken Podestplätze beschlagnahmt und insgesamt bereits neun von 15 Top-3-Ergebnissen in dieser Saison für sich beansprucht: Pecco Bagnaia und Johann Zarco je drei, Jack Miller zwei, Jorge Martin einmal.

KTM hat bisher die hohen Erwartungen nicht erfüllt, die durch die Erfolge von 2020 geschürt wurden. Im Vorjahr räumte KTM drei Siege sowie fünf dritte Plätze und drei Pole-Positions ab. Dazu sicherten sich Pol Espargaró, Oliveira und Brad Binder die WM-Ränge 5, 9, und 11.

Jetzt hält sich Binder als bester KTM-Pilot in der WM an elfter Position – er hat als beste Ergebnisse bisher einen achten und einen fünften Rang erzielt. In der Marken-WM ist KTM auf den sechsten und letzten Platz abgerutscht.

Dafür hat Aprilia Racing endlich die Erwartungen übertroffen. Die Aprilia RS-GP21 war bisher überall konkurrenzfähig, Aleix Espargaró kutschierte das Motorrad aus Noale auf den siebten WM-Zwischenrang. Und mit dem 15-fachen MotoGP-Sieger Andrea Dovizioso könnte Aprilia 2022 wertvolle Verstärkung bekommen.

Yamaha hat 2021 mit Quartararo bereits in Doha-2 und in Portimão sowie mit Viñales (Doha-1) drei GP-Siege erbeutet.

Doch Ducati hat ausgezeichnete Chancen, erstmals seit 2007 (damals mit Casey Stoner) die MotoGP-WM-Krone zu erobern.
Bei den kommenden zwei Grand Prix in Mugello (30. Mai) und Catalunya (6. Juni) werden die Desmosedici-Raketen (Johann Zarco schaffte in Losail sagenhaft 362,3 km/h Top-Speed) die Gegner auf den jeweils 1 km langen Zielgeraden sicher wieder zur Verzweiflung bringen.

Aber sinnvolle Prognosen bleiben schwierig, sogar sinnlos.
Denn die Saison 2020 lieferte uns in 14 Rennen neun verschiedene Sieger, sie sorgte für viele Dramen und Überraschungen. Marc Márquez stürzte beim Saisonauftakt in Jerez schwer, er fiel für den Rest der Saison aus. Joan Mir krönte sich als krasser Außenseiter in seiner erst zweiten MotoGP-Saison zum Weltmeister – als WM-Zwölfter von 2019.

Auch 2021 scheint noch ein Umsturz möglich. Ducati könnte wieder auf einzelnen Pisten bei gewissen Bedingungen in Schwierigkeiten geraten. Marc Márquez könnte auf die Erfolgsspur zurückkehren, Suzuki und KTM könnten sich aus dem aktuellen Tief retten.

Deshalb genießen wir einfach die Abwechslung, die Unberechenbarkeit der MotoGP-Klasse mit ihren irrwitzig engen Zeitabständen.

Und den Valentino-Rossi Fans wünschen wir, dass der 115-fache GP-Sieger (seit September 2020 in Misano nie mehr in den Top-Ten) bald wieder mehr zu lachen hat.

Vielleicht schon beim Heim-GP in Mugello/Italien, den er von 2002 bis 2008 sieben Mal hintereinander gewonnen hat.

Stand Fahrer-WM nach 5 Rennen:

1. Quartararo 80 Punkte. 2. Bagnaia 79. 3. Zarco 68. 4. Miller 64. 5. Viñales 56. 6. Mir 49. 7. Aleix Espargaró 35. 8. Morbidelli 33. 9. Nakagami 28. 10. Pol Espargaró 25. 11. Binder 24. 12. Rins 23. 13. Bastianini 20. 14. Alex Márquez 18. 15. Martin 17. 16. Petrucci 16. 17. Marc Marquez 16. 18. Bradl 11. 19. Rossi 9. 20. Oliveira 9. 21. Marini 9. 22. Lecuona 8. 23. Savadori 2. 24. Rabat 1.

Stand Konstrukteurs-WM:

1. Ducati 110 Punkte. 2. Yamaha 107. 3. Suzuki 53. 4. Honda 43. 5. KTM 38. 6. Aprilia 35.

Stand Team-WM:

1. Ducati Lenovo 143. 2. Monster Energy Yamaha 136 Punkte. 3. Pramac Racing 86. 4. Suzuki Ecstar 72. 5. Repsol Honda 48. 6. LCR-Honda 46. 7. Petronas Yamaha SRT 42. 8. Aprilia Racing Team Gresini 37. 9. Red Bull KTM Factory Racing 33. 10. Esponsorama Racing Ducati 29. 11. Tech3 KTM Factory Racing 24.

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